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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > #Faktenfuchs: Tetanus-Impfung hilft auch nach Verletzung
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#Faktenfuchs: Tetanus-Impfung hilft auch nach Verletzung

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 23. Oktober 2026 09:47
Von Michael Farber
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18 min. Lesezeit
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Impfung wirkt gegen Gift, nicht Bakterium

Ein Immunologe, ein Unfallchirurg und ein Kinderarzt, mit denen der #Faktenfuchs gesprochen hat, sowie Empfehlungen der STIKO widersprechen den Ausführungen des Influencers. Peter Biberthaler, Direktor der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie am TUM Klinikum rechts der Isar in München, sagt im #Faktenfuchs-Interview: „Prinzipiell besteht bei jeder offenen Verletzung, also bei jeder Verletzung, bei der die Haut kaputt ist, ein Tetanusrisiko.“ Dieses Risiko erhöhe sich aber bei großen oder verschmutzten Wunden und, wenn ein Patient nicht oder nicht vollständig geimpft ist.

Inhaltsübersicht
Impfung wirkt gegen Gift, nicht BakteriumTetanus führt in vielen Fällen zum TodUngeimpfte und Menschen mit unbekanntem Impfstatus bekommen AntikörperAntikörper überbrücken Zeit, bis Impfung wirktBiberthaler: „Schlauste Form der Medizin ist die Prophylaxe“Impfung nach Verletzung? Influencer widerspricht sichPaul-Ehrlich-Institut: „positives Nutzen-Risiko-Verhältnis“Wirksamkeit ist eindeutig – auch ohne klinische StudienHistorische Daten sprechen für Tetanus-Impfung76 Prozent der Kinder bekommen drei Tetanus-ImpfungenKind mit Tetanus: Drei Wochen IntensivstationFazit

Tetanus wird durch das Bakterium Clostridium tetani verursacht, das im Erdreich vorkommt. Es kann aufgrund einer verunreinigten Wunde in den menschlichen Körper gelangen und das Gift Tetanospasmin bilden.

Die Impfung wirkt nicht gegen die Infektion mit dem Bakterium, sondern gegen das Tetanus-Gift (Tetanustoxin), das vom Bakterium gebildet wird und für die Erkrankung verantwortlich ist, erklärt Christian Bogdan, Professor für Immunologie und medizinische Mikrobiologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg dem #Faktenfuchs. Bei einer Impfung handele es sich um eine aktive Immunisierung mit inaktiviertem Tetanustoxin, welches selbst nicht mehr krank macht, aber die körpereigene Produktion von Antikörpern gegen das Toxin anregt. „Dann habe ich Antikörper, die das Toxin abfangen, bevor es seinen Weg ins Rückenmark findet.“ Im Gegensatz dazu besteht eine passive Immunisierung aus bereits fertigen Antikörpern, die keine weitere körpereigene Immunantwort auslösen.

Bei Menschen mit einer Wunde, die nicht oder nicht vollständig geimpft sind oder über längere Zeit keine Auffrischimpfung erhalten haben, trägt eine Impfung nach einer Verletzung zum Schutz vor Tetanus bei. Grundsätzlich empfehlen Experten und die STIKO eine vorbeugende Impfung mit drei Impfstoffdosen sowie anschließende Auffrischimpfungen alle zehn Jahre.

Der Tetanus-Erreger ist in der Umwelt alles andere als selten, sagt Bogdan: „Man kann nicht darauf spekulieren, mit diesem nicht in Kontakt zu kommen. Der Irrglaube ist, dass es ein seltener Erreger ist, nur weil die Erkrankung selten ist. Nein: Die Erkrankung ist selten, obwohl der Erreger häufig ist, weil die meisten Menschen glücklicherweise geimpft sind.“

Tetanus führt in vielen Fällen zum Tod

Bogdan erklärt, was die Symptome einer Tetanus-Erkrankung auslöst: „Das Tetanus-Toxin blockiert die hemmenden Neuronen im Rückenmark.“ Diese Neuronen dienen dazu, dass die Muskelspannung im Körper ausgeglichen bleibt. Wird deren Funktion durch das Tetanus-Toxin blockiert, führt dies zu schmerzhaften Dauerkontraktionen der Muskulatur und Krämpfen. Daher kommt der Name „Wundstarrkrampf“.

