Natürliche Klimaphänomene wie die „El-Niño-Southern-Oscillation (ENSO)“ (externer Link), zu der die Wetterphänomene El Niño, La Niña und deren Zwischenphasen gehören, können global für Wetterextreme sorgen – mit Folgen für Ernten und wirtschaftliche Stabilität. Eine chinesisch-amerikanische Forschergruppe hat nun mehr als 500 bewaffnete Konflikte zwischen 1950 und 2023 mit hochaufgelösten Klimadaten abgeglichen.
Die Analyse, veröffentlicht im Fachjournal PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences, externer Link mit Bezahlschranke), zeigt: Vor allem in Regionen, in denen El Niño lange Trockenphasen auslöst, steigt statistisch die Wahrscheinlichkeit, dass Gewaltkonflikte ausbrechen.
Wetterextreme wie El Niño erhöhen Wahrscheinlichkeit für Konflikte
Der Geograf und Klimafolgenforscher Jürgen Scheffran von der Universität Hamburg, der nicht an der Studie beteiligt war, stimmt deren Ergebnis zu: „Wenn sich das langfristig verändert und die Anpassungsrate nicht schnell genug ist, dann kann das zu gesellschaftlicher Destabilisierung führen. Zum Beispiel, dass weniger Nahrungsmittel produziert werden, dass die Wasserversorgung beeinträchtigt wird oder auch insgesamt die Wirtschaft unter Ressourcenmangel leidet.“
El-Niño- und La-Niña-Ereignisse können – je nach Stärke und betroffener Region – zu Wassernotständen, Dürren, Überschwemmungen, Ernteschwund und damit schweren wirtschaftlichen Folgen in der Landwirtschaft bis hin zu Hungersnöten führen, wie eine Veröffentlichung des ifo Instituts (externer Link) darlegt. Allerdings wird hier auch darauf verwiesen, dass jeweils andere Regionen beispielsweise von stärkeren Regenfällen profitieren könnten.
Klimaschwankungen können labile Gesellschaften weiter destabilisieren
Die Konfliktforscherin Nina von Uexküll von der Universität Konstanz, die ebenfalls nicht an der PNAS-Studie beteiligt war, bestätigt die Gefahr von Klimaschwankungen für Frieden und Stabilität. Sie hat selbst zum Thema geforscht und unter anderem gemeinsam mit Jürgen Scheffran eine nature-Studie (externer Link) dazu veröffentlicht.
Noch, so von Uexküll, sei der Einfluss des Klimas aber relativ gering. Armut, Ungleichheit zwischen Bevölkerungsgruppen, Unzufriedenheit mit der Regierung, schlechte Regierungsführung seien bislang bestimmendere Faktoren: „Wir haben dann schon lokale Konflikte und insgesamt eine Fragilität, wo dann eben die Dürre dazukommt“. Und so die Situation verschärft.
Klimawandel könnte künftig für mehr bewaffnete Konflikte sorgen
Das könne sich aber ändern: „Es wird eben davon ausgegangen, dass sich der Klimawandel noch sehr viel verstärken wird. Und damit verstärken sich auch Klimaschwankungen wie El Niño, wie Dürren, wie Überschwemmungen“, warnt von Uexküll. Und damit die Gefahr, dass labile Staaten weiter destabilisiert werden, dass es zu mehr Konflikten und Kriegen komme.
Das schwedische Friedensforschungsinstitut SIPRI (externer Link) zeigte schon 2021 auf, welchen Einfluss der Klimawandel auf bewaffnete Konflikte hat. Im Jahr 2020 hätten demnach zehn der 21 UN-Friedensmissionen in Ländern stattgefunden, die am stärksten vom Klimawandel betroffen gewesen seien.
Teufelskreis aus Klimawandel, Krieg und Anfälligkeit
Hinzu kommt, dass solche Staaten oft verletzbar und anfällig sind, erklärt von Uexküll: „Wenn wir in Deutschland eine Dürre haben, dann haben wir einen Staat, der eingreift, der hilft.“ In anderen Ländern, etwa dem Südsudan, gebe es das nicht. Der Krieg dort schwächt das ohnehin wirtschaftlich schwache Land weiter.
„Dann kann ein Teufelskreis eintreten, wenn Klimawandel Konflikte verstärkt, aber auch Konflikte die Anfälligkeit gegen Klimawandel erhöhen“, führt Jürgen Scheffran aus. Und weil die Länder dadurch weiter destabilisiert werden, haben sie ein höheres Risiko für Konflikte und Kriege – „und Krieg kann auch zu mehr CO₂-Emissionen beitragen“, folgert Scheffran abschließend.
Folgen des Klimawandels: Europa ist indirekt von Konflikten betroffen
Auch Europa werde von diesen Konflikten getroffen, führt von Uexküll aus – über erschwerte Importe von Lebensmitteln oder durch die Zunahme von Migration. Daher – das betonen beide Forschende – sei es für Europa wichtig, die CO2-Emissionen zu senken und eine nachhaltige Energiewende hin zu erneuerbaren Energien zu betreiben, um global für mehr Frieden und Sicherheit zu sorgen. Zudem sollten die betroffenen und gefährdeten Staaten dabei unterstützt werden, sich vor den Folgen des Klimawandels zu schützen.

