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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Lernen statt Ausbeutung: So findet man eine gute Ausbildung
Wirtschaft

Lernen statt Ausbeutung: So findet man eine gute Ausbildung

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 10. Juni 2026 18:48
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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„Ich bin Friseurin im ersten Lehrjahr. In Zukunft soll ich die Arbeit der Putzfrau übernehmen, da diese in den Urlaub geht.“ Das schreibt eine Auszubildende unter dem Namen Friseursazubi an das Internetportal Dr. Azubi (externer Link) der DGB Jugend. Hier können Azubis ihre Probleme schildern und sich beraten lassen.

Inhaltsübersicht
Großteil der Azubis ist mit der Ausbildung zufriedenPraktikum als beste Möglichkeit, Unternehmen kennenzulernenIm Internet bewerten Azubis ihre FirmaIm Vorfeld möglichst viele Infos über den gewählten Beruf sammelnIm Vorstellungsgespräch konkrete Fragen stellenWenn es nicht klappt – möglichst frühzeitig Hilfe holen

Der Auszubildende ccenk sagt, dass er regelmäßig an sechs Tagen die Woche jeweils zehn bis elf Stunden eingesetzt wird und der Betrieb ihm den Besuch der Berufsschule verweigert, um ihn als Vollzeitkraft einzusetzen. Und ENA, die sich zur medizinischen Fachangestellten ausbilden lässt, beklagt, dass ihr Chef seit zwei Monaten kein Gehalt zahlt und der Betrieb fast nur mit Azubis besetzt ist, die sich alles selbst beibringen müssen.

Großteil der Azubis ist mit der Ausbildung zufrieden

Eins vorweg: Die Mehrheit der Auszubildenden ist zufrieden. So haben im letzten Ausbildungsreport des DGB Bayern (externer Link) 73 Prozent von ihnen ihre Lehre insgesamt positiv bewertet. Mehr als ein Drittel der Befragten muss jedoch Überstunden leisten, teilweise ohne Ausgleich. „Zufriedenheit fällt nicht einfach vom weiß-blauen Himmel. Sie entsteht dort, wo Betreuung funktioniert, Mitbestimmung ernst genommen wird und junge Menschen eine verlässliche Perspektive haben“, meint etwa Anna Gmeiner, die Jugendsekretärin des DGB Bayern.

Praktikum als beste Möglichkeit, Unternehmen kennenzulernen

Aber was können Jugendliche tun, um den Betrieb zu finden, der zu ihnen passt? Am besten sei es, dort vorab ein Praktikum zu absolvieren, sagt die Berufsberaterin der Arbeitsagentur München, Stefanie Rektorschek, im Gespräch mit BR24. Wie sprechen Mitarbeitende mit den Azubis? Werden Fragen ernst genommen, die man als junger Mensch stellt? Wie ist die Stimmung im Team? Hier solle man auf sein Bauchgefühl hören, rät die Expertin. Außerdem können sie dann vor Ort konkrete Fragen zur Ausbildung stellen und herausfinden, ob es feste Ansprechpartner und einen Ausbildungsplan gibt.

Im Internet bewerten Azubis ihre Firma

Einzelne unzufriedene Mitarbeitende gebe es immer, deswegen sei es gut, mit mehreren zu sprechen und sich ein Gesamtbild zu machen. Das gilt auch für Bewertungsportale im Internet (externer Link), in denen Mitarbeitende ihr Unternehmen beurteilen können. Oft kann man die Bewertungen auch nach „Auszubildende:r“ filtern. So erfährt man, wie Azubis die Firma erleben.

Im Vorfeld möglichst viele Infos über den gewählten Beruf sammeln

Dabei darf nicht jeder Betrieb ausbilden, er muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen und wird dann von der jeweiligen Kammer, wie IHK oder Handwerkskammer, als Ausbildungsbetrieb anerkannt. Erst dann würden die Arbeitsagenturen einen Betrieb auch in ihre Jobbörse (externer Link) aufnehmen, so Stefanie Rektorschek.

Um später nicht unzufrieