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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Schwierige Geburt: Geburtskomplikationen auch bei Tieren häufig
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Schwierige Geburt: Geburtskomplikationen auch bei Tieren häufig

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 21. Mai 2026 15:47
Von Michael Farber
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4 min. Lesezeit
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Bisher galt die menschliche Geburt als besonders schwierig und riskant unter Säugetieren. Jetzt zeigt eine Studie (externer Link) der Forscherin Nicole Grunstra von der Universität Wien, dass es auch bei anderen Säugetieren ähnliche Probleme und Komplikationen bei der Geburt gibt wie bei uns Menschen.

Inhaltsübersicht
Geburtskomplikationen: Tiere mit großem Nachwuchs oft betroffenErstaunlich viele Geburtsprobleme bei WildtierenWildtierforscher: Schwierige Geburten haben oft auch andere UrsachenSchwere Geburten bei Säugetieren auch Folge von Umweltzerstörung?

Für ihre Analyse hat die Wissenschaftlerin 150 Studien aus verschiedenen Bereichen ausgewertet: aus der Humanmedizin, dem Gesundheitswesen, der Veterinärmedizin, der Tierzucht sowie aus der Zoo- und Wildtierbiologie. Grunstra fand Dokumentationen zu Geburtskomplikationen bei über 100 Tierarten – Daten von Haustieren, Nutztieren sowie von in Gefangenschaft und in freier Natur lebenden Wildtieren.

Geburtskomplikationen: Tiere mit großem Nachwuchs oft betroffen

Warum es gerade beim Menschen oft zu schwierigen Geburten kommt, wird mit dem sogenannten „obstetrischen Dilemma“ begründet: Demnach führen der aufrechte Gang und das große Gehirn beim Menschen zu einem ungünstigen Größenverhältnis von Kind und mütterlichem Becken: Der Kopf des Babys ist im Verhältnis zum Geburtskanal der Mutter häufig zu groß.

Auch bei Säugetieren hätten oft diejenigen Tiere mit großem Nachwuchs – etwa Seelöwen, Hirsche und andere Huftiere – schwere Geburten, hat Nicole Grunstra herausgefunden. Kurios war für sie, dass auch bei Walen und Delfinen häufig komplizierte Geburten auftraten. Sie haben „nur noch winzige Beckenreste und die formen überhaupt keinen Geburtskanal mehr“, sagt die Forscherin im BR-Interview.

Erstaunlich viele Geburtsprobleme bei Wildtieren

Überraschend war für Grunstra, „wie viele Berichte von tödlichen Geburtskomplikationen bei Säugetieren es in der freien Wildbahn gibt, inklusive Fälle von einem Missverhältnis zwischen der Größe des Fötus und des mütterlichen Geburtskanals im knöchernen Becken“, sagt die aus den Niederlanden stammende Wissenschaftlerin. Dies sei kein rein menschliches Phänomen, bestätigt sie im Interview.

Ist der Fötus zu groß, etwa auch durch Überernährung, kommt es vermehrt zu Geburtskomplikationen, ist Grunstras Beobachtung. Ein evolutionärer Zielkonflikt, denn größere Jungtiere haben oft bessere Überlebenschancen nach der Geburt. „Dafür ist das Risiko von Geburtsproblemen mit tödlichen Folgen für Mutter und Nachwuchs höher“, sagt die Evolutionsbiologin.

Wildtierforscher: Schwierige Geburten haben oft auch andere Ursachen

Thomas Hildebrandt, Abteilungsleiter für Reproduktionsmanagement am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin, betrachtet die Studie der Universität Wien als „aufwendig gemacht“ mit „sehr viel Literaturrecherche“. Aber die Anzahl der schweren Geburten und Sterbefälle bei Säugetieren nur auf ein biologisches Muster, also evolutionäre Aspekte, zurückzuführen, hält er für nicht umfassend genug. „Weil die Daten, die hier angegeben werden, also bis zu 18 Prozent Schwergeburten, kann man sich nicht vorstellen, dass das eben eine evolutive Entwicklung ist“, sagt er im Interview mit dem BR.

Schwere Geburten bei Säugetieren auch Folge von Umweltzerstörung?

Thomas Hildebrandt hält es daher für notwendig, auch andere Faktoren zu berücksichtigen – zum Beispiel menschengemachte Wirkmechanismen. Schließlich könnte es auch sein, dass die Anzahl schwerer Geburten bei bestimmten Säugetieren so hoch sei, „weil der Mensch da schon sehr viel Umwelt zerstört hat“, etwa durch Mikroplastik oder exogene Hormone, die im Abwasser landen.

„Ich würde mir wünschen, dass zum einen die Anzahl der Schwergeburten über die Zeit, also vor 50 Jahren bei einem Tierarzt und heute bei einem Tierarzt, wenn es dort Berichte gibt, verglichen werden könnten. Dass mehr Unterscheidung zu möglichen Einflussfaktoren, die auch menschengemacht sind, mit in die Studie aufgenommen wird. Um letztendlich auch zu verstehen, dass das nicht so eine Art Verbrauch ist, den die Evolution sich ausgedacht hat für weibliche Organismen, die zu große Babys gebären. Weil die Konsequenz wäre ja eine Überpopulation an männlichen Tieren“, gibt der Forscher, der auch Professor für Wildtierreproduktionsmedizin an der Freien Universität Berlin ist, zu bedenken.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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