Wer sich im Serien-Geschäft einmal mit einer populären Serie einen Namen gemacht hat – dessen neue Projekte werden naturgemäß mit Spannung erwartet. Die Duffer-Brüder sind so ein Beispiel. Mit „Stranger Things“ haben sie eine der erfolgreichsten Netflix-Serien geschaffen. Jetzt legen sie direkt eine neue Serie nach, bei der sie zwar „nur“ als Produzenten beteiligt waren, aber immerhin. Vielleicht steckt da ja direkt ein nächster großer Hit drin?
Monsterjagd im Rentnerparadies
Schauplatz von „The Boroughs“, so der Titel der neuen Serie, ist eine Rentner-Stadt mitten in der Wüste, eine Art Disneyland für ältere Menschen mit Fertighäusern, Golfplätzen, Läden und Notfallambulanz. So etwas gibt es in den USA tatsächlich.
Neuankömmling Sam Cooper ist das alles zuwider. Er ist gerade Witwer geworden und wird von seiner Tochter im vermeintlichen Rentnerparadies einquartiert – gegen seinen Willen. Schnell merkt er, dass hier etwas nicht stimmt. Und so macht er sich zusammen mit seinen Nachbarn auf Spurensuche … nach Monstern.
Diese Monster verstecken sich gut in „The Boroughs“. Dass es sie gibt, ist – keine Angst, das ist kein Spoiler – schon ab der ersten Szene der Serie klar. Die insektenähnlichen Ungeheuer kommen, wenn es dunkel wird, und überraschen die Rentner im Schlaf. Was dahintersteckt, was sie wollen und wer sie steuert – diese Fragen treiben die Serie und den Ü60-Clan voran.
Zu sehr Kulisse, um an „Stranger Things“ ranzukommen
Tatsächlich kommt bei dieser Monster-Schnitzeljagd immer wieder ein „Stranger-Things“-Feeling auf. Rätselhafte Symbole, neonfarbene Lichter und der immer wieder komisch gebrochene Horror sind der Grund dafür, dass man an die Erfolgsserie der Duffer-Brothers denkt. Statt Teenager ermitteln hier Rentner, denen keiner glaubt. Männer und Frauen mit Stock und Hörgerät als Protagonisten – das ist mutig und funktioniert. Der Ü60-Trupp hat durchaus Charme, Witz und Gruselpotenzial.
Die Story steigert sich nach und nach, immer wieder tauchen neue Hinweise auf, bis die Verschwörung aufgelöst ist. An manchen Stellen ist das Ganze etwas vorhersehbar. Was „The Boroughs“ aber letztlich wirklich fehlt, um ein neues „Stranger Things“ zu sein, ist die besondere Atmosphäre, die uns in der Kleinstadt Hawkins zu Mitbewohnern gemacht hat. Etwa, wenn die Kids beim Pen-and-Paper-Spiel „Dungeons & Dragons“ mitfiebern oder auf ihren BMX-Rädern durch die Straßen fegen.
„The Boroughs“ bleibt als Ort nur Kulisse. Abstrakt, klinisch-kühl. Keine Bingo-Abende, keine Wassergymnastik, kein Hole-in-one. Man hört nur davon, ist aber nicht dabei. Das ist der große Makel der Serie. Und letztlich auch der Grund, wieso „The Boroughs“ einen nie so richtig in seinen Bann zieht. Schade eigentlich!

