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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Studie: KI lässt Politiker glaubwürdiger klingen als sie selbst
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Studie: KI lässt Politiker glaubwürdiger klingen als sie selbst

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 20. Juli 2026 09:47
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Politiker verfassen ihre Reden oder Texte selten selbst. Das übernehmen Redenschreiber oder neuerdings auch KI-Sprachmodelle wie ChatGPT. Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt und Bundesdigitalminister Karsten Wildberger wurden wegen nicht gekennzeichneten Einsatzes von KI für Meinungs- und Gastartikel in Zeitungen kritisiert. Denn wenn Politikerinnen und Politiker Texte posten, die von einer KI stammen und nicht von ihnen selbst, kann das ihre Glaubwürdigkeit beschädigen.

Inhaltsübersicht
Wer antwortet besser: Politiker oder ein KI-Sprachmodell?KI: Risiko und Chance für demokratische MeinungsbildungKI kann die mediale Debatte manipulieren

In einer repräsentativen Studie [externer Link] haben Forscherinnen und Forscher der Universität Passau mithilfe echter TV-Diskussionen untersucht, wie Menschen maschinell erzeugte Aussagen bewerten. Ihr Ergebnis: Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer erkannten nicht, welche Aussagen KI-erzeugt waren. Sie hielten mehrheitlich KI-generierte Politiker-Zitate sogar für authentischer, relevanter und nachvollziehbarer als die realen Aussagen in der TV-Debatte.

Wer antwortet besser: Politiker oder ein KI-Sprachmodell?

Um herauszufinden, wie gut KI reale Politiker­aussagen imitieren kann, nutzte das Forschungsteam TV-Debatten der BBC-Sendung „Question Time“ [externer Link] als Datengrundlage. Die Talkshow ist seit Jahrzehnten die bekannteste mediale Bühne für öffentliche Debatten zur tagesaktuellen Politik in Großbritannien. Wie überzeugend die Studiogäste auf Live-Fragen der Bürger antworten, ist wichtig für ihr Image und die weitere öffentliche Diskussion.

Die Passauer KI-Experten wählten für die Studie über 100 Fragen und mehr als 500 Politikerantworten aus verschiedenen BBC-Sendungen aus und nutzten ChatGPT-4 Turbo, um entsprechende Aussagen im Stil der Diskutierenden nachzuahmen. In einer Online-Studie mit einem Fragebogen baten sie 948 Personen zu beurteilen, wie authentisch, relevant und schlüssig die Politiker-Antworten waren. Die britischen Studienteilnehmenden bewerteten die Antworten auf einer fünfstufigen Skala, zum Beispiel von „sehr authentisch“ bis „gar nicht authentisch“. Dabei wussten sie nicht, dass sie auch KI-Aussagen bewerteten.

Anette Hautli-Janisz beschäftigt sich mit der Frage, wie KI Sprache und Argumente in politischen Debatten formt, also wie KI-erzeugte Texte klingen und welche Wirkung sie haben. Die Expertin war an der Studie beteiligt und erklärt: „Erst sahen die Probanden die Publikumsfrage aus der „Question Time“ und welcher Politiker darauf geantwortet hat. Darunter stand eine Antwort, die entweder KI-generiert oder original aus der Show war. Im zweiten Teil gab es wieder eine Bürgerfrage, aber darunter zwei Antworten, eine generierte und eine originale.“ Die Befragten bewerteten mehrheitlich die von der KI „imitierten“ Antworten als authentischer, wichtiger und stimmiger. Das bedeutet: Die Maschine wirkte echter als der Mensch.

Dass KI generell überzeugend auf Menschen wirkt, haben schon zuvor Studien gezeigt. Deshalb waren laut Herbold weitere Ergebnisse erwartbar: Dass die KI politisch schlüssiger formulierte, hänge damit zusammen, wie menschliche Sprecher in einer „Live-Situation“ argumentieren. Auch die Relevanz der Antworten des Sprachmodells wurde besser bewertet, „weil KI den Fragen nicht ausweicht, was Politiker ja doch ganz gerne mal tun“.

KI: Risiko und Chance für demokratische Meinungsbildung

Dabei können KI-Tools die demokratische Debatte auch stärken, etwa indem sie komplexe Informationen verständlich aufbereiten, Zugänge zu Fakten erleichtern oder unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen. Andreas Jungherr ist Politikwissenschaftler und Mitglied des Bayerischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation [externer Link] der bayerischen Akademie der Wissenschaften. Er forscht an der Universität Bamberg und betont: Mit KI werde vor allem in den USA experimentiert, bislang als medialer „Verstärker“ für die eigene Agenda, um Anhänger zu mobilisieren. Positiv sei, „dass beispielsweise kleine Organisationen mit KI-Videospots zum Wählen aufrufen und dazu wichtige staatliche Informationen automatisiert auf ihren Websites verlinken können.“ Kandidaten mit kleinem Wahlkampf-Budget würden dort mit kostengünstigen KI-Kampagnen experimentieren.

KI kann die mediale Debatte manipulieren

Für die Passauer Forschungsgruppe ist es beunruhigend, dass Studienteilnehmer nicht erkennen, wenn sie KI-generierte Fehlinformationen erhalten. Überrascht habe dieser Befund vor allem, weil die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer auch angeben sollten, wie gut sie die zitierten Politiker oder Politikerinnen kannten, und gefragt wurden, ob die Antworten von deren bekannter politischer Haltung abwichen. Hautli-Janisz und Herbold betonen, seriöse journalistische Einordnung und Faktenchecks seien entscheidend für die öffentliche politische Debatte. Sie fordern mehr Regulierung, Transparenz beim KI-Einsatz und eine bessere Aufklärung der Öffentlichkeit.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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