Biberthaler sagt: „Dieses Nervengift macht die Verbindung zwischen den Nerven und den Muskeln kaputt, so dass man sich dann nicht mehr richtig bewegen kann. Das betrifft unter anderem auch so wesentliche Muskulatur wie die Atemmuskulatur.“ Die Wahrscheinlichkeit sei daher hoch, dass man an den Folgen einer Tetanus-Infektion sterbe.

Biberthaler erklärt: „Wenn das Toxin erstmal in den Nerven ist, bekommt man es nicht mehr weg. Dann kann man also nur symptomatisch behandeln, das heißt, denjenigen auf eine Intensivstation bringen und beatmen, den Kreislauf unterstützen und so weiter.“

Ungeimpfte und Menschen mit unbekanntem Impfstatus bekommen Antikörper

In solchen Fällen versuchen Ärzte, den Patienten mit unterschiedlichen Mitteln am Leben zu halten, bis der Körper das Gift selbst abgebaut hat. Er wird etwa künstlich beatmet, bekommt Antibiotikum und wird sediert.

Wenn man mit einer frischen Verletzung schnell genug zu einem Arzt geht, lässt sich das Gift aber abfangen. Immunologe Christian Bogdan betont, dass ein ungeimpfter Patient mit einer Verletzung noch am Tag der Verletzung behandelt werden müsse, um Tetanus sicher abzuwenden: „Solche Verletzungen müssen medizinisch versorgt werden, um die Wunde zu reinigen und um gegebenenfalls totes Gewebe zu entfernen und die Sauerstoffversorgung wiederherzustellen.“ Wenn das gemacht werde und ein bisher ungeimpfter Patient gleichzeitig eine aktive und passive Immunisierung erhalte, könne ein Tetanus mit hoher Wahrscheinlichkeit verhindert werden.

Da sich die Bakterien nur langsam vermehren, habe man auch bei nicht oder unvollständig geimpften Patienten noch genügend Zeit, die Wunde zu reinigen, zu impfen und gegebenenfalls Antikörper zu geben, sagt auch Biberthaler. „Damit sind sie sicher und geschützt.“

Biberthaler sagt: Bei einem Patienten mit einer wenig tiefen und verunreinigten Wunde, der in den vergangenen zehn Jahren drei oder mehr Tetanus-Impfungen bekommen hat, desinfiziere und verschließe man die Wunde und müsse nichts weiter machen.

„Wenn sie weniger als drei Impfungen haben oder wenn die letzte Impfung mehr als zehn Jahre her war, bekommen sie eine Auffrischimpfung. Das Immunglobulin kommt in diesen Fällen nicht zum Einsatz“, erklärt der Unfallchirurg. Lediglich Ungeimpfte und Menschen mit einem unbekannten Impfstatus bekämen zusätzlich zu einer Impfung fertige Antikörper verabreicht.

Antikörper überbrücken Zeit, bis Impfung wirkt

Zwar sei es richtig, dass die Schutzwirkung einer Tetanus-Impfung nach einer Verletzung nicht sofort einsetze, sagt Bogdan: „Wir gehen davon aus, dass frühestens eine Woche nach der zweiten Impfung ausreichend viele Antikörper vorhanden sind, um über die eigene Immunantwort einen Schutz zu haben.“ Die zweite Tetanus-Impfung wird erst vier Wochen nach der ersten verabreicht. Daher erhalten Ungeimpfte mit einer Verletzung zusätzlich fertige Antikörper gegen das Tetanustoxin, eine sogenannte passive Immunisierung.

Bogdan betont aber: Ein ungeimpfter Patient mit einer Verletzung komme um eine Impfung nicht herum. „Ansonsten würde man die spät auftretenden Fälle von Tetanus nicht sicher verhindern können.“ Die fertigen Antikörper aus einer passiven Immunisierung dienten also dazu, die Zeit zu überbrücken, bis ein Patient durch eine Impfung selbst Antikörper produziert hat.

Denn, so Bogdan: „Es gibt Situationen, in denen die Toxinproduktion verzögert stattfindet. Also nicht innerhalb der ersten drei oder vier Wochen, in denen die fertig gegebenen Antikörper noch da wären, sondern erst nach drei Monaten.“ Bei einer solchen verzögerten Toxinproduktion schützt also die Wirkung der Impfung vor dem Tetanus-Gift, wenn die verabreichten fertigen Antikörper bereits aus dem Körper verschwinden.

