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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Krisen und unsichere Zeiten: Was ist noch ein „gescheiter Job“?
Wirtschaft

Krisen und unsichere Zeiten: Was ist noch ein „gescheiter Job“?

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 29. April 2026 08:47
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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InhaltsĂŒbersicht
Stetige VerĂ€nderung – kein gerader Karriereweg mehrKrise erreicht Arbeitsmarkt – Berufseinsteiger besonders betroffen„AnpassungsfĂ€higkeit statt StabilitĂ€t“Die Branche macht’s

Eine anhaltend schwĂ€chelnde Wirtschaft und die fortschreitende technische Entwicklung, unter anderem von KĂŒnstlicher Intelligenz, verĂ€ndern den Arbeitsmarkt: Immer mehr hochqualifizierte Menschen finden keinen Job.

Wenn dann User wie „qwertz“ in den Kommentarspalten von BR24 ein „altes Sprichwort“ aufgreifen, nĂ€mlich: „HĂ€ttest lieber was Gescheites gelernt
“ , stellt sich direkt die Frage, die auch ein anderer User im Austausch formulierte: „Und was ist was Gescheites?“

Stefanie Rektorscheck ist seit 16 Jahren als Berufs- und Studienberaterin fĂŒr die Agentur fĂŒr Arbeit in MĂŒnchen im Einsatz. Im GesprĂ€ch mit BR24 schildert sie ihre Erfahrungen: Auch sie beobachtet eine steigende Unsicherheit rund um die Frage, welchen Beruf SchĂŒler fĂŒr die Zukunft wĂ€hlen sollen.

Stetige VerĂ€nderung – kein gerader Karriereweg mehr

Bei der Frage, was denn der klassische „gescheite Job“ ist, sieht Rektorscheck immer weniger eine konkrete Antwort: „Es gibt natĂŒrlich immer noch die klassischen Berufsbilder im Kopf, die erfolgreiche Karrierewege beschreiben. Sei es Humanmedizin, Jura, auch Handwerk.“ Berufe, die vor allem Ă€ltere Generationen im Kopf hĂ€tten, wenn es darum gehe, zu sagen: „Wenn du das lernst, dann hast du ausgesorgt fĂŒr dein Leben.“

Doch mittlerweile Àndere sich stÀndig so viel: Da gehe es nun nicht mehr darum, sich auf einen geraden Karriereweg und eine starre Jobbeschreibung festzulegen.

Krise erreicht Arbeitsmarkt – Berufseinsteiger besonders betroffen

Oliver Stettes vom IW Köln stellt zudem fest: „Wir haben, anders als viele es gewohnt waren, ĂŒber die letzten zehn, fĂŒnfzehn Jahre, eine Krise, die am Arbeitsmarkt angekommen ist. Und die spĂŒren vor allen Dingen diejenigen, die in das berufliche Leben einsteigen möchten.“ Auch Menschen, die in die Arbeitslosigkeit geraten sind, seien davon betroffen. Man merke etwa die Vorsicht vieler Arbeitgeber, neue Stellen zu vergeben.

Im Freistaat lag die Zahl der Arbeitslosen im MĂ€rz 3,1 Prozent höher als im MĂ€rz des vergangenen Jahres. Bei den Langzeitarbeitslosen gab es sogar eine Steigerung von 11,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das zeigt der Arbeitsmarktbericht der Agentur fĂŒr Arbeit (externer Link). Aufgrund der demografischen Entwicklung erwartet Stettes dennoch, dass sich die Situation auf Dauer entspannen wird.

„AnpassungsfĂ€higkeit statt StabilitĂ€t“

Aus Sicht von Rektorscheck ist mittlerweile weniger der konkrete Beruf ausschlaggebend fĂŒr einen stabilen Karriereweg, sondern vielmehr, ob man sich mit diesem Beruf in einer dynamischen Zukunft verĂ€ndern kann.

LĂŒcken im Lebenslauf und wechselnde Arbeitgeber seien in der Vergangenheit als negativ angesehen worden – heutzutage seien sie ein unabdingbarer Teil einer Karriere. „AnpassungsfĂ€higkeit statt StabilitĂ€t. Das ist eher der Status quo in der heutigen Zeit. Mehrere Umwege im Job sind durchaus normal. ‚Welche Erfahrungen hast du denn noch aus anderen Bereichen mitgebracht?‘, wird gefragt.“

Stettes sieht weniger, gerade in Bezug auf die fortschreitende Entwicklung von KĂŒnstlicher Intelligenz, dass konkrete Berufe vom Aussterben bedroht sind. LernfĂ€higkeit und Anpassungsbereitschaft aber sind seiner Meinung nach in der neuen Arbeitswelt unerlĂ€sslich. Man mĂŒsse sich im Klaren sein, dass „was man heute vorfindet an beruflichen Anforderungen und beruflichen Bedingungen und wie ArbeitsplĂ€tze gestaltet sind, in zehn oder fĂŒnfzehn Jahren nicht mehr der Fall sein wird“. Ein wichtiger Aspekt fĂŒr einen zukunftssicheren Job sei also auch, ob man in diesem Beruf mit sinnvollen Weiterbildungsmaßnahmen rechnen kann.

Die Branche macht’s

Was konkrete Zukunftsaussichten angeht, stellt Rektorscheck fest, dass es durchaus Wirtschaftsfelder gibt, die weiterhin verstÀrkt gefragt sind. Dazu gehören aus ihrer Sicht zum Beispiel die Pflege und die Medizin, Sicherheit und Verteidigung, das Handwerk und erneuerbare Energien als Branchenfelder.

Ihr Rat: Man soll sich mit den Branchen auseinandersetzen, um zu schauen, wo genau man seine FĂ€higkeiten gewinnbringend einsetzen kann. Nur weil man sich etwa nicht als Pfleger sieht, heißt das nicht, dass man im Bereich der Pflege keinen passenden Job finden kann, erklĂ€rt Rektorscheck. Auch Stettes rĂ€t, sich die Frage zu stellen, welche Branche langfristige Zukunftsperspektiven hat.

Was macht also den „gescheiten Job“ von morgen aus? Einer, der die Möglichkeit bietet, sich perspektivisch innerhalb der Anstellung zu verĂ€ndern, so die Experten. Und ein Job, in dem man die Möglichkeit hat, sich weiterzubilden.

 

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Von Christin Freitag
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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf FinanzmĂ€rkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit ĂŒber 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke fĂŒr die Leser der WirtschaftsRundschau.
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