Im Kino läuft heute ein Spielfilm an, der das Thema Pornographie auf sehr eigenwillige Art und Weise angeht: „Truly Naked“ heißt der Film, über den bei seiner Weltpremiere auf der Berlinale im Februar viel diskutiert wurde. Die in den Niederlanden aufgewachsene Regisseurin Muriel d’Ansembourg, erzählt in „Truly Naked“ von einem Teenager, der mit Pornographie groß geworden ist.
Alec ist introvertiert, klug, freundlich und zuvorkommend. Gerade ist er mit seinem Vater von London in eine Kleinstadt gezogen, hier hofft er auf einen Neustart: Die neuen Mitschüler sollen nicht wissen, womit der Vater sein Geld verdient: als Heimpornoproduzent mit sich selbst in der Hauptrolle. Und Alec ist stets dabei: als Kameramann und Cutter der Pornos trägt er zum Einkommen bei, trotzdem wachsen dem Vater die Rechnungen langsam über den Kopf: Das Geschäft bringt nicht genug ein.
Ein Jugendlicher beim Porno-Dreh: als Kameramann
Seinen Sohn lobt er immer wieder: Als Kameramann ist Alec richtig gut, er weiß, worauf es in den Videos ankommt, er macht das seit Jahren, die Darstellerinnen sind wie große Schwestern für ihn, er behandelt sie respektvoll. Doch dann ist da dieses Schulprojekt: Alec soll sich mit Porno-Sucht beschäftigen und weil die Lehrerin auch die weibliche Perspektive abgebildet haben will, arbeitet er schon bald mit der feministisch erzogenen Nina an dem Projekt. Beide sprechen ziemlich offen über das Thema: „Schon mal was von frauenfreundlichen Pornos gehört? – Ja. Guckst du sowas? – Nicht wirklich. Die würde es doch gar nicht geben, wenn normale Pornos nicht so krank wären. – Ich will es selbst rausfinden.“
„Truly Naked“ ist der erste Langfilm der Regisseurin Muriel d’Ansembourg und sie will viel: eine Coming-of-Age-Geschichte inmitten einer Heimpornoszene, dazu eine Vater-Sohn-Beziehung und auch noch ein Sozialdrama. Das wirkt etwas unentschieden, andererseits: Das wahre Leben beschränkt sich auch nicht auf ein Genre. Auch die Figuren sind komplex, der Vater liebevoll, aber auch übergriffig, – gespielt übrigens von Hangover- und Transformer-Star Andrew Howard – die Darstellerinnen voller Illusionen, dass sie an diesem Ort akzeptiert würden, wie sie sind, in Wahrheit geraten auch sie in Situationen, die sie überhaupt nicht wollen, etwa als beim Dreh ein riesiger Oktopus ins Spiel kommt.

