Früher als geplant legt die Lufthansa ihr Tochterunternehmen Lufthansa Cityline mit Sitz in München still. Noch in dieser Woche wird das Flugangebot gestoppt, wie die Lufthansa Group am Donnerstag bekanntgab. Die „aktuelle Krise“ zwinge das Unternehmen, die schon länger geplante „Maßnahme nun früher umzusetzen“, erklärte der Finanzvorstand des Konzerns, Till Streichert. Das Unternehmen verwies auf die deutlich gestiegenen Kerosinpreise und Arbeitskämpfe. Bisher war der Plan, dass Cityline den Betrieb erst 2028 einstellt.
Erster Schritt: Lufthansa legt mehrere Maschinen still
Die Tochter soll komplett geschlossen werden. Als ersten Schritt plant der Konzern, bereits ab diesem Samstag die 27 älteren Jets der Cityline vom Typ Canadair CRJ am Boden stehen zu lassen. Die Jets stünden kurz vor dem Ende ihrer technischen Einsatzfähigkeit und hätten vergleichsweise hohe Betriebskosten, teilt Lufthansa mit. Damit könnten weitere Verluste der defizitären Fluggesellschaft reduziert werden.
Ende Oktober sollen dann sechs Langstreckenjets der Lufthansa Kernmarke folgen. Neben vier Airbus A340-600 werden auch zwei Jumbos vom Typ Boeing 747-400 über den kommenden Winter stillgelegt. Der endgültige Abschied von diesem Flugzeugtyp sei für das kommende Jahr vorgesehen. Zusätzlich sollen bei Lufthansa etwa fünf Mittelstreckenflugzeuge aus der Flotte genommen werden.
Konzern: Sozialplan für Mitarbeiter in Arbeit
Es würden besonders ineffiziente Flugzeuge vorzeitig aus dem Flugbetrieb genommen, um weniger Kerosin am freien Markt kaufen zu müssen, heißt es. Der Kerosinverbrauch der Passagier-Airlines der Lufthansa Group sei auf Basis des Rohöl-Preises mit rund 80 Prozent überdurchschnittlich hoch abgesichert.
Finanzvorstand Till Streichert nannte die Maßnahmen unumgänglich. Es würden ohnehin geplante Einschnitte vorgezogen. „Die aktuelle Krise zwingt uns diese Maßnahme nun früher umzusetzen.“ Bei der Cityline seien allen Beschäftigungsgruppen bereits Anschlussbeschäftigungen angeboten worden. Lufthansa will nun mit den Betriebspartnern der Cityline Gespräche zu einem Interessenausgleich und Sozialplan aufnehmen.
Gewerkschaften reagieren mit Entsetzen
Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo reagierte entsetzt auf die angekündigte umgehende Schließung der bestreikten Regionalairline Cityline. „Wir sind erschüttert und schockiert über soviel Skrupellosigkeit“, sagte Tarifexperte Harry Jäger am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. „Das ist offener Krieg gegen die eigenen Leute.“
Auch die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) kritisierte die kurzfristige Einstellung des Flugbetriebs scharf: „Die angeführten geopolitischen Gründe erscheinen aus unserer Sicht nicht überzeugend, da kein Wettbewerber derzeit Kapazitäten in diesem Umfang aus dem Markt nimmt“, so Präsident Andreas Pinheiro. Vielmehr deute vieles darauf hin, dass es sich um eine Maßnahme im Zusammenhang mit den aktuellen tarifpolitischen Konflikten innerhalb des Konzerns mit VC und Ufo handelt.
Mit Informationen von dpa, AFP und Reuters