Biberthaler: „Schlauste Form der Medizin ist die Prophylaxe“

Die STIKO empfiehlt allen Menschen mit einem unvollständigen Impfstatus – also auch ohne eine rechtzeitige Auffrischimpfung – eine Impfung nach einer Verletzung. Nur Ungeimpften und Menschen mit unbekanntem Impfstatus empfiehlt sie zusätzlich eine passive Immunisierung mit Antikörpern.

Grundsätzlich empfiehlt Biberthaler jedem eine vollständige Impfung gegen Tetanus. Die Impfreaktionen und möglichen Nebenwirkungen seien im Vergleich zum Nutzen der Impfung minimal. Er sagt: „Die schlauste Form der Medizin ist die Prophylaxe. Es ist viel schlauer, wenn man eine schwere Erkrankung so einfach verhindern kann.“

Studien zeigen, dass durch eine Kombination aus der Impfung und fertigen Antikörpern über einen für den Schutz vor Tetanus relevanten Zeitraum hinweg ausreichend Antikörper im menschlichen Körper vorhanden sind. Außerdem zeigen sie, dass bei einer simultanen Verabreichung von fertigen Antikörpern und einer Tetanus-Impfung die Wirkung der Impfung durch die Antikörper nicht abgeschwächt wird.

Impfung nach Verletzung? Influencer widerspricht sich

Auch der Influencer Bastian Hölscher, der in seinem Instagram-Reel die Wirksamkeit einer Impfung nach einer Verletzung anzweifelt, schreibt – offenbar im Widerspruch zu seinen Aussagen im Video – in der Videobeschreibung: „Nach aktuellen Empfehlungen wird dabei trotzdem gleichzeitig eine Tetanusimpfung zur längerfristigen Immunisierung empfohlen. Deshalb würde ich nicht sagen: ‚Akut reicht Immunglobulin und über die Impfung denken wir in acht Wochen nach.'“

Bei vielen Nutzerinnen und Nutzern in den Kommentaren scheint dennoch mit dem Video eine andere Botschaft anzukommen. Eine Nutzerin kommentiert: „Mir hat ein Arzt gesagt, gleich alles ordentlich desinfizieren, dann hat Tetanus keine Chance. Ich frage mich immer, warum man einen Säugling mit Tetanus impfen sollte. Das ist doch vollkommen unsinnig.“ Eine andere schreibt: „Was Sie nicht sagen!: Einmal irgendwann im Leben mit Tetanus impfen reicht! Schutz ist das ganze Leben gegeben!“

Auf #Faktenfuchs-Anfrage schreibt Hölscher: „Der Widerspruch, den Sie ansprechen, ist berechtigt, und der Fehler lag in der Videobeschreibung. Dort klang es so, als würde ich die gleichzeitige Impfung empfehlen. Das tue ich nicht. Richtig ist: Die aktuellen Empfehlungen sehen die gleichzeitige Gabe vor. Meine Position ist die aus dem Video: Akut schützt das Immunglobulin, über die Impfung kann man danach entscheiden.“

Paul-Ehrlich-Institut: „positives Nutzen-Risiko-Verhältnis“

Den Begriff „Kunstfehler“ nehme er hingegen zurück, da er eine Abweichung vom fachlichen Standard bezeichne und die gleichzeitige Gabe von Impfstoff und Immunglobulin der STIKO-Empfehlung entspreche. Das Wort sei falsch gewählt gewesen.

Für Fälle mit langer Inkubationszeit sei die Überbrückungslogik schlüssig, räumt Hölscher weiter ein. Allerdings weist er darauf hin, dass das RKI festhält, dass eine kürzere Inkubationszeit die ungünstigere Prognose hat.

Hölscher schreibt weiter: „An meiner inhaltlichen Kritik halte ich fest. Einem akut verletzten, ohnehin belasteten Kind eine Maßnahme zu geben, die ihm in diesem Moment nachweislich keinen Schutz bringt und deren Nebenwirkungen nicht in ausreichend großen placebokontrollierten Studien untersucht sind, halte ich für ethisch problematisch.“

Das Paul-Ehrlich-Institut, das die Sicherheit von Impfstoffen untersucht, widerspricht dieser Aussage. Es schreibt auf #Faktenfuchs-Anfrage, dass „nach aktuellem Stand der Wissenschaft alle in Deutschland zugelassenen Tetanus-Impfstoffe ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis aufweisen und gut verträglich sind“.

