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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Yad Vashem: Große Zustimmung zu geplanter Außenstelle in München
Kultur

Yad Vashem: Große Zustimmung zu geplanter Außenstelle in München

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 29. Mai 2026 17:47
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Sie sei gerührt, sagt Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. „Ich freue mich sehr“, dass die Wahl für eine Zweigstelle der weltweit größten Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem auf München gefallen sei. Mit Münchens Geschichte als „Hauptstadt der Bewegung“ – einem Propagandabegriff der Nationalsozialisten – und seiner Gegenwart „als Ort des Erinnerns und Knotenpunkt des jüdischen Lebens in Europa“ biete die Stadt „perfekte Voraussetzungen“.

Inhaltsübersicht
Wahl Münchens hat „tiefe symbolische Bedeutung“Spaenle: „Geste des Vertrauens und eine Verpflichtung“AfD sieht „Symbolpolitik“ statt Kampf gegen „heutigen Antisemitismus“Zweigstelle könne „Folgen von Menschenfeindlichkeit vermitteln“

Die neue Außenstelle sei ein besonders dringlicher Schritt. Das Bildungszentrum werde als „nötiges Gegengewicht zu politischem Extremismus“ gebraucht. Dieser wachse an, „vor allem, aber nicht nur von rechts“, sagt Knobloch. „Judenhass ist ohne Kenntnis der Geschichte nicht beizukommen.“

Wahl Münchens hat „tiefe symbolische Bedeutung“

Wie Yad Vashem bekannt gab, soll ein Bildungs- und Erinnerungszentrum im Umfeld des NS-Dokumentationszentrums am Karolinenplatz in München angesiedelt werden: also im früheren sogenannten „Parteienviertel“ der NSDAP. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nennt es „eine Ehre“. Die Staatsregierung hatte sich zusammen mit Landtag, Stadtrat und Knobloch selbst für München als Standort eingesetzt. Auch NRW und Sachsen hatten sich beworben, in Leipzig soll nun eine Außenstelle des Münchner Hauptstandorts entstehen. „Bayern wird für Yad Vashem ein gutes Zuhause sein“, so Söder.

Die Wahl des Standortes München als Geburtsstätte der NSDAP habe eine „tiefe symbolische Bedeutung“, sagt Dani Dayan, Vorsitzender von Yad Vashem in Jerusalem. Es sei wichtig, „sich dieser Geschichte dort zu stellen, wo sie ihren Anfang nahm“. München wird die erste Zweigstelle von Yad Vashem außerhalb Israels sein. „Es war es klar, dass der erste Ort, den wir für eine erste dauerhafte Bildungsstätte wählen würden, Deutschland sein würde“, so Dayan. „Das Land der Täter.“

Spaenle: „Geste des Vertrauens und eine Verpflichtung“

Auch Münchens Dritte Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) betont die historische Verantwortung der Landeshauptstadt. „Ein lebendiges Gedenken ist für München Teil demokratischer Stadtkultur – und ein Gegengewicht zu wachsendem Antisemitismus und der Relativierung historischer Tatsachen.“

Die geplante Zweigstelle sei „eine Geste des Vertrauens und eine Verpflichtung, sich weiterhin entschieden gegen jede Form von Antisemitismus zu stellen“, sagt Ludwig Spaenle (CSU), Beauftragter der Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus. Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) sagt, das Zentrum werde „bundesweit wirken“ und die bisherige Erinnerungsarbeit stärken: Die Angebote richteten sich nicht nur an Schulen, sondern auch an Zielgruppen wie Polizei, Justiz, Verwaltung, Ehrenamt, Erwachsenbildung.

Für CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek ist die Entscheidung „eine außerordentliche Auszeichnung und zugleich ein Auftrag“. Bayern übernehme Verantwortung für das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, die Stärkung der Demokratie und eine Zukunft ohne Antisemitismus. Das Bildungszentrum werde „Generationen prägen“ und sei eine „Investition in das Herzstück unserer freiheitlichen Gesellschaft“.

AfD sieht „Symbolpolitik“ statt Kampf gegen „heutigen Antisemitismus“

Anders sieht das die AfD: Es gebe in Bayern bereits „eine hinreichende Zahl von Gedenkstätten, um an die Schrecken des Holocaust zu erinnern“, sagt Co-Fraktionschef Ulrich Singer. Es gehe um den Kampf gegen den „heutigen Antisemitismus“ – laut Singer vor allem „ein Ergebnis der ungesteuerten, illegalen Masseneinwanderung“. Statt „Symbolpolitik“ bedürfe es „effektiver Grenzsicherung und der Zurückführung ausländischer Straftäter, Gefährder, Kalifatsanhänger und antisemitischer Hassprediger“.

Ende 2025 hatten sich CSU, Freien Wählern, Grünen und SPD in einem gemeinsamen Antrag für eine Zweigstelle von Yad Vashem in München ausgesprochen. Nur die AfD stimmte dagegen.

Zweigstelle könne „Folgen von Menschenfeindlichkeit vermitteln“

Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzender Grünen, sagt zur gemeinsamen Initiative: „Die Verantwortung für das Erinnern, für jüdisches Leben und für den Kampf gegen Antisemitismus steht über Parteigrenzen.“ Die Entscheidung sei eine „große Ehre“ für Bayern. „Erinnern ist keine Aufgabe der Vergangenheit“, so Schulze. „Es ist ein Auftrag an die Gegenwart.“

Von München aus „startete Adolf Hitler seine NS-Diktatur und später den staatlich organisierten Massenmord an rund sechs Millionen europäischen Jüdinnen und Juden“, sagt FW-Fraktionschef Florian Streibl. Nirgendwo sonst sei eine Bildungseinrichtung „zur Mahnung an die Schrecken des Holocaust und in Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus besser aufgehoben“.

Die bayerische Zweigstelle von Yad Vashem könne „jungen Menschen Wissen über die Shoah und die Folgen von Menschenfeindlichkeit vermitteln“, sagt SPD-Fraktionschef Holger Grießhammer, „gerade in einer Zeit, in der antisemitische Gewalt wieder zunimmt und die letzten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen bald nicht mehr selbst berichten können“.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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