Die Hoffnungen auf einen Aufschwung der bayerischen Wirtschaft in diesem Jahr haben sich vorerst zerschlagen. Das zeigt die Konjunkturumfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) bei rund 3.400 Unternehmen im Freistaat. Der BIHK-Konjunkturindex sinkt um sechs Punkte auf 101 Zähler und liegt damit seit drei Jahren unter dem langjährigen Durchschnitt von 111 Punkten.
Preisschock wegen Iran-Krise stoppt Aufschwung am Bau
„Das schlechte Umfeld bremst die Unternehmen weiter aus, ausbleibende Reformen und ein neuerlicher Energiepreisschock würgen das Wachstum ab“, sagt BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl. Was das konkret bedeutet, lässt sich am besten an der bayerischen Baubranche erkennen. Dort laufen viele der angesprochenen Themen wie in einem Brennpunkt zusammen. Der Landesverband der Bayerischen Bauinnungen hat zeitgleich mit dem BIHK dazu eine Studie vorgelegt.
Mit einem riesigen Sondervermögen wollte die Bundesregierung ab 2026 die Konjunktur ankurbeln. Vor allem die Bauwirtschaft sollte von Investitionen in die Infrastruktur, in neue Wohnungen und für mehr Klimaschutz profitieren. Doch die Realität sieht anders aus. Schon zum Ende des ersten Quartals bremste der Iran-Krieg mit höheren Preisen für Energie, Baustoffe und vieles mehr die Wirtschaft aus.
Konjunkturpaket der Bundesregierung bisher ohne Wirkung
„Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz kommt offenbar so gut wie gar nicht in der Praxis an“, so fasste Georg Gerhäuser, Präsident des Landesverbandes Bayerischer Bauinnungen, die Frühjahrs-Konjunkturumfrage zusammen.
Auch der sogenannte Bau-Turbo mit den vereinfachten Vorschriften für mehr bezahlbaren Wohnraum scheint bislang nicht zu zünden. Insbesondere im Öffentlichen Hochbau lag Gerhäuser zufolge noch im vergangenen Jahr viel Hoffnung auf den Maßnahmen und zusätzlichen Investitionen der Bundesregierung. In der Praxis seien sie jedoch offensichtlich in der bisher nicht angekommen, fügt er hinzu.
Klitzekleiner Lichtblick: der Wohnungsbau
Wegen der Iran-Krise sehen der Umfrage zufolge nur noch 13,3 Prozent der Bauunternehmen in Bayern ihre gegenwärtige Situation positiv (gegenüber 15 Prozent im Vorjahreszeitraum). Im Öffentlichen Hochbau bezeichneten lediglich 2,5 Prozent ihre Geschäftslage als gut – 76 Prozent hingegen als schlecht.
Einen leichten Aufwind gibt es dagegen im Wohnungsbau. Gerhäuser spricht von minimalen Verbesserungen; denn auch hier stuften 48,7 Prozent der Unternehmen ihre Lage als schlecht ein (Vorjahreswert: 51,6 Prozent). Immerhin ist die Zahl der Baugenehmigungen zuletzt kräftig gestiegen. Für Bayern zeigte das Landesamt für Statistik hier eine Steigerung um 12,1 Prozent an von Januar bis März 2026.
Baugenehmigungen allein besagen leider noch nicht viel
Doch auch 2025 gab es im zweiten Halbjahr deutlich mehr Baugenehmigungen, ohne dass sich das bislang entsprechend ausgewirkt hätte. Normalerweise dauert es im Schnitt etwa zwei Jahre von der Genehmigung bis zur Fertigstellung. Aber Verzögerungen sind immer möglich, genauso wie ein Aufschub oder dass am Ende gar nicht gebaut wird, was häufiger vorkommt.
Das ist der sogenannte Bauüberhang, der dazu führt, dass fast jede zehnte Baugenehmigung ungenutzt nach mehreren Jahren ihre Gültigkeit verliert. Pro Jahr verfallen auf diese Weise in Deutschland Genehmigungen für 16.000 bis 23.000 Wohnungen, ohne dass es je zu einem Baubeginn kam. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten häufen sich solche Fälle, genauso wie Projekte, die abgebrochen und nicht mehr fertiggestellt werden, weil Baukosten und Zinsen nicht mehr berechenbar blieben. Für Hausbauer wie Wohnungskäufer entstehen dadurch zusätzliche Risiken.
Viele Probleme von 2025 nach wie vor ungelöst
Neben den bereits erwähnten steigenden Kosten und zu wenig Aufträgen fehlt es am Bau nach wie vor an Fachkräften. Die Unternehmen wollen gegensteuern mit mehr Ausbildungsangeboten. So hat knapp ein Drittel der Betriebe die Zahl ihrer Lehrstellen erhöht. Gerhäuser hofft, dass sich mehr junge Menschen für das Baugewerbe interessieren. Über die Hälfte der Betriebe biete Lehrstellen an, die noch unbesetzt seien.

