Der Großteil von Obst, Gemüse und anderen Lebensmitteln landet in Privathaushalten im Müll. Jeder Bundesbürger verschwendete laut Zahlen des Bundesernährungsministeriums zuletzt 74,5 Kilogramm pro Jahr.
Chance für Lebensmittelretter
Hotels, Restaurants und Handel kommen zusammen auf rund ein Drittel der 10 Millionen Tonnen jedes Jahr weggeworfener Lebensmittel: zusammen immerhin fast drei Millionen Tonnen. Hier setzen inzwischen kommerzielle Lebensmittelretter mit ihrem Geschäftsmodell an, etwa das in Dänemark gegründete Unternehmen To Good To Go.
Ob das auch etwas für Sie sein könnte, klärt der Bayern-1-Podcast „Besser leben“ in seiner Folge Too Good To Go-App: Lohnt sich die für mich? (Link zu ARD Sounds).
Mit Überraschungstüten Geld und Co2 sparen
Mit der gleichnamigen App versucht das Unternehmen Lebensmittel, die in Hotels und Handel im Müll landen würden, an Kunden zu bringen. So können etwa im Supermarkt für den Abend Überraschungstüten reserviert werden. Was da drin ist, erfährt der Kunde erst beim Abholen. Was er aber weiß: Er kann bis zu 70 Prozent Geld sparen.
Was tun mit 20 Stangen Schwarzwurzeln?
Von den Kunden erfordert das auch kulinarische Flexibilität. In einer Tüte mit Obst und Gemüse können 20 Stangen Schwarzwurzeln stecken. Da sind Kochkünste gefordert. Wer eine Tüte aus der Kühltheke bestellt, kann von Putenschnitzel bis Sojaburger alles erhalten – je nachdem, was der Verkäufer in die Tüten steckt.
Konkurrenz für ehrenamtliche Tafeln?
Laut To Good To Go wurden in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland in 80 Millionen Überraschungstüten Lebensmittel gerettet – und damit entsprechend auch CO2 und Ressourcen eingespart. Die App breitet sich weiter aus.
Auch weitere kommerzielle Lebensmittelretter sind inzwischen vor allem in Städten am Start. Sie greifen auf dieselben Supermärkte und Discounter zu, auf die auch die ehrenamtlichen Helfer der Tafeln angewiesen sind. Die verteilen die geretteten Lebensmittel an Bedürftige.
In Bayern kein Kampf der Lebensmittelretter
In Berlin sorgt das inzwischen tatsächlich bereits für Probleme, in Bayern dagegen noch nicht, so Peter Zilles. Er ist der Vorsitzende der bayerischen Tafeln. Er verweist darauf, dass die Tafeln jährlich rund 300.000 Tonnen Lebensmittel retten. Gemessen an den zehn Millionen Tonnen Lebensmitteln, die jährlich in Deutschland weggeworfen werden, sei noch genug für alle da.

