Wie es sich für eine James-Bond-Story gehört, geht die Action im Videospiel „007 First Light“ sofort los. Allerdings laufen die Dinge schnell aus dem Ruder: Die Helikopter mit britischen Spezialtruppen werden auf dem Weg zu einer geheimen „Extraktion“ über See abgeschossen.
Erfolg in der ersten Mission
Nur eine (unsere) Figur überlebt, ein zunächst namenloses Mitglied der Helikopterbesatzung, das es angeschlagen ans Ufer schafft. Mit seinem Funkgerät versucht der Soldat, Verbindung aufzunehmen. Und das ist der Moment, in dem klar ist, mit wem wir es da zu tun haben: „What’s your name, soldier? – Bond!“
Aus der Not macht der MI6 eine Tugend. Weil Bond schlicht der Einzige ist, der überlebt hat, wird er gebeten, die Situation auszuspähen. Das lässt sich dieser nicht zweimal sagen. Noch ohne Martini, aber bereits hochmotiviert, sprengt er das Lager der Terroristen und befreit einige Wissenschaftler. Damit verdient er sich nicht nur ein Jobangebot des MI6, sondern auch einen eigenen James Bond-Titelsong („First Light“). Popstar Lana Del Rey (40) hat sich dafür extra mit dem langjährigen Bond-Filmkomponisten David Arnold zusammengetan.
Agent in Ausbildung
Das Game begleitet den jungen Soldaten James Bond also auf seinem Weg, der legendäre Doppelnull-Agent zu werden. Seine Ausbildung gibt uns Gelegenheit, die vielen Nahkampf-Tricks und technischen Spielereien des Geheimdienstes seiner Majestät kennenzulernen. Und wir treffen die anderen jungen Agenten des gerade frisch wieder aufgesetzten 00-Programms. Durch die Dialoge und kleinen Abenteuer mit den Co-Rekruten erfährt man Empfindliches über den Charakter des neuen Bond.
Der schmollt zum Beispiel, weil er bei einer kleinen Operation nur den Fahrer spielen darf. Das sind Charakterzüge, die man bei Bond so noch nie gesehen hat. Und wann, wenn nicht jetzt, wäre die Gelegenheit günstig, den berühmtesten aller Geheimagenten neu zu entwerfen.
Dieses Game füllt eine Lücke
Der letzte Bond-Film („No Time To Die“) mit Daniel Craig lief 2021. Das letzte Bond-Game kam 2012 auf den Markt. Im Kino wird der nächste Bond frühestens 2028 zu sehen sein, und die Hauptrolle ist nach wie vor nicht besetzt. Das dänische Spielentwicklungsstudio IO Interactive sah deshalb die Chance, hier eine ganz neue Bond-Storyline zu erschaffen, die durch die Umsetzung als Spiel sogar noch gewinnt.
Der junge Bond aus „007 First Light“ ist eine neue Interpretation des alten Stoffes. Und die seit 60 Jahren leidenschaftlich geführte Debatte, welcher Bond der coolere, spannendere, witzigere, kurz: beste war und ist, kann hier gut anschließen. Allerdings ist dieser junge, etwas ungeschliffene James Bond auch noch ein wenig eine Leerstelle. Oder anders gesagt: Er ist noch formbar.
Welcher 007 wollen wir sein?
Am Ende sind wir es, die durch Spielentscheidungen bestimmen, ob dieser Rekrut am Ende zu jenem 007 wird, dessen Martini stets geschüttelt sein muss, oder die Version, die dem Gegenüber die Martiniflasche lieber über den Schädel zieht. Was die „klassischen“ Bonds und den neuen auf jeden Fall verbindet, sind trockener Humor, Stilsicherheit und viele Details, in die die Entwickler viel Mühe gesteckt haben.
Insgesamt ist „007 First Light“ eine lohnenswerte Spielerfahrung: eine klassische Spionage-Operette mit zünftigen Verfolgungsjagden im Aston Martin, knackigen Schießereien, Faustkämpfen, riesigen Explosionen und aberwitzigen Stunts. Aber auch mit vielen wunderschönen, detailverliebten Locations in der ganzen Welt, extravaganten Bösewichten und zwar ausschließlich englischen, aber immer gewitzten Dialogen.

