Johanna studiert Zahnmedizin im siebten Semester an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und steht in ihrem Studium vor einem besonderen Moment: Zum ersten Mal behandelt sie einen echten Menschen. Bisher hat sie nur an Modellen gearbeitet – jetzt wird es ernst.
Ihre Patientin: Kommilitonin Marcella. Bevor die Studierenden andere Patientinnen und Patienten behandeln dürfen, müssen sie gegenseitig aneinander üben. „Ich bin ein bisschen aufgeregt, aber das wird schon“, sagt Marcella und lacht.
Praxisteil: Für jede erfolgreiche Behandlung gibt es Punkte
An vier Vormittagen in der Woche stehen dieses Semester Behandlungen auf Johannas Stundenplan. Für jede Behandlung gibt es Punkte – wer die Mindestanzahl nicht erreicht, besteht das Semester nicht. Johannas Aufgaben an diesem Tag: einen Befund erstellen sowie eine professionelle Zahnreinigung und eine sogenannte Kofferdam-Übung durchführen. Dabei wird ein spezielles Tuch über den Zahn gespannt, um ihn während der Behandlung zu isolieren.
Nach jedem Schritt kontrolliert eine Professorin das Ergebnis. Kleine Fehler bleiben nicht unbemerkt: Zwei Füllungen übersieht Johanna beim Befund. „Das war ärgerlich“, sagt sie. Dafür gelingt Johanna die professionelle Zahnreinigung gut, und auch die Kofferdam-Übung klappt. Die Professorin ist zufrieden. Johanna bekommt für die drei Übungen alle Punkte – und Marcella geht es auch noch gut.
Hohe Kosten im Zahnmedizinstudium: Tausende Euro für die Ausstattung
Zahnmedizin zu studieren, ist nicht nur anspruchsvoll, sondern auch teuer. Viele Instrumente müssen die Studierenden selbst bezahlen. „Die einzigen Sachen, die wir gestellt bekommen, sind Verbrauchsmaterialien für den Patienten. Den Rest müssen wir alles selbst kaufen“, erklärt Johanna.
Die Kosten für das Zahnmedizinstudium summieren sich schnell: Für den Vorklinikkoffer fallen rund 3.000 Euro an, der Klinikkoffer kostet etwa 2.600 Euro und der Artikulator, ein Gerät zur Simulation von Kiefergelenksbewegungen, rund 1.200 Euro. Hinzu kommt eine Lupenbrille für bis zu 3.500 Euro.
„Man hat mir immer gesagt, dass das ein teures Studium ist, aber mir war nicht klar, wie teuer so ein Studium sein kann“, sagt Johanna. Um sich das Studium leisten zu können, arbeitet sie in den Semesterferien in einer Zahnarztpraxis.
Zahnmedizin studieren: Alltag zwischen Vorlesung und Behandlung
Neben der Praxis stehen Vorlesungen und Seminare auf dem Programm. Die Belastung schwankt je nach Semester: „Die Work-Life-Balance hängt stark davon ab, in welchem Semester man ist und woran man gerade arbeitet. Am herausforderndsten ist definitiv, dass es so lange geht, die vielen Kurse – und dass wir schon während des Studiums beginnen, Patientinnen und Patienten zu behandeln“, erzählt Johanna.
Wie lange dauert das Zahnmedizinstudium?
Insgesamt dauert das Zahnmedizinstudium an der LMU München (externer Link) elf Semester. Im Zahnmedizinstudium lernen Studierende zunächst die naturwissenschaftlichen und medizinischen Grundlagen, die sie für ihre spätere Arbeit brauchen. Dazu kommen Einblicke in Materialien, Zahntechnik und erste praktische Übungen, zum Beispiel an künstlichen Modellen. Im weiteren Verlauf des Studiums wird es dann deutlich praxisnäher – der Schwerpunkt liegt zunehmend auf der Behandlung von Patientinnen und Patienten.
Staatsexamen Zahnmedizin: Drei Wochen Prüfungsstress
Ein zentraler Meilenstein im Studium sind die Staatsexamen. Johanna hat gerade das zweite Staatsexamen hinter sich: „Das ging über drei Wochen. Wir hatten jeden Tag praktische Prüfungen von morgens bis abends.“ Danach hat Johanna weiter gelernt – für die mündlichen Prüfungen. „Das war eine ganz neue Erfahrung, mal drei Wochen Tag und Nacht durchzuarbeiten.“
Nach dem Zahnmedizinstudium: Karriere und Gehalt
Nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums kann die Approbation beantragt werden – erst dann dürfen Absolventinnen und Absolventen als Zahnärztinnen und Zahnärzte arbeiten. Viele entscheiden sich für eine Tätigkeit in einer Praxis. Doch auch Spezialisierungen sind möglich, zum Beispiel in der Kieferorthopädie oder Oralchirurgie. Johanna hat ein klares Ziel: „Im Idealfall möchte ich eine eigene Praxis führen.“ Das durchschnittliche Bruttogehalt für Zahnärzte und Zahnärztinnen liegt laut Bundesagentur für Arbeit (externer Link) bei rund 5.850 Euro im Monat.

