Schon vor dem Iran-Krieg steuerte Deutschland auf einen wirtschaftlichen Kipppunkt zu — so jedenfalls sagen es die vier großen Wirtschaftsverbände BDA, BDI, DIHK und ZDH. Dann kam der Krieg, und mit ihm der Ölpreisschock. Vorher lag der Preis bei knapp 60 US-Dollar pro Barrel, zwischenzeitlich näherte er sich 120 Dollar an.
Teures Öl bedeutet teureren Diesel, teurere Transporte, teurere Lebensmittel. „Es ist auf jeden Fall ein erheblicher Angebotsschock“, sagt Energiewirtschaftsprofessor Christoph Weber im BR24-Interview für „Possoch klärt“. „Nach einigen Monaten würde das die Weltwirtschaft vor erhebliche Herausforderungen stellen.“
Das Kartenhaus wackelt
Das eigentliche Risiko liegt tiefer. Die globale Verschuldung hat historische Ausmaße erreicht – allein die USA stehen mit 39 Billionen Dollar in der Kreide. Wallstreet-Ökonom Ed Yardeni schätzt die Wahrscheinlichkeit eines US-Wirtschaftseinbruchs auf 35 Prozent [externer Link]. Hedgefonds-Manager Ray Dalio sieht die Welt in der fünften Phase seines „Big Cycle“ [externer Link] – kurz vor dem großen Zusammenbruch, gekennzeichnet durch explodierende Staatsverschuldung, wachsende Ungleichheit und Großmachtkonflikte.
Weber warnt: „Manchmal führt ein kleinerer äußerer Anlass dazu, dass eine Stimmung an den Börsen kippt – und wenn sie kippt, kann sich das selbst verstärken.“ Einen Crash hält er für möglich, aber nicht für zwingend. Wie dramatisch es wird, hängt vor allem davon ab, wie schnell der Iran-Krieg – oder zumindest die Blockade der Straße von Hormus – endet. Und wie viel von der Ölinfrastruktur am Persischen Golf bis dahin noch übrig ist.

