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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Emirate verlassen die Opec: Was heißt das für den Ölpreis?
Wirtschaft

Emirate verlassen die Opec: Was heißt das für den Ölpreis?

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 29. April 2026 09:47
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Werden Benzin, Diesel, Heizöl und Kerosin billiger? Sinken auch in Bayern die Preise an der Tankstelle?Diese Frage stellen sich nicht nur Öl-Experten seit der Ankündigung der Vereinigten Arabischen Emirate, kurzfristig zum 1. Mai die Opec zu verlassen. Nach Einschätzung zum Beispiel von Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen entspanne dieser Schritt mittel- bis längerfristig den Ausblick am Ölmarkt. Denn das Land verfüge über sehr hohe Kapazitäten, die es angesichts strenger Förderquoten bisher nicht ausschöpfen konnte. Auch David Oxley, Ökonom bei Capital Economics erklärte, der Opec-Austritt der Emirate deute darauf hin, dass das weltweite Angebot höher ausfallen werde, als es sonst der Fall wäre, sobald die Straße von Hormus wieder geöffnet werde.

Inhaltsübersicht
Ölpreis hängt weiter an der Straße von HormusWarum verabschieden sich die Emirate aus der Opec?Kommt nun die große Ölschwemme?Was ist die Opec?

Kurzfristig dürfte sich an den hohen Preisen aber wenig ändern, zeigten sich Analysten überzeugt. So stiegen die Weltmarktpreise für Öl nach der Ankündigung vom Dienstag zunächst weiter an. Das liegt am Krieg in der Golfregion und der Sperrung des wichtigsten Transportweges für arabisches Öl.

Ölpreis hängt weiter an der Straße von Hormus

Egal, wie viel Öl rund um den Golf derzeit gefördert wird: Solange mit der Straße von Hormus der mit Abstand wichtigste Exportweg weitgehend blockiert ist, bleibt das Angebot auf dem Weltmarkt knapp. Ein Ende ist derzeit nicht abzusehen. So brachten diplomatische Bemühungen um ein Ende des Iran-Kriegs zuletzt keine keine spürbaren Fortschritte. Eine Öffnung der Straße von Hormus ist weiterhin nicht in Sicht.

Wegen der Lage im Nahen Osten droht der Welt nach Einschätzung von Kyriakos Pierrakakis, dem Präsidenten der Eurogruppe, eine historische Notlage. Bleibe die Straße von Hormus weiter geschlossen, dann habe diese Verknappung das Potenzial, die größte Energiekrise überhaupt zu werden, sagte Pierrakakis in Athen. Die Ausfälle bei Öl und Gas könnten demnach größer sein als in früheren Krisen etwa in den 1970er Jahren oder nach Beginn des Ukraine-Kriegs.

Warum verabschieden sich die Emirate aus der Opec?

Auch wenn der Zeitpunkt überraschend kam, zu dem sich die Vereinigten Arabischen Emirate aus der Opec verabschieden – grundsätzlich war schon länger über einen solchen Schritt spekuliert worden. Dahinter steht ein jahrelanger Konflikt mit der regionalen Großmacht Saudi-Arabien, dem inoffiziellen Schrittmacher des Kartells. In dem Streit geht es darum, dass die Emirate gerne deutlich mehr Öl fördern und exportieren würden, als ihnen die Opec zugesteht.

Im Sommer 2021 wurde dieser Konflikt erstmals öffentlich. Bei einer mehrtägigen Sitzung bestanden die Vereinigten Arabischen Emirate auf einer Erhöhung der Quoten, der Rest der Organisation unter Führung der Saudis verweigerte dies. Schließlich ging man ohne Einigung auseinander. Kurz darauf berichteten verschiedene US-Medien erstmals, die Emirate dächten darüber nach, die Opec zu verlassen.

Kommt nun die große Ölschwemme?

Sollte die Straße von Hormus wieder geöffnet werden, dann dürfte die Ölproduktion in den Vereinigten Arabischen Emiraten sprunghaft zunehmen. Das Land hat in den vergangenen Jahren Milliarden in neue Bohr- und Verarbeitungstechnologie investiert. Dadurch liegen seine Kapazitäten deutlich über den bisherigen Opec-Quoten. So produzierten die Emirate vor dem Iran-Krieg täglich etwa 3,4 Millionen Barrel (jeweils 159 Liter) Öl. Nach dem Willen der Regierung soll diese Menge binnen weniger Jahre auf fünf Millionen steigen. Für die Emirate würde dies jährliche Zusatzeinnahmen von 38 Milliarden Dollar bedeuten. Wobei dies noch eine vorsichtige Berechnung aufgrund des eher niedrigen Vorkriegspreises von rund 65 Dollar ist.

Was ist die Opec?

Die Organisation der erdölexportierenden Staaten mit Sitz in Wien wurde 1960 gegründet. Ziel des Kartells ist es, Fördermengen für Erdöl gemeinsam abzustimmen, um so Einfluss auf den Weltmarktpreis zu nehmen und ihren Mitgliedern möglichst berechenbare Einnahmen zu sichern. Nach dem Austritt der Vereinigten Staaten hat die Organisation noch elf Mitglieder, unter denen Saudi-Arabien traditionell als Wortführer gilt. Mitglied ist aber auch der aktuelle Kriegsgegner Iran.

Neben der Opec gibt es seit 2016 noch den erweiterten Kreis der Opec+, zu dem unter anderem Russland, Mexiko und Kasachstan gehören. Mit dem Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate verliert das Kartell nun ein wichtiges Mitglied, zudem nimmt die globale Marktmacht der Opec und der Opec+ ab. Dazu kommt: Die USA und damit der weltgrößte Ölproduzent waren schon zuvor kein Mitglied der Organisation. Künftig steht das Kartell rund um Saudi-Arabien nur noch für rund ein Drittel der globalen Ölproduktion.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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