Ist der frühere Glanz der Münchner Bavaria-Filmstudios verblichen? Immerhin reicht die durchaus ruhmreiche Geschichte zurück bis 1919, und durch die Bavaria-Filmstadt mit den Kulissen legendärer Filme wie „Das Boot“ wurde der Standort sehr populär.
Inzwischen ist allerdings von einem „deutlichen Auftragsrückgang“ die Rede und „nicht mehr wettbewerbskonformen“ Strukturen. Der Umsatz stagnierte im vergangenen Jahr auf Basis vorläufiger Zahlen bei 308 Millionen Euro, wie Bavaria Film dem BR bestätigte. Die Gesellschafter, darunter Tochtergesellschaften von WDR, SWR und MDR auch die Bavaria Filmkunst GmbH, über die der BR mittelbar beteiligt ist, mussten sich demnach mit einem vergleichsweise mageren Gewinn von acht Millionen Euro zufriedengeben.
Das laufende Jahr bleibe eine „Herausforderung“, so das Unternehmen, aber für das kommende Jahr 2027 sei man durchaus „positiv gestimmt“. Möglicherweise trägt dazu die diesjährige Reform der Filmförderung mit bei.
„Auslastung der Studios ausbaufähig“
Geschäftsführer Christian Franckenstein verkündete vor einigen Tagen eine lang diskutierte Aufspaltung des Unternehmens, dessen „komplexe Struktur“ vielfach beklagt worden war, wobei von einem längeren „Transformationsprozess“ die Rede ist, es also noch keinen konkreten Stichtag gibt.
Die Entscheidung wurde als „historische Zäsur“ bezeichnet. Künftig sollen die Immobilien und der Studiobetrieb in Grünwald bei München sowie die eigentliche Film- und TV-Produktion in zwei unabhängigen Unternehmen zusammengefasst werden. Bavaria-Managerin Julia Reuter erhofft sich nach Angaben der „Süddeutschen Zeitung“ [externer Link; möglicherweise Bezahlinhalt] mehr Effizienz und will die Produktion „klarer fokussieren“: „Komplexität frisst Kreativität.“
Für die Immobilien sucht Christian Franckenstein nach eigenen Angaben neue Geldgeber. Ein Makler soll sich darum kümmern. Es gehe darum, den Medienstandort zu erhalten. Münchner Medien spekulieren seit langem über einen möglichen Einstieg von Netflix [externer Link; möglicherweise Bezahlinhalt], freilich ohne dass bisher ein konkretes Interesse bekannt geworden wäre.
Bereits vor einem Jahr hatte Franckenstein über die dürren Gewinne und ein „defensives Nachfrageverhalten unserer langjährigen Auftraggeber“ geklagt [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt]: „Die berechtigten Rentabilitätserwartungen unserer Gesellschafter erfordern verlässlich ein deutlich höheres Ergebnisniveau.“ Leider gingen viele Produktionen wegen der niedrigeren Kosten und diverser Steueranreize ins Ausland: „In der Folge ist die Auslastung unserer Studios bezogen auf fiktionale Produktionen deutlich ausbaufähig.“
„Das alles ist schwer“
In Feierlaune sind die deutschen Film- und TV-Produzenten derzeit nicht. Michelle Müntefering, Chefin des Branchenverbands „Produktionsallianz“ hatte kürzlich einen „Dominoeffekt“ befürchtet [externer Link], nachdem der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) angekündigt hatte, drei Jahre lang keine neuen „Tatorte“ und „Polizeiruf 110“-Folgen in Auftrag zu geben.
„Für Mitteldeutschland wären die Folgen eines Produktionsstopps erheblich, denn sie bedeuten den Abbau von Produktionsstrukturen und den dauerhaften Verlust tausender Arbeitsplätze. Zahlreiche mittelständische Unternehmen in der Region wären davon betroffen. Die geplante Aussetzung ist auch deswegen die falsche Entscheidung“, so Müntefering.
Der MDR hatte von einer „schmerzhaften Entscheidung“ gesprochen: „Wir haben vor, nach der Pause wieder neue zu drehen“, hatte Unternehmenssprecher Michael Naumann betont [externer Link]: „Das alles ist schwer und bedeutet Einschnitte für Kolleginnen und Kollegen.“
Weimer: „Wir brauchen mehr Blockbuster“
Wirtschaftlich schwierige Jahre hat auch das traditionsreiche Studio Babelsberg in Potsdam hinter sich. Inzwischen habe man dort allerdings wieder operativ und wirtschaftlich eine „klare Perspektive“, sagte Vorstandsvorsitzender Jörg Bachmaier [externer Link] im vergangenen Februar am Rande der Berlinale, wie der rbb damals berichtete: „Nach mehreren herausfordernden Jahren ist Studio Babelsberg derzeit wieder voll ausgelastet. Bei uns fahren die Trucks ein und aus.“
Das Unternehmen habe sich nach einer tiefgreifenden Krise wegen scharfer Konkurrenz aus Osteuropa und rückläufiger Produktionsniveaus mittlerweile „breiter aufgestellt“. Aktuell werden drei internationale Serien für Streamingdienste produziert, unter anderem „The Boys from Brazil“ für Netflix, besetzt mit prominenten deutschen Schauspielern wie Daniel Brühl und August Diehl.
Außerdem verdoppelte die Bundesregierung in diesem Jahr die Filmförderung auf 250 Millionen Euro, was als „Neustart“ bezeichnet wurde [externer Link]. „Wir brauchen mehr Blockbuster und Serienhits made in Germany“, hatte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer gefordert: „Diese neue Planbarkeit ist das stärkste Signal an deutsche und internationale Produzenten: Drehs in Deutschland lohnen sich.“

