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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Schulstart: Alte Probleme, Neuerungen und eine Besonderheit
Wissen

Schulstart: Alte Probleme, Neuerungen und eine Besonderheit

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 10. September 2024 07:51
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Ausschlafen und in den Tag hineinleben war gestern – nach sechs Wochen Sommerferien beginnt für 1,72 Millionen Kinder und Jugendliche in Bayern heute der Schulalltag. Damit steigt die Schülerzahl um fast zwei Prozent. Neu in die Schulen kommen 134.000 Erstklässler und Erstklässlerinnen.

Inhaltsübersicht
Was ist neu?Was ändert sich an Grundschulen?Wie steht es um Unterrichtsversorgung und Lehrermangel?Was macht dieses Schuljahr außergewöhnlich?Welche Erwartungen hat der Landesschülerrat?

Was erwartete die Schüler in den nächsten Monaten? Ist die Unterrichtsversorgung gesichert? Welche Neuerungen kommen auf sie zu und welche Probleme? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist neu?

Mit dem Schuljahr startet die Verfassungsviertelstunde, mit der die politische Bildung gestärkt werden soll. „Mir ist es wichtig, dass wir unseren Schülerinnen und Schülern den Wert der Verfassung, auch der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, nahebringen“, sagte Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) bei BR24live. Eingeführt wird die Verfassungsviertelstunde an allen Schularten, zunächst aber nur in einigen Jahrgangsstufen: an Grundschulen in den 2. und 4. Klassen, an weiterführenden Schulen in der Regel in den 6. und 8. Klassen, an Gymnasien zusätzlich in der 11. Jahrgangsstufe. Einen Überblick finden Sie hier.

An den weiterführenden Schulen beginnt laut Stolz die „flächendeckende 1:1-Ausstattung der Schülerinnen und Schüler mit mobilen Endgeräten„. Damit soll die Digitalisierung vorangetrieben werden.

Neu hinzu kommen schulartunabhängige Deutschklassen für Migrantenkinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen: „Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, und deswegen bin ich (…) dankbar, dass alle Schularten sich sofort bereit erklärt haben, künftig schulartunabhängige Deutschklassen in den Jahrgangsstufen fünf und sechs einzurichten“, sagte Stolz kürzlich. Ab diesem Schuljahr kann es die Deutschklassen an Mittelschulen, Realschulen, Wirtschaftsschulen und Gymnasien geben. Welche Schulart die Kinder anschließend besuchen werden, bleibt dabei vorerst offen.

Was ändert sich an Grundschulen?

An den Grundschulen sollen die „Basiskompetenzen“ Lesen, Schreiben und Rechnen noch mehr in den Mittelpunkt rücken. Mit der „Pisa-Offensive“ kommt in allen vier Jahrgangsstufen eine Stunde Deutsch dazu, in der 1. und 3. Klasse auch eine Stunde Mathematik.

Die Gesamtzahl der Stunden soll unter dem Strich gleich bleiben. Was im Schulalltag für die zusätzlichen Deutsch- und Mathestunden wegfällt, entscheiden in gewissem Rahmen die Schulen: So entsteht in den Jahrgangsstufen 3 und 4 ein „gemeinsamer Stundenpool“ für Kunst, Musik und Werken, die Verteilung der Stunden auf die Fächer liegt im Ermessen der Schule. Englisch kann eine oder zwei Stunden pro Woche unterrichtet werden.

Wie steht es um Unterrichtsversorgung und Lehrermangel?

Kultusministerin Stolz beruhigt: Trotz des anhaltenden Lehrermangels insbesondere an Grund- und Mittelschulen sei der Kernunterricht abgedeckt. Auch die „mobile Reserve“ und ein Teil des Wahl- und Förderunterrichts seien sichergestellt. Das heißt im Umkehrschluss: Ein Teil ist nicht sichergestellt.

Stolz spricht offener als ihre Vorgänger über den anhaltenden Lehrermangel. An den Grund- und Mittelschulen fehlen der Ministerin zufolge 850 Vollzeitkräfte, also „zwei Prozent des Gesamtbedarfs“. An den Förderschulen seien etwa 100 Stellen offen. Bei Realschulen, Gymnasien und beruflichen Schulen sei die Unterrichtsversorgung „insgesamt solide“, aber auch dort werde es schwieriger. „Die Situation ist herausfordernd, sie ist angespannt, aber sie ist derzeit beherrschbar.“ Lehrerverbände schlagen Alarm, warnen eindringlich vor einer Überlastung der Lehrkräfte durch immer neue Aufgaben.

Was macht dieses Schuljahr außergewöhnlich?

Wegen des Übergangs vom acht- zum neunjährigen Gymnasium gibt es im neuen Schuljahr keinen kompletten Abiturjahrgang: Der letzte flächendeckende G8-Jahrgang hat die Schulen verlassen, der erste G9-Jahrgang macht 2026 seine Abiturprüfungen.

Trotzdem fällt das Abitur nicht komplett aus: An rund 100 Gymnasien werden im Frühjahr letztmals G8-Prüfungen abgehalten – das Kultusministerium spricht von einem „Auffangnetz“. So können Schüler, die vor wenigen Monaten bei den Prüfungen keinen Erfolg hatten und die Jahrgangsstufe 12 erneut besuchen, das G8-Abi im zweiten Anlauf schaffen.

Welche Erwartungen hat der Landesschülerrat?

Der Landesschülerrat sieht auf mehreren Feldern Handlungsbedarf. Heinrich Ritter, Landesschülersprecher für Gymnasien, sagte bei BR24live: Zu den größten Herausforderungen zählten neben dem Lehrermangel auch die „sanierungsbedürftigen Schulgebäude„ und die Digitalisierung: „Selbst wenn man die Schulen mit iPads ausstattet, bringt es noch nicht wirklich was, wenn man an der Schule kein WLAN hat.“ Nötig seien flächendeckend Internetzugänge an Schulen, um „wirklich digital arbeiten zu können“. Stolz räumt ein, dass es noch „Luft nach oben“ gebe.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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