Aufgrund der klinischen Prüfungen und des breiten Einsatzes der Tetanus-Impfstoffe nach der Zulassung sei das Nebenwirkungsprofil gut bekannt. „Die bekannten Nebenwirkungen sind in den jeweiligen Produktinformationen (Fach- und Gebrauchsinformationen) aufgeführt, die über Links in den Tetanus-Impfstofflisten auf der Website des Paul-Ehrlich-Instituts abrufbar sind.“

Wirksamkeit ist eindeutig – auch ohne klinische Studien

Dass auch vermeintlich harmlose Verletzungen zu einer Tetanus-Erkrankung führen können, spreche dafür, sich vorbeugend und nicht erst nach einer offenen Verletzung impfen zu lassen, so Bogdan: „Der Klassiker ist die Verletzung bei der Gartenarbeit. Das können Dornverletzungen oder harmlose Stürze im Garten sein, bei denen man sich eine Schürfverletzung zuzieht“, sagt der Immunologe. Welche Verletzungen am Ende zu einer Tetanus-Erkrankung führen könnten, sei für Laien wie für medizinisches Personal nicht vorherzusagen. „Wenn man als Ungeimpfter bei einer harmlosen Verletzung nichts unternimmt, so nach dem Motto, da passiert schon nichts, dann könnte das genau die falsche Entscheidung sein.“

Auch Hölscher schreibt: „Dass auch kleine, kaum sichtbare Verletzungen zu Tetanus führen können, ist richtig, das RKI weist ausdrücklich darauf hin. Das ist ein legitimes Argument für die vorbeugende Impfung, und Eltern sollen es kennen.“

Bogdan sagt: Zwar gebe es keine klinischen Studien mit Kontrollgruppen, die die Wirksamkeit einer Impfung nach einer Verletzung erforscht hätten, denn: „Das wäre ethisch überhaupt nicht vertretbar.“ Dafür müsste einer Kontrollgruppe die Impfung vorenthalten werden, obwohl man weiß, dass diese sie vor einer Tetanus-Erkrankung schützt.

„Die klinische Erfahrung belegt die Wirksamkeit der Impfung, auch ohne, dass randomisierte Fallkontrollstudien durchgeführt werden konnten“, sagt Bogdan. Wenn Wunden chirurgisch versorgt werden und ungeimpfte Patienten sowohl aktiv als auch passiv immunisiert werden, bekämen die Patienten keinen Tetanus. Ein weiterer Beleg für die Wirksamkeit sei: „Mit der Einführung der passiven Immunisierung und dann auch der aktiven Impfung ist der Tetanus in den Ländern, wo die Impfung konsequent durchgeführt wird, zu einer Randerscheinung geworden.“

Schon 1890 konnten die Mediziner Emil von Behring und Kitasato Shibasaburō in Versuchen an Mäusen, Meerschweinchen und Kaninchen nachweisen, dass Blutserum mit Antikörpern das Tetanustoxin in infizierten Tieren neutralisieren kann. Von Behring wurde 1901 dafür der erste Nobelpreis für Medizin verliehen.

Historische Daten sprechen für Tetanus-Impfung

Darauf, dass eine präventive, aktive Impfung Verletzte besser schützen kann als eine rein passive Immunisierung mit Antikörpern, deutet etwa der Vergleich von Tetanus-Fällen im US-Militär zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg hin. Während des Ersten Weltkriegs gab es die aktive Immunisierung noch nicht, verwundete US-Soldaten bekamen lediglich Antikörper verabreicht. Von einer Million US-Soldaten erkrankten 70 an Tetanus.

1926 wurde erstmals auch ein Impfstoff gegen Tetanus entwickelt. 1940, also vor Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg, verpflichtete das US-Militär seine Soldaten, sich präventiv gegen Tetanus impfen zu lassen. Im Zweiten Weltkrieg erkrankte dann noch einer von einer Million US-Soldaten an Tetanus.

