Madonna, Justin Bieber, Coldplay, Shakira, BTS: Das Line-up für die Halbzeitshow beim WM-Finale zwischen Spanien und Argentinien am Sonntag in New York ist beeindruckend. Aber 25 Minuten Unterbrechung für ein Konzert (Link zur Sportschau) – mitten in einer wichtigen Fußballpartie?
Erstmals in der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaft wird die Halbzeitpause mit einer großen Musikshow inszeniert – ganz nach dem Vorbild der legendären Halftime Show beim Super Bowl.
FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte die Premiere bereits vor Monaten als „historischen Moment“ angekündigt. Die Show soll den Angaben des Weltverbands zufolge die größte Ansammlung internationaler Musikstars seit dem Benefizkonzert Live Aid im Jahr 1985 werden.
Madonna, BTS und Coldplay auf einer Bühne
Das angekündigte Line-up ist entsprechend prominent: Madonna, Justin Bieber und Coldplay sollen ebenso auftreten wie Shakira und Burna Boy, die gemeinsam den offiziellen WM-Song „Dai Dai“ veröffentlicht haben. Für besondere Aufmerksamkeit sorgt außerdem der angekündigte Auftritt der südkoreanischen Boyband BTS.
Wie lange die Show dauern wird, ist bislang offiziell nicht bestätigt. Medien wie die BBC berichten von einer auf rund 20 Minuten verlängerten Halbzeitpause. Andere internationale Medien spekulieren sogar über bis zu 30 Minuten. Zum Vergleich: Bei einer regulären Fußballpartie dauert die Halbzeit 15 Minuten.
Sportmediziner warnen vor einer so langen Pause (Link zu tagesschau.de). Muskeltemperatur, Herzfrequenz und neuromuskuläre Aktivierung sinken in dieser Zeit, sagt Hans-Georg Predel, Leiter des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule Köln.
Und das alles, wo schon die neu eingeführten Trinkpausen, die „Hydration Breaks“ für reichlich Ärger gesorgt hatten, weil sie im Verdacht stehen, weniger aus Sorge um die Gesundheit der Spieler, sondern vielmehr für zusätzliche Werbeeinnahmen zu sorgen.
Vorbild Super Bowl
Mit der Premiere übernimmt die FIFA ein Erfolgsmodell aus den USA. Die Halftime Show des Super Bowl beim American Football zählt seit Jahren zu den meistgesehenen Musikereignissen der Welt und erreicht regelmäßig weit über 100 Millionen Zuschauer. Künstlerinnen und Künstler wie Beyoncé, Rihanna oder Kendrick Lamar nutzten den Auftritt als globale Bühne.
Auch die FIFA setzt nun auf diesen Effekt: Die Musikshow soll neue Zielgruppen ansprechen und das WM-Finale über den Sport hinaus als weltweites Unterhaltungsevent etablieren.
Für den Bayreuther Sportsoziologen Christian Brandt kommt diese Entwicklung nicht überraschend. Er beschäftigt sich seit Jahren mit der Kommerzialisierung des Fußballs. Bereits seit den 1990er-Jahren sei die Vermarktung des Sports immer wichtiger geworden. Dass dieser Trend ausgerechnet bei einer Weltmeisterschaft in den USA seinen vorläufigen Höhepunkt erreiche, passe ins Bild.
Auch die Auswahl der Künstler folgt dieser Logik. Mit BTS spricht die FIFA gezielt den asiatischen Markt an – obwohl keine asiatische Mannschaft im Finale steht. Die Show richtet sich damit nicht nur an die Zuschauer im Stadion, sondern vor allem an ein weltweites Fernseh- und Streamingpublikum.
Musik statt Fußball, Stars statt Sport
Die zunehmende Vermarktung verändert nach Ansicht von Beobachtern auch die Wahrnehmung des Sports. Im Mittelpunkt stehen immer häufiger einzelne Superstars statt Mannschaften. Vor dem Finale wird vielerorts bereits von „Lamine Yamal gegen Lionel Messi“ gesprochen – obwohl Fußball ein Mannschaftssport bleibt und Titel nicht von Einzelspielern gewonnen werden.
Auch die Fernsehbilder folgen zunehmend den Regeln der Aufmerksamkeit: Prominente Gäste auf den Tribünen oder spektakuläre Fanaktionen erhalten oft mehr Raum als klassische Fankurven oder Choreografien. Fans werden damit zwar weiterhin Teil der Inszenierung – allerdings vor allem dann, wenn sich ihre Bilder gut vermarkten lassen.
Ob die Premiere der Halbzeitshow ein einmaliges Experiment bleibt oder künftig fester Bestandteil aller WM-Endspiele wird, dürfte auch davon abhängen, wie sie am Sonntag beim Publikum ankommt. Klar ist schon jetzt: Die Fußball-Weltmeisterschaft entwickelt sich immer stärker zu einem globalen Entertainment-Event.

