Wissenschaftler des Forschungsverbunds World Weather Attribution (WWA) prognostizieren in einer neuen Studie (externer Link), welche Belastungen durch extreme Hitze auf Spieler und Fans bei der baldigen Fußball-Weltmeisterschaft zukommen könnten. Vom 11. Juni bis 19. Juli findet die Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko statt.
Zum Vergleich haben die Forscher die letzte Fußball-Weltmeisterschaft in den USA vor 32 Jahren herangezogen. Die Klimaforscherin Joyce Kimutai fasst die Ergebnisse zusammen: „Dieses Klima war etwa 0,7 Grad kühler als das heutige. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die mit diesen Hitzestressbedingungen verbundenen Umstände inzwischen deutlich wahrscheinlicher und intensiver sind als während der letzten Weltmeisterschaft im Jahr 1994. Diese Veränderungen lassen sich mit Sicherheit auf den vom Menschen verursachten Klimawandel zurückführen.“
Fußball-WM: Bei jedem vierten Fußball-Spiel extreme Belastung durch Hitze möglich
Die internationale Forschungsinitiative World Weather Attribution (WWA) untersucht, wie stark der Klimawandel einzelne Extremwetterereignisse beeinflusst. Für die Fußball-WM 2026 erwarten die Forscher, dass jedes vierte Spiel unter problematischen und sogar gefährlichen Hitzebedingungen stattfinden wird.
Zur Bestimmung der Hitzebelastung für den menschlichen Körper benutzen die Forscher nicht einfach die sonst übliche Schattentemperatur, sondern den sogenannten Wet Bulb Globe Temperature-Index, kurz WBGT (deutsch: Feuchtkugel-Globaltemperatur-Index). Dieser Wert berücksichtigt neben der Lufttemperatur auch Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und Sonneneinstrahlung.
Damit liefert der WBGT-Index ein genaueres Bild der vorherrschenden Hitzebelastung auf den menschlichen Körper, erklärt Chris Mullington, Mediziner vom Imperial College London: „Hohe Luftfeuchtigkeit hemmt die Schweißverdunstung, direkte Sonneneinstrahlung und heiße Stadionböden erhöhen die Strahlungswärmebelastung, schwacher Wind verringert die Kühlung.“ Damit sei der WBGT-Wert nicht nur ein Wetterwert, sondern ein Wert für die Fähigkeit des Körpers, mit großer Hitze fertig zu werden.
Fußballer schützen: Ärzte fordern Anpassung der Grenzwerte
Aufgrund ihrer Berechnungen prognostizieren die Wissenschaftler beispielsweise beim Viertelfinale in Miami oder dem Halbfinale in Dallas extreme Bedingungen, die mindestens zusätzliche Trinkpausen oder sogar einen Spielabbruch notwendig machen könnten. Zumindest, wenn es nach den Grenzwerten geht, die viele Mediziner für angemessen halten.
In einem offenen Brief an die FIFA (externer Link) fordern nun Ärzte und Wissenschaftler, die veralteten Grenzwerte für den Hitzeschutz zu senken und an aktuelle medizinische den Standards anzupassen. Die FIFA (externer Link) erlaubt derzeit noch einen Spielbetrieb bei einer Hitzebelastung von 32 Grad nach dem neuen Index WBGT, was etwa 45 Grad im Schatten bei einer geringen Luftfeuchtigkeit von 20 Prozent entspricht. Als absolute Obergrenze sehen die Forscher, aber auch der Verband der professionellen Fußballspieler FIFPRO, der ebenfalls eine Anpassung fordert, den Wert von 28 Grad WBGT. Das entspricht immerhin noch 38 Grad im Schatten bei trockener Luft. Eine Antwort der FIFA auf diese Forderungen steht noch aus.
Extreme Hitze: Auch Zuschauer der Fußball-Weltmeisterschaft sind gefährdet
Auch die Zuschauer und Fans der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 müssen innerhalb und außerhalb der Stadien mit teils hoher Belastung durch Hitze rechnen. Im Gegensatz zu den Spielern haben sie keinen medizinischen Betreuerstab und müssen sich selbst schützen, wenn die Hitze gefährlich wird.
Der Umweltmediziner Thomas Lob-Corzilius rät daher Zuschauern von Public Viewings in den USA, aber auch in Deutschland, unbedingt auf körpereigene Warnsignale zu hören: „Mundtrockenheit ist ein wichtiges Zeichen dafür: Ich muss trinken! Wenn ich nur Wasser habe, dann trinke ich Wasser, möglichst aber auch eine Lösung, in der ein bisschen Salz ist. Falls mir nicht nur ein bisschen schwindelig ist, sondern auch schwarz vor Augen, muss ich mich hinsetzen, und die Beine nach oben nehmen.“
Spätestens, wenn sich Übelkeit und Kopfschmerzen einstellen, heiße es: Sofort ab in den Schatten und den Kopf kühlen. Dann hat man vermutlich einen Sonnenstich erlitten, eine gefährliche Schwellung des Gehirns.

