In Bayern kann man derzeit an neun Standorten Pflege studieren. Knapp 370 Studierende seien dafür eingeschrieben, meldet das Gesundheitsministerium. Seit 2024 wird das Studium über das Pflegestudiumstärkungsgesetz vergütet. Damit soll es finanziell genauso attraktiv werden, wie eine klassische Pflege-Ausbildung. Für Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) ist Bayern damit auf einem guten Weg: „Angesichts der zunehmend komplexen Versorgungsstrukturen in der Pflege ist es wichtig, auch den Pflegeberuf aufzuwerten und attraktiv zu gestalten.“
Deutschland bei akademischem Pflegepersonal international abgehängt
Dass die Entwicklungen in die richtige Richtung gehen, findet auch Christine Vogler. Aber zufrieden ist die Präsidentin des Deutschen Pflegerats noch lange nicht. Denn noch immer gebe es viel zu wenig Studierende in den Pflegeberufen.
Schon vor 20 Jahren prognostizierte der Wissenschaftsrat, dass etwa zehn bis 20 Prozent der Fachkräfte in Pflege- und Therapieberufen an Hochschulen ausgebildet werden sollten, um die Versorgung in Zukunft zu sichern. Je nach Rechnung sind es in Deutschland aber nur ca. ein Prozent. „International sind wir längst abgehängt, was akademisches Pflegepersonal angeht“, sagt Christine Vogel.
Zu wenig Studienplätze, unattraktive Jobs
Dass nur vergleichsweise wenig Menschen Pflege studieren, liegt in Voglers Augen daran, dass immer noch zu wenige Hochschulen das Studienfach anbieten. Außerdem fehle es an attraktiven Jobs für studierte Pflegefachkräfte. „In Deutschland haben die Ärzte den Markt der Gesundheit für sich gepachtet“, sagt Christine Vogler.
Sprich: Es entscheiden immer noch hauptsächlich Ärzte, was bei einem Patienten zu tun ist. Pflegefachkräfte haben selbst wenig Entscheidungskompetenz. Wer aber Pflege studiert oder sich nach seiner klassischen Ausbildung durch Fortbildungen weiterentwickelt, macht das oft, um Jobs mit mehr Verantwortung zu bekommen. Ist das nicht möglich, ist auch ein Studium weniger attraktiv.
Jobbeispiel: Community Nurse
Als ein gutes Beispiel, wie akademisch ausgebildetes Pflegefachpersonal eingesetzt werden kann, nennt Vogler den Beruf der sogenannten Community Nurse. Das ist eine Pflegefachkraft, die in der ambulanten Versorgung direkt in den Familien arbeitet und Bedürfnisse schnell erkennt. Die Community Nurse verordnet je nach Bedarf zum Beispiel neue Pflegemittel, hilft im Dschungel der Pflegegradbeantragung, macht aber auch direkte Versorgung. Sie ist damit eine Art Gesundheitsmanagerin für Menschen, die zu Hause betreut werden.
„Ein Hausarzt schafft solche Hausbesuche in der Regel gar nicht“, sagt Christine Vogler. Studierte Pflegefachkräfte mit mehr Entscheidungskompetenz könnten das Gesundheitssystem also entlasten und das Wohl der Patienten verbessern.
Ärzte entscheiden, nicht das Pflegefachpersonal
Attraktive Arbeitsplätze zu schaffen, die die Möglichkeit geben eigenverantwortlich zu handeln, sieht auch Maria Rogowski als einen Schlüssel, um mehr Menschen in die Pflegeberufe zu bekommen. Sie leitet seit 2024 die Berufsschule für Pflege und Krankenpflegehilfe am Klinikum Altmühlfranken Weißenburg-Gunzenhausen und bekommt immer wieder mit, dass Schülerinnen und Schüler mit ganz unterschiedlichen Wünschen ihre Ausbildung anfangen. Bei vielen seien Karrieremöglichkeiten ein Thema – gerade für sie sei ein Studium ideal.
Es fehle aber ein Konzept, dieses per Studium ausgebildete Personal flächendeckend einzusetzen. Außerdem brauche es auch innerhalb der Pflegeeinrichtungen mehr Aufklärungsarbeit, was die Kolleginnen und Kollegen mit Uniabschluss können. Es gehe nicht darum, eine Konkurrenzsituation zwischen den unterschiedlichen Abschlüssen zu schaffen, sagt Rogowski. Sondern „es geht darum, zusammen zu arbeiten und den Stationsalltag zu verbessern“.

