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Eine anhaltend schwächelnde Wirtschaft und die fortschreitende technische Entwicklung, unter anderem von Künstlicher Intelligenz, verändern den Arbeitsmarkt: Immer mehr hochqualifizierte Menschen finden keinen Job.
Wenn dann User wie „qwertz“ in den Kommentarspalten von BR24 ein „altes Sprichwort“ aufgreifen, nämlich: „Hättest lieber was Gescheites gelernt…“ , stellt sich direkt die Frage, die auch ein anderer User im Austausch formulierte: „Und was ist was Gescheites?“
Stefanie Rektorscheck ist seit 16 Jahren als Berufs- und Studienberaterin für die Agentur für Arbeit in München im Einsatz. Im Gespräch mit BR24 schildert sie ihre Erfahrungen: Auch sie beobachtet eine steigende Unsicherheit rund um die Frage, welchen Beruf Schüler für die Zukunft wählen sollen.
Stetige Veränderung – kein gerader Karriereweg mehr
Bei der Frage, was denn der klassische „gescheite Job“ ist, sieht Rektorscheck immer weniger eine konkrete Antwort: „Es gibt natürlich immer noch die klassischen Berufsbilder im Kopf, die erfolgreiche Karrierewege beschreiben. Sei es Humanmedizin, Jura, auch Handwerk.“ Berufe, die vor allem ältere Generationen im Kopf hätten, wenn es darum gehe, zu sagen: „Wenn du das lernst, dann hast du ausgesorgt für dein Leben.“
Doch mittlerweile ändere sich ständig so viel: Da gehe es nun nicht mehr darum, sich auf einen geraden Karriereweg und eine starre Jobbeschreibung festzulegen.
Krise erreicht Arbeitsmarkt – Berufseinsteiger besonders betroffen
Oliver Stettes vom IW Köln stellt zudem fest: „Wir haben, anders als viele es gewohnt waren, über die letzten zehn, fünfzehn Jahre, eine Krise, die am Arbeitsmarkt angekommen ist. Und die spüren vor allen Dingen diejenigen, die in das berufliche Leben einsteigen möchten.“ Auch Menschen, die in die Arbeitslosigkeit geraten sind, seien davon betroffen. Man merke etwa die Vorsicht vieler Arbeitgeber, neue Stellen zu vergeben.
Im Freistaat lag die Zahl der Arbeitslosen im März 3,1 Prozent höher als im März des vergangenen Jahres. Bei den Langzeitarbeitslosen gab es sogar eine Steigerung von 11,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das zeigt der Arbeitsmarktbericht der Agentur für Arbeit (externer Link). Aufgrund der demografischen Entwicklung erwartet Stettes dennoch, dass sich die Situation auf Dauer entspannen wird.
„Anpassungsfähigkeit statt Stabilität“
Aus Sicht von Rektorscheck ist mittlerweile weniger der konkrete Beruf ausschlaggebend für einen stabilen Karriereweg, sondern vielmehr, ob man sich mit diesem Beruf in einer dynamischen Zukunft verändern kann.
Lücken im Lebenslauf und wechselnde Arbeitgeber seien in der Vergangenheit als negativ angesehen worden – heutzutage seien sie ein unabdingbarer Teil einer Karriere. „Anpassungsfähigkeit statt Stabilität. Das ist eher der Status quo in der heutigen Zeit. Mehrere Umwege im Job sind durchaus normal. ‚Welche Erfahrungen hast du denn noch aus anderen Bereichen mitgebracht?‘, wird gefragt.“
Stettes sieht weniger, gerade in Bezug auf die fortschreitende Entwicklung von Künstlicher Intelligenz, dass konkrete Berufe vom Aussterben bedroht sind. Lernfähigkeit und Anpassungsbereitschaft aber sind seiner Meinung nach in der neuen Arbeitswelt unerlässlich. Man müsse sich im Klaren sein, dass „was man heute vorfindet an beruflichen Anforderungen und beruflichen Bedingungen und wie Arbeitsplätze gestaltet sind, in zehn oder fünfzehn Jahren nicht mehr der Fall sein wird“. Ein wichtiger Aspekt für einen zukunftssicheren Job sei also auch, ob man in diesem Beruf mit sinnvollen Weiterbildungsmaßnahmen rechnen kann.
Die Branche macht’s
Was konkrete Zukunftsaussichten angeht, stellt Rektorscheck fest, dass es durchaus Wirtschaftsfelder gibt, die weiterhin verstärkt gefragt sind. Dazu gehören aus ihrer Sicht zum Beispiel die Pflege und die Medizin, Sicherheit und Verteidigung, das Handwerk und erneuerbare Energien als Branchenfelder.
Ihr Rat: Man soll sich mit den Branchen auseinandersetzen, um zu schauen, wo genau man seine Fähigkeiten gewinnbringend einsetzen kann. Nur weil man sich etwa nicht als Pfleger sieht, heißt das nicht, dass man im Bereich der Pflege keinen passenden Job finden kann, erklärt Rektorscheck. Auch Stettes rät, sich die Frage zu stellen, welche Branche langfristige Zukunftsperspektiven hat.
Was macht also den „gescheiten Job“ von morgen aus? Einer, der die Möglichkeit bietet, sich perspektivisch innerhalb der Anstellung zu verändern, so die Experten. Und ein Job, in dem man die Möglichkeit hat, sich weiterzubilden.

