Tippen, fragen, antworten – so kennt man ChatGPT seit dem Start im November 2022. Aber damit könnte bald Schluss sein. OpenAI, die Firma hinter ChatGPT, will das Programm in den kommenden Wochen und Monaten grundlegend umbauen – weg vom reinen Chatbot, hin zu einer sogenannten „Super-App“.
Druck durch Anthropic
Was ist eine „Super-App“ überhaupt? Das Vorbild kommt aus Asien. In China etwa erledigen Hunderte Millionen Menschen über die App WeChat fast ihr gesamtes digitales Leben: chatten, bezahlen, einkaufen, Behördengänge, Taxi rufen. Eine einzige App für alles. In den USA gibt es so etwas bisher nicht – auch Elon Musk versucht seit Jahren erfolglos, seine Plattform X in diese Richtung zu drehen.
Nun hat ausgerechnet OpenAIs größter Konkurrenz es zum ersten Mal geschafft, so etwas Ähnliches wie eine Super-App außerhalb Asiens zu etablieren: Anthropic, die Firma hinter dem Chatbot Claude, hält seit einem halben Jahr mit ihrem Tool „Claude Code“ die KI-Welt in Atem. Ursprünglich wurde Claude Code vor allem für Programmierer und Software-Experten entwickelt, mittlerweile nutzen aber auch Menschen in vielen anderen Berufen Claude Code oder sein etwas zugänglicheres Pendant „Claude Cowork“.
Claude Code und Claude Cowork unterscheiden sich von klassischen Chatbots dadurch, dass sie auch Handlungen auf dem Computer durchführen können: Sie wühlen sich durch Ordner, öffnen Programme und gleichen Daten ab – teilweise größtenteils selbständig. Das kommt mit allerlei Risiken daher – Claude Code kann auch Dateien löschen oder sie an unbeteiligte Dritte weiterschicken –, dennoch ist das Tool für Anthropic mittlerweile ein Riesen-Erfolg.
Codex und ChatGPT
OpenAIs Antwort auf Claude Code heißt bislang „Codex“. Genau auf dieses Werkzeug soll die neue Super-App die Gratis-Nutzer von ChatGPT lenken. So könnten Codex und ChatGPT fusionieren: ChatGPT könnte dann Aufgaben eigenständig übernehmen, also Termine organisieren, eine Reise planen oder komplette Arbeitsabläufe abwickeln.
Die ersten Änderungen sollen schon bald auf der Website und in den Handy-Apps auftauchen. Statt dass man weiß, welche Funktion man gerade braucht, soll das Programm selbst erkennen, was zu einer Aufgabe passt – und Nutzerinnen und Nutzer direkt zu Bildgenerierung, Programmier-Werkzeugen oder Apps von Partnerfirmen lotsen. Mit dabei sind etwa der Design-Dienst Canva und das Reiseportal Booking.com, deren Anwendungen direkt im ChatGPT-Fenster laufen sollen.

