50 Tage nach dem Ostersonntag feiern Christen Pfingsten. Von der Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Jünger Jesu erzählt die Bibel in der Apostelgeschichte. Die Pfingstszene gilt in der Theologie als Geburtsstunde der Kirche. Der Name Pfingsten leitet sich ab vom griechischen Ausdruck „pentecoste haemera“ – der 50. Tag. Gemeint ist der 50. Tag der Osterzeit, die mit Pfingsten offiziell endet.
Der zugrundeliegende Bibeltext schildert das Herabkommen des Heiligen Geistes in Form eines „Brausens“ – wie ein „heftiger Sturm“ und „Zungen wie von Feuer“, die sich auf den versammelten Jüngern niedergelassen haben sollen. Vom göttlichen Geist inspiriert, predigten die Jünger demnach in fremden Sprachen und obwohl die Umstehenden verschiede Nationalitäten und Muttersprachen hatten, sollen die Jünger von jedem in seiner eigenen Sprache gehört und verstanden worden sein.
Der Heilige Geist hat viele Gesichter: Flamme, Taube, Wind
Bis heute ist die Flamme in der christlichen Kunst ein häufiges Symbol für den Heiligen Geist, oft in Verbindung mit einer Taube, die in einer weiteren biblischen Schlüsselszene den Geist verkörpert: bei der Taufe Jesu im Jordan. An anderen Stellen der Bibel wird der Heilige Geist als Windhauch beschrieben.
In manchen Gegenden Deutschlands werden in Anlehnung an die Feuerzungen Pfingstfeuer entfacht, teilweise wird in Kirchen symbolisch eine hölzerne Taube von der Decke herabgelassen.
Gemeindereferentin Veronika Bürker ist beim Erzbistum München und Freising zuständig für den Bereich Kinderpastoral und schult Ehrenamtliche im Gestalten von Kindergottesdiensten. Der Heilige Geist sei tatsächlich nicht ganz einfach zu erklären, sagt sie. „Gott ist in den biblischen Geschichten sehr präsent, Jesus noch viel mehr“, so die Gemeindereferentin, beim Heiligen Geist sehe das anders aus. Taube, Wind oder Flamme als Symbol, das sei Kindern im Grundschulalter oft zu abstrakt.
Gemeindereferentin: Der Heilige Geist als „Vorher-nachher-Effekt“
Ihnen erklärt die Gemeindereferentin die Pfingsterzählung am liebsten mit einer Art Vorher-nachher-Effekt. Vor der Ausgießung des Heiligen Geists seien Jesu Jünger bedrückt gewesen über die Kreuzigung, zurückgezogen und unsicher, ob sie mit Jesus auf dem richtigen Weg seien. „Und dann nachher dieses: Wir reißen alle Türen auf, wir reden von dem, was wir erzählt haben, diese Kraft der Begeisterung“, das könnten auch Kinder nachvollziehen, sagt Veronika Bürker. „Dazwischen muss irgendetwas gewesen sein, das wir aber eben nur schwer beschreiben können.“
Auch erwachsene Gläubige schildern der Gemeindereferentin solche Erfahrungen. Etwa dann, wenn Angehörige in Trauergesprächen erzählten, dass ihr Glaube eine seelische Ressource für sie sei. Die wenigsten sprechen wörtlich vom „Heiligen Geist“, sagt Veronika Bürker. Sie beschreiben aber persönliche Be-geisterungserlebnisse: „Momente im Leben, wo man sagt, ich kann’s mir nicht beschreiben, aber da hab ich gespürt, dass mir Gott nah ist und dass sich plötzlich wieder etwas bewegt in meinem Leben und es weitergeht.“
Regionales Brauchtum: Prozessionen, Ochsenbraten, Pfingstochse
Nicht biblisch begründet ist übrigens der Pfingstochse, der in manchen Regionen mit Bändern, Blumen und Stroh geschmückt Prozessionen anführt und im Anschluss geschlachtet wird. Mit der Erzählung der Bibel hat das nichts zu tun, sondern eher mit Frühjahrsbräuchen aus der Landwirtschaft wie dem ersten Auftrieb des Viehs auf die Weide. Als sprichwörtlicher „Pfingstochse“ gilt vor allem in Bayern, wer am Morgen besonders spät aufgestanden ist oder wer sein Outfit übertrieben ausstaffiert.
Der Pfingstmontag ist ein historisches Überbleibsel, denn seit dem Mittelalter wurden alle hohen christlichen Feste nicht nur als Feiertag begangen, sondern mit einer ganzen Oktav, also einer Festwoche. In Deutschland und den meisten anderen europäischen Ländern ist auch der Pfingstmontag ein gesetzlicher Feiertag. In Italien gilt das nur für Südtirol.
Pfingstmontag – zweiter Feiertag immer wieder in Frage gestellt
Allerdings gerät hierzulande der arbeitsfreie Pfingstmontag neben dem Ostermontag oder dem zweiten Weihnachtsfeiertag immer wieder in die Diskussion, wenn es um die mögliche Einsparung eines Feiertags zugunsten der Konjunktur geht. So bekräftigten etwa die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft oder das Institut der deutschen Wirtschaft zuletzt, dass ein eingesparter Feiertag das Bruttoinlandsprodukt um 8,6 Milliarden Euro erhöhen könnte.
Bei Umfragen im vergangenen Jahr lehnte die Mehrheit der Befragten die Idee, einen Feiertag abzuschaffen, jedoch ab. Auch Kirchen, Gewerkschaften und Teile der Unionsparteien sind gegen die Idee.

