So viel Aufmerksamkeit erlebt das Neue Museum Nürnberg selten. Als Hollywood-Star Keanu Reeves zur Eröffnung der Ausstellung seiner Lebensgefährtin Alexandra Grant erschien, war das Medieninteresse riesig. Dabei ging es doch eigentlich um die Kunst …
Grant: Literatur gibt Halt
Die Ausstellung „Ein Stern genügt, um an das Licht zu erinnern“ versammelt acht monumentale Arbeiten, jede fast vier auf viereinhalb Meter groß und aus mehreren Papierbahnen zusammengesetzt. Ausgangspunkt aller Werke sind literarische Texte – ein Prinzip, das sich durch Grants gesamtes Schaffen zieht.
„Mit einem schottischen Vater und einer amerikanischen Mutter, deren Vorfahren aus anderen Ländern kamen, ist mir früh klar geworden, dass Literatur Halt geben kann – über Sprach- und Ländergrenzen hinweg“, sagt die US-amerikanische Künstlerin. Deshalb habe sie früh entschieden, in ihrer Kunst mit literarischen Texten zu arbeiten. Selbst wenn sie damit keinen Erfolg haben würde, wusste sie, dass die Literatur ihr immer Halt geben würde.
Ein Stern als Leitmotiv
Für Nürnberg hat Grant Texte von acht Autorinnen ausgewählt – vom 13. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Vier von ihnen stehen in direkter Verbindung zu Nürnberg. Dazu gehört die Mystikerin Christina Ebner, die im Dominikanerinnenkloster Engelthal bei Nürnberg lebte.
Aus ihrem „Engelthaler Schwesternbuch“ greift Grant eine Vision auf, in der sich die Blätter eines Baumes in Sterne verwandeln. Aus diesem Bild leitet sich auch der Ausstellungstitel „Ein Stern genügt, um an das Licht zu erinnern“ ab. Der einzelne Stern wird dabei zum Symbol für Hoffnung, Erinnerung und Orientierung – Themen, die sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung ziehen.
Das dazugehörige Bild „Gnaden Überlast“ erinnert an eine überdimensionale Pergamentseite: Purpurfarbene geschwungene Schrift, kleine gerahmte Medaillons mit comicartigen Szenen und ein Hintergrund aus tausenden Sternen zitieren die Welt mittelalterlicher Buchmalerei. Zugleich durchbrechen expressive Bögen aus stark verdünnter Acrylfarbe die strenge Komposition und verleihen ihr einen großen Schwung Freiheit.
Kunstwerke zwischen Schrift und Bild
„Sie entwickelt zunächst am Computer ein typografisches Layout, das per Siebdruck auf die Papierbahnen übertragen wird. Danach beginnt der eigentliche Malprozess – mit verdünnter Acrylfarbe, Filzstift und Buntstift“, erklärt Olympia Contopidis vom Neuen Museum Nürnberg.
Grant geht es darum, die Emotionen, die man beim Lesen eines Textes unweigerlich entwickelt, in Farbe, Form und Bewegung zu übersetzen. Für das Gedicht „Sunglasses“ der Nürnberger Autorin Pauline Füg entwickelte sie eine Schrift, die aussieht, als habe sie die Flugbahnen von Bienen mit einem Faden nachgelegt. Andere Texte erscheinen wie gestickt oder in Stein gemeißelt.

