Da hatten sie beim ZDF übers Wochenende offenbar das Gefühl, dass viel aufzuarbeiten war. Jedenfalls äußerten sich die Macher der Satiresendung „Die Anstalt“ ausführlich zu einem Song, der in der 100. Jubiläumsausgabe am Dienstag (21. Juli) nach einer Entscheidung der ZDF Geschäftsleitung nicht ausgestrahlt wird. Der linke Sänger und Aktivist Danger Dan (bürgerlich Daniel Pongratz) wollte mit seinem Text „Keine Angst“ mit rechtsextremen Umtrieben abrechnen und zum (strittigen) Widerstand aufrufen, begleitet vom Star-Pianisten Igor Levit.
Dabei finden die einen die Ausladung skandalös, die anderen aber eher den Liedtext, dem sie einen Aufruf zur Gewalt unterstellen. So fand die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung die Ausladung „richtig“ und hielt die „Anstalt“-Macher für „größenwahnsinnig“ [externer Link]. Auch die liberale Süddeutsche Zeitung warf Danger Dan „Themaverfehlung“ und „Partisanenromantik“ vor: „Behauptet wird ein Notstand, in dem die Bürger ihre Sache nun selbst in die Hand nehmen müssen.“ Dagegen schrieb die linke taz [externer Link]: „Ein Aufruf zur unmittelbaren stumpfen Gewaltanwendung ist es nicht.“
„Was würden wir tun?“
Wie auch immer, die Satiriker Claus von Wagner und Maike Kühl zeigten sich empört: „Um das an dieser Stelle gleich mal klarzustellen: Wir sind nicht das ZDF, wir teilen auch nicht die Einschätzung des ZDF. Das heißt, wir sind im ZDF gegen das ZDF. Das klingt nach einem Unentschieden, aber machen wir uns nichts vor, wir haben in Wahrheit verloren. Ja, wir sind zwar die Leiter der ‚Anstalt‘, aber nicht die Leiter der Anstalt.“
Danger Dan selbst behauptet in seinem Song, juristisch sei „mal wieder die Grauzone geschrammt“ worden, was den Streit weiter befeuern dürfte. Max Uthoff und Maike Kühl von der Anstalt: „Das ist genau die spannende Frage. Was passiert, wenn der Staat sein Gewaltmonopol nicht durchsetzt und Menschen ungeschützt sind vor Nazis? Wer springt da ein und was würden wir da tun? (…) Wir hätten es als öffentlich-rechtliche Pflicht angesehen, das Lied zu präsentieren und danach zu diskutieren.“
ZDF: „Entscheidung nicht leicht gemacht“
Dafür gab es Beifall vom Studiopublikum, wie auch für das Fazit von Satiriker Claus von Wagner: „Ganz ehrlich, wir empfinden die Entscheidung vom ZDF in einer Zeit, in der rechtsextreme Gewalt in der Geschichte der Bundesrepublik mal wieder einen Höchststand erreicht hat, einfach als mutlos.“
Das ZDF ließ die Auseinandersetzung in der eigenen Kultursendung „Aspekte“ am Freitagabend ausführlich thematisieren. Dort äußerte sich auch Oliver Heidemann, der verantwortliche leitende Redakteur für den Showbereich im ZDF: „Wir haben uns die Entscheidung natürlich nicht leicht gemacht, Danger Dan wieder aus der ‚Anstalt‘ auszuladen. Aber sein Song kann als Aufruf zu Gewalt verstanden werden, und ein solcher Aufruf steht im Gegensatz zu unseren Programmrichtlinien.“
„Nein, es ist keine Zensur“
Kabarettist Florian Schroeder sah das völlig anders und verteidigte seine Kollegen von der ‚Anstalt‘: „Dass da eine Einordnung stattfinden sollte, finde ich auch, aber dazu steht ja gerade Humoristen, gerade Satirikern so viel an Möglichkeiten zur Verfügung, das klarzumachen und doch sehr spielerisch zu machen, sodass es auch in eine sich selbst als spielerisch verstehende Sendung passt.“
Juristen kommentierten den Fall in „Aspekte“ höchst widersprüchlich. Der Publizist Jan Fleischauer meinte: „Ist das ein Akt der Zensur? Nein, es ist kein Akt der Zensur, sondern es ist die Aufgabe von Chefredakteuren und Intendanten, zu gucken: Sollen wir das verantworten, ja oder nein?“
Für das ZDF zeigte Fleischauer wenig Verständnis, denn der Songtext von Danger Dan war im Vorfeld juristisch überprüft worden. Die Ausladung allerdings, die kam sehr kurzfristig: „Das eine ist, ich habe einen Talkshow-Gast und der redet sich um Kopf und Kragen. Dann ist das eben so und im Zweifel muss dann der Gastgeber das einordnen, aber jemanden einzuladen, diesen Song vorzutragen, in Kenntnis des Textes, das ist eine ganz andere Nummer.“
Es scheint ganz so, dass Danger Dan für seinen Song kostenlose PR bekommt. Die Aufregung dürfte sich nicht so schnell legen.

