Die BayWa ist mit deutlich weniger Umsatz ins neue Jahr gestartet. Der Münchner Agrar- und Handelskonzern erzielte im ersten Quartal 2026 Erlöse von 2,3 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 3,6 Milliarden Euro – ein Rückgang von 35,3 Prozent.
Auf den ersten Blick ist diese Zahl eindeutig negativ. Daher lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn die BayWa schrumpft derzeit bewusst. Der Konzern verkauft Beteiligungen, trennt sich von Geschäftsbereichen und nimmt geringere Umsätze in Kauf, um Schulden abzubauen. Allein die inzwischen verkaufte österreichische Raiffeisen Ware Austria hatte im Vorjahresquartal noch gut 807 Millionen Euro zum Umsatz beigetragen.
Auch andere Faktoren drücken die Zahlen
Gleichzeitig ist der Umsatzrückgang nicht nur Ergebnis des Sanierungsplans. Das Unternehmen verweist auch auf schlechtes Wetter, die schwache Baukonjunktur und eine Verunsicherung aufseiten der Kunden. Der Konzern beklagt sich offen darüber, dass die Berichterstattung über die schwierige Geschäftslage des Tochterunternehmens BayWa r.e., das sich auf erneuerbare Energien spezialisiert hat, dazu geführt habe, dass viele Geschäftspartner ihre Investitionen zurückgefahren hätten. Zu allem Überfluss hätten geopolitische Spannungen und der seit Ende Februar laufende Iran-Krieg die Agrar- und Baustoffbranche durch höhere Preise für Diesel, Düngemittel und petrochemische Produkte zusätzlich belastet.
Der Vorstand verbreitet Optimismus
Operativ sieht sich die BayWa dennoch im Plan. Finanzvorstand Matthias Rapp erklärte, das Quartalsergebnis läge über den Vorgaben des Sanierungsplans und klar über dem Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig habe die Liquidität einen soliden Stand erreicht. Konkrete Zahlen zu Gewinn oder Verlust bleibt der Konzern jedoch schuldig. Wegen der laufenden Überarbeitung des Sanierungskonzepts konzentriere man sich vor allem auf die Umsatzerlöse, so das Argument. Doch genau darin liegt der kritische Punkt. Die neuen Zahlen zeigen zwar, dass das operative Geschäft weiterläuft. Sie beantworten aber nicht die zentrale Frage, ob der Sanierungsplan tatsächlich noch trägt.
Schwerste Krise in über 100 Jahren BayWa
Die BayWa befindet sich seit Sommer 2024 in der schwersten Krise ihrer Unternehmensgeschichte. Nach einer langen durch Kredite finanzierten Expansion trafen hohe Schulden auf stark gestiegene Zinsen und schwächere Märkte. Kritiker werfen dem Konzern vor, durch die Expansionen das Kerngeschäft aus den Augen verloren zu haben.
Seitdem hat der Konzern mit Hilfe eines radikalen Kurswechsels bereits wichtige Schritte geschafft. Durch Verkäufe von Beteiligungen, darunter RWA, Unser Lagerhaus, die BayWa Energie Dienstleistungs GmbH und zuletzt Cefetra wurden die Schulden nach Unternehmensangaben um rund 1,3 Milliarden Euro gesenkt. Allein der Verkauf des niederländischen Agrargroßhändlers Cefetra brachte 125 Millionen Euro.
Die Sanierung stockt an entscheidender Stelle
Doch der wichtigste Sanierungsbaustein bleibt unsicher. Ursprünglich wollte der Konzern durch den Verkauf der Erneuerbare-Energien-Tochter BayWa r.e. rund 1,7 Milliarden Euro einnehmen. Mittlerweile rechnet BayWa mit einer niedrigeren Summe.
Grund seien deutlich schlechtere Marktbedingungen für Wind- und Solarprojekte in Europa und den USA. Das Unternehmen BayWa r.e. wirtschafte zwar profitabel, aber mit geringeren Ergebnissen als bisher prognostiziert. Deshalb muss die BayWa ihr Sanierungskonzept erneut überarbeiten.
Halten die Banken weiter still?
Mit den finanzierenden Banken wurde eine Standstill-Vereinbarung bis Herbst 2026 abgeschlossen, also ein vorübergehender Verzicht auf eine Schuldentilgung. Sie soll Zeit geben, den Plan neu zu verhandeln. Zuletzt stand außerdem ein möglicher Gläubigerverzicht von rund einer Milliarde Euro im Raum. Bestätigt ist das nicht. Restrukturierungsvorstand Michael Baur hielt sich hier zu bedeckt und kündigte anlässlich der Vorstellung des Quartalsberichts an, das bisherige Sanierungskonzept „mit der gebotenen Sorgfalt“ anzupassen.
Damit bleibt die Lage zwiespältig. Anders als im Sommer 2024 befindet sich die BayWa derzeit nicht mehr im freien Fall. Sie verkauft Vermögen, senkt Schulden und schrumpft planmäßig. Und auch aufseiten des viel kritisierten Aufsichtsrats hat sich etwas bewegt. Aber saniert ist das Traditionsunternehmen damit noch lange nicht. Es fehlen weiterhin wichtige Milliarden und solange unklar bleibt, wie das BayWa-r.e.-Loch geschlossen wird, bleibt die Zukunft des Traditionskonzerns offen.

