Familie Konhäuser hat eigentlich alles richtig gemacht: Ihre sechsjährige Tochter Nathalie kommt im September in die erste Klasse, die Eltern Christoph und Nadine haben sich entsprechend um einen Hortplatz für ihr Kind gekümmert. Aber sie bekommen nur Absagen. „Für uns war es ein Schock“, sagt der Vater. Beide sind berufstätig, Mutter Nadine arbeitet in der Regel bis 13 Uhr. Eigentlich will sie im Anschluss ihre Tochter aus der Schule holen. Unterrichtsschluss ist in der ersten Klasse aber oft schon um 11:15 Uhr – Nathalie braucht also einen Platz im Hort.
Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung
Ein Ganztags-Betreuungsplatz steht ihr wie jedem Erstklässler ab Herbst per Rechtsanspruch zu. Ihre Eltern haben die Stadt Nürnberg kontaktiert. Die bittet schriftlich um Geduld, man arbeite an einer Lösung. Der Rat: Die Familie solle sich alternativ für die Mittagsbetreuung anmelden. Problem: Die ist oft kürzer und bietet in der Regel keine Ferienbetreuung. Es wäre ein Kompromiss, aber Nathalie steht auch dort nur auf der Warteliste. Wenn die Familie keine Ganztagsbetreuung für ihre Tochter findet, müsste Mutter Nadine eventuell aufhören zu arbeiten. Das können sich die Konhäusers eigentlich nicht leisten, befürchtete Vater Christoph: „Es ist ein existenzielles Thema für uns als Familie, wir brauchen das Einkommen, auch das der Frau – ohne funktioniert das Ganze hier nicht.“
Kritik an Stadt Nürnberg
Familie Konhäuser ist mit diesem Problem nicht allein – auch andere kritisieren die Planung der Stadt. Zum Beispiel Birgit Rauh: „Ich bin sehr enttäuscht, denn das Neubaugebiet steht seit vielen, vielen Jahren und es war immer klar, dass da junge Familien mit mehreren Kindern einziehen würden.“ Ähnlich sieht das auch Baris Akdag: „Das war auch schon im letzten Jahr so und in den Jahren davor, also es ist nicht das erste Mal, irgendwo hat die Stadt halt versagt, am Ende des Tages.“ Der Rechtsanspruch umfasst verschiedene Angebote: Hort, Mittagsbetreuung oder Ganztagsschule. Die zuständige Sozialreferentin Elisabeth Ries von der SPD versichert, man arbeite daran, Plätze zu schaffen. „Wir hören, dass Eltern sich Sorgen machen. Der Rechtsanspruch gilt und den werden wir auch erfüllen.“ Es werde Angebote geben, aber nicht immer unbedingt am Wunschort.
Familie hofft weiter
Für Familie Konhäuser wird die Zeit bis zum Schulanfang knapp. Ihnen wurde mitgeteilt, sie sollen Geduld haben, bis Ende April könne es noch dauern. „Allerdings endet auch unsere Geduld Ende April. Wir haben gar keine andere Wahl, auch aus unserer Existenz heraus, als den Rechtsweg ab Mai zu wählen“, warnt Vater Christoph. Aber dazu soll es am besten gar nicht kommen. Familie Konhäuser hofft vorerst weiter auf einen Hortplatz für ihre Tochter Nathalie.

