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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Studie: Leistungen aus Teilhabepaket erreichen zu wenige Kinder
Wirtschaft

Studie: Leistungen aus Teilhabepaket erreichen zu wenige Kinder

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 20. Juli 2026 09:47
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Mit dem Bildungs- und Teilhabepaket unterstützt der Staat seit 2011 Kinder und Jugendliche aus Familien mit wenig Geld. So wird die Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben, wie im Sportverein oder in der Musikschule, mit 15 Euro monatlich gefördert. Bezuschusst wird auch der Schulbedarf – mit 130 Euro für das erste Schulhalbjahr und 65 Euro für das zweite.

Inhaltsübersicht
Bertelsmann-Stiftung: Hilfe erreicht die meisten Bedürftigen nichtIn Bayern kommt das Geld noch seltener anStudien-Autoren: „Bürokratische Hürden“ müssen fallenSchätzungen ersetzen präzise Daten

Bertelsmann-Stiftung: Hilfe erreicht die meisten Bedürftigen nicht

Laut einer Analyse der Bertelsmann-Stiftung erreichen die Hilfen aber viele der Bedürftigen nicht. So erhalten Schätzungen der Stiftung zufolge mehr als acht von zehn Anspruchsberechtigten den monatlichen Betrag von 15 Euro zur sozialen und kulturellen Teilhabe nicht, von den Sechs- bis unter 15-Jährigen nehmen nur rund 18 Prozent die Leistung in Anspruch, bei den 15- bis unter 18-Jährigen sind es sogar nur zwölf Prozent.

Bei jungen Menschen, die Sozialhilfe beziehen oder die unter das Asylbewerberleistungsgesetz fallen, sei der Abruf der Hilfen noch geringer, so die Bertelsmann-Stiftung. Die Autoren beklagen zudem, dass wegen mangelnder Daten bei Kindern aus Familien, die Wohngeld oder Kinderzuschlag beziehen, nicht einmal bekannt sei, wie viele von ihnen die Leistungen beziehen. 

Den Zuschuss für Schulbedarf von 195 Euro pro Jahr erhalten laut der Analyse 78 Prozent der Sechs- bis unter 15-Jährigen, deren Eltern Grundsicherung erhalten. Damit, so die Stiftung, bleibe immerhin jedes fünfte Kind ohne Unterstützung für Hefte, Stifte oder andere Lernmittel. Das gemeinsame Mittagessen nutzen allerdings nur 37 Prozent. 

In Bayern kommt das Geld noch seltener an

Die Autoren der Untersuchung beklagen außerdem, dass der Abruf der Gelder sehr stark vom Wohnort der Eltern abhänge. In Schleswig-Holstein nähmen 59 Prozent der Berechtigten die Leistungen in Anspruch, in Mecklenburg-Vorpommern immerhin 38 Prozent. In Berlin, Hamburg und Rheinland-Pfalz erreiche der Teilhabebetrag hingegen nur einen von zehn der anspruchsberechtigten jungen Menschen.

Auch in Bayern erreicht die Unterstützung aus dem Teilhabepaket der Studie zufolge bedürftige Kinder seltener als im bundesweiten Schnitt. Von den15 Euro pro Monat, die bundesweit 18,3 Prozent der berechtigten Kinder im Alter von sechs bis einschließlich 14 Jahren bekämen, profitierten in Bayern nur 16,4 Prozent, bei Jugendlichen zwischen 15 und einschließlich 17 Jahren ist demnach der Anteil noch geringer: In dieser Altersgruppe erhalten bundesweit 12,1 Prozent der Berechtigten den Zuschlag, in Bayern sind es 10,2 Prozent.

Studien-Autoren: „Bürokratische Hürden“ müssen fallen

Die Bertelsmann-Stiftung forderte, dass als Schlussfolgerung aus der Studie der Zugang zum Bildungs- und Teilhabepaket grundlegend vereinfacht werden müsse. „Die geringe Nutzung liegt nicht daran, dass die Kinder keinen Bedarf hätten. Vielmehr ist der Betrag klein und der Weg dorthin sehr aufwändig“, sagt Antje Funcke, Expertin für Familienpolitik der Bertelsmann Stiftung. 

„Teilhabe ist kein Zusatz, sondern eine wichtige Voraussetzung für Bildung, Zugehörigkeit und ein gutes Aufwachsen“, so Funcke. Unterschiedliche Bewilligungs- und Antragsverfahren, komplexe Formulare und umfangreiche Nachweispflichten erschwerten es den Eltern aber, die Leistungen zu beantragen.

„Leistungen sollten möglichst ohne zusätzliche Anträge ausgezahlt, Zuständigkeiten gebündelt und vorhandene Informationen zwischen den Behörden digital genutzt werden“, so Funcke. Die Politik müsse deshalb „nicht nur die bürokratischen Hürden beseitigen, sondern auch endlich transparent machen, welche Kinder erreicht werden und welche nicht“. Derzeit fehle in vieler Hinsicht eine verlässliche Datengrundlage zu den Anspruchsberechtigten und der Leistungsnutzung.

Schätzungen ersetzen präzise Daten

Eine Statistik, wie viele Kinder und Jugendliche Anspruch auf das Bildungs- und Teilhabepaket hätten, gibt es laut Bertelsmann-Stiftung nicht. Ihre Analyse basiert deshalb auf einer Schätzung: Dazu wurden die bewilligten Gelder ins Verhältnis gesetzt zu den Sozialleistungen, die von den Eltern bezogen werden und Voraussetzung für Zahlungen aus dem Paket sind. Die Zahlen stammen vom Statistischen Bundesamt und der Bundesagentur für Arbeit für das Jahr 2025 und aus einer Sonderauswertung aus Mai 2026.

Mit Informationen von dpa und AFP.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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