Dass präventive Impfungen sowie eine Tetanus-Prophylaxe nach einer Verletzung vor Tetanus schützen, zeigen auch Beobachtungsdaten aus den USA von 2001 bis 2008.

76 Prozent der Kinder bekommen drei Tetanus-Impfungen

In Deutschland waren 2024 laut RKI 96 Prozent der Kinder mindestens einmal gegen Tetanus geimpft, 94 Prozent zweimal, lediglich 76 Prozent bekamen allerdings noch die dritte Impfung, die für eine abgeschlossene Grundimmunisierung notwendig ist. Und nur 43 Prozent erhielten beide empfohlene Auffrischimpfungen im Alter von fünf bis sechs Jahren beziehungsweise im Alter von neun bis sechzehn Jahren.

Unfallchirurg Peter Biberthaler vom Klinikum rechts der Isar in München berichtet, dass es bei ihm im Krankenhaus täglich Fälle von Patienten gebe, die nicht gegen Tetanus geimpft seien. „Wir haben einen relativ hohen Anteil von ausländischen Patienten und da ist es schon so, dass der Anteil von ungeimpften Personen, gerade aus südlicheren Regionen, relativ hoch ist“, so Biberthaler.

Kind mit Tetanus: Drei Wochen Intensivstation

Johannes Hübner, Infektiologe und leitender Oberarzt im Dr. von Haunerschen Kinderspital in München, sagt im #Faktenfuchs-Interview: „Die Tetanus-Fälle, die ich erlebt habe, waren alles Kinder, die dann schon Symptome entwickelt hatten. Dann ist die Erkrankung schon so weit fortgeschritten, dass auch die passive Impfung gar nicht mehr so gut wirkt.“

Den meisten Eltern sei die Notwendigkeit einer Tetanus-Impfung bewusst, so Infektiologe Hübner. „Bei den Eltern, die Impfungen verweigern, gibt es schon Abstufungen. Und Eltern, die Tetanus oder Masern verweigern, sind schon etwas extremer.“ Seiner Erfahrung als Kinderarzt nach seien es aber genau diese seltenen Fälle, in denen Kinder dann an Tetanus erkranken. „So alle zwei Jahre kommen Kinder mit so etwas. Da habe ich bisher noch keinen Todesfall erlebt, aber das sind zum Teil sehr schwere und sehr langwierige Verläufe.“ Der aktuellste Fall eines Kindes mit Tetanus in seiner Klinik sei mehrere Wochen auf der Intensivstation gelegen und intubiert und beatmet gewesen. „Das waren Eltern, die alle Impfungen abgelehnt haben“, erzählt Hübner.

Bei älteren Menschen sei es wiederum eher ein Problem, dass sie ihre Auffrischung vergäßen. „Ich habe eine Patientin erlebt, die sich bei der Gartenarbeit verletzt hat. Die hatte eine Kiefersperre und ist zum Zahnarzt gegangen. Der Zahnarzt hatte die Verdachtsdiagnose geäußert und hat sie dann in die Klinik geschickt. Das war tatsächlich ein Tetanus und der ist dann voll zum Ausbruch gekommen.“ Die Patientin sei zwei Wochen lang auf der Intensivstation gelegen und daran verstorben.

Hübner sagt: „Das sind Erkrankungen, daran sind früher die Menschen zu Tausenden gestorben, als wir es nicht verhindern konnten. Die erhöhte Lebenserwartung und die niedrige Kindersterblichkeit, die wir heute haben, haben wir, weil wir diese Impfmöglichkeiten haben.“

Fazit

Den besten Schutz vor Tetanus bietet eine präventive Grundimmunisierung gegen Tetanus mit drei Impfungen und Auffrischungsimpfungen alle zehn Jahre. Dadurch ist man auch vor einer Tetanus-Erkrankung durch vermeintlich harmlose Wunden geschützt, wegen denen viele Menschen nicht zum Arzt gehen. Mediziner und die STIKO raten deshalb Menschen, die nicht grundimmunisiert sind, zu einer Tetanus-Impfung nach einer Verletzung. Ungeimpfte und Menschen mit unklarem Impfstatus sollen laut STIKO-Empfehlung zusätzlich eine passive Immunisierung, also fertige Antikörper, verabreicht bekommen. Bei rechtzeitiger Behandlung kann so eine Tetanus-Erkrankung auch bei Ungeimpften abgewendet werden.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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