Ob auf einem Feld in Bayern oder mitten in der Wüste: Funklöcher sollen irgendwann passé sein. Nicht der Mobilfunk, sondern Satelliten sollen das lösen. Schon heute kooperiert die Telekom deshalb mit dem Unternehmen Starlink des umstrittenen US-Milliardärs Elon Musk. Vor diesem Hintergrund lässt eine kleine Meldung aufhorchen: Der Tech-Gigant Amazon übernimmt das US-Unternehmen Globalstar. Hört sich nach einer Randnotiz im Tech-Teil an?
Was ist Globalstar?
Das US-Unternehmen Globalstar betreibt ein Netzwerk von Satelliten – und hat die Rechte an Funkfrequenzen, die eine direkte Verbindung zum Smartphone ermöglichen. Rund 11,57 Milliarden Dollar will Amazon dafür auf den Tisch legen, rund 9,82 Milliarden Euro.
Apple kooperiert bereits schon länger mit Globalstar. iPhone-Nutzer können daher Notrufe per Satellit absetzen, wenn sie gerade keinen Mobilfunkempfang haben.
Ähnliche Lösungen gibt es auch für Android-Handys: Der französische Mobilfunkanbieter Orange kooperiert in Europa mit dem Satellitenbetreiber Skylo, Samsung hat die Satellitenkommunikation fest in seine Flaggschiff-Serie integriert.
Amazons Pläne im Erdorbit – und was das mit der Bundeswehr zu tun haben könnte
Die Übernahme ist ein weiterer Baustein in Amazons Strategie, um ein eigenes globales Satellitennetzwerk aufzubauen. Dafür hat der US-Konzern eigens die Marke Amazon Leo gegründet. Diese wirbt auf ihrer rein plakativen Website mit nichts weniger als einer neuen „Ära des Internets“.
Zielgruppen: Privatanwender ebenso wie Behörden, darunter insbesondere militärische Einrichtungen wie die Bundeswehr oder auch die NATO. Freunde sicherheitspolitischer Gedankenspiele dürfen ihrer Fantasie an dieser Stelle freien Lauf lassen. Zum Start der Gedankenreise sei an das Bild zur zweiten Amtseinführung Donald Trumps erinnert mit Amazon-Gründer Jeff Bezos in der Garde der prominenten Erstgratulanten.
Amazon versus Starlink, Bezos versus Musk
Ebenfalls damals dabei: der Bezos-Rivale und Tech-Milliardär Elon Musk. Amazon positioniert sich mit seiner Investition in Globalstar als Konkurrent zu dessen Satelliten-Unternehmen Starlink. Das wiederum hat derzeit zwar noch einen deutlichen Vorsprung: Das Unternehmen verfügt bereits über mehr als 10.000 aktive Satelliten im All. Amazon dagegen hat nach eigenen Aussagen (externer Link) derzeit nur rund 250 Satelliten im Orbit.
Allerdings hinkt der reine Zahlenvergleich zwischen Amazon Leo und Starlink. Denn die Starlink-Satelliten kreisen in einer geringeren Umlaufbahn und können dadurch weniger Fläche pro Satellit abdecken. Amazons Satelliten kreisen höher. Mit Globalstar kommen 48 Satelliten dazu. Bis 2029 sollen es 3.200 Satelliten sein.
Zusätzlich verfolgt Amazon-Gründer Jeff Bezos mit seinem Raumfahrtunternehmen Blue Origin ein weiteres Projekt namens TeraWave. Es soll ab 2027 mit mehr als 5.000 Satelliten extrem hohe Datenraten erreichen.
Was die Übernahme von Globalstar wirklich bedeutet
Und jetzt, darf man sich fragen? Jetzt können wir uns einerseits darüber freuen, dass die Zukunft eine Lösung kennt für Funklöcher. Andererseits: Was zunächst wie eine Randnotiz wirkt, ist letztlich ein weiteres Puzzlestück auf die Frage, wer künftig eigentlich die Verbindungen kontrollieren könnte, über die wir Menschen miteinander kommunizieren.

