Nachdem diesen Mittwoch in der Verwaltung der Postbank schon gestreikt wird, trifft der Protest ab Donnerstag auch die Filialen und Callcenter. Der Protest wird auch auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank in Frankfurt zu hören sein. Streikende Beschäftigte reisen zur Demonstration vor der Messehalle. Die Postbank ist nämlich eine hundertprozentige Tochter von Deutschlands größtem Geldhaus. Dort gilt aber ein eigener Tarifvertrag für bundesweit noch rund 9.000 Beschäftigte.
Warnstreik mit Folgen auch für Briefe und Pakete
Wer sich zwischen Donnerstag und Samstag als Kunde bei der Postbank um seine Geldgeschäfte kümmern will, könnte vor verschlossenen Türen stehen oder muss sich auf längere Warteschlagen einstellen. Verdi ruft auch in Bayern zum Warnstreik in den 60 Filialen im Freistaat auf. Über die Hälfte davon dürften betroffen sein, so die Gewerkschaft. Und das wiederum trifft auch Kunden der Post. Die bietet noch in einem Drittel der Bankfilialen ihre Dienste rund um Briefe, Päckchen und Pakete an.
Die Postbank kann allerdings gegensteuern. So sind noch etwa 30 Prozent der Beschäftigten verbeamtet. Sie dürfen daher nicht streiken. Dass der Warnstreik trotzdem Folgen haben wird, schließt auch das Geldhaus auf Nachfrage von BR24 nicht aus. Serviceaufträge würden verspätet bearbeitet, das Callcenter sei nur eingeschränkt erreichbar oder Überweisungen blieben erst einmal unbearbeitet liegen. Geld am Automaten abholen sei aber möglich – Online-Banking auch.
Noch kein Tarifkompromiss in Sicht
Beim zweiten Treffen am Verhandlungstisch hat die Postbank ihr Angebot verbessert: Ein Plus von 4,7 Prozent – allerdings nach drei Nullmonaten ohne Steigerung, in zwei Schritten und mit 27 Monaten Laufzeit. Kommentieren will das Geldhaus den Verhandlungsstand ebenso wenig wie die Warnstreiks – so ein Sprecher gegenüber BR24. Die Antwort der Gewerkschaft nach der zweiten Tarifrunde ohne Ergebnis: erneute Warnstreiks. Verdi fordert acht Prozent, mindestens aber 300 Euro mehr im Monat. Das Angebot des Arbeitgebers bedeute Reallohnverlust, so die Gewerkschaft. Weiterverhandelt wird am 15. Juni in Frankfurt.
Zukunftssorgen der Beschäftigten
Was Verdi auch durchsetzen will, sind sichere Arbeitsplätze und eine Standortgarantie. Da schwingt die Angst davor mit, dass die Konzernmutter Deutsche Bank ihre Tochter Postbank vielleicht irgendwann einmal doch noch abwickelt. Wie andere Geldhäuser auch will die Postbank weiter Filialen schließen. Die Post steigt aus und betreibt ihre Dienste künftig nur noch in eigenen Filialen oder Agenturen.
Beschäftigte der Postbank müssen vom Post- auf das Bankgeschäft umgeschult werden. Verdi fürchtet zudem um die Standorte München und Nürnberg, wo noch das sogenannte „back-office“ erledigt wird, also zum Beispiel das Bearbeiten von Konten oder Überweisungen. Noch sind dort laut Verdi fast 5.000 Mitarbeitende beschäftigt, bei den Filialen in ganz Bayern etwa 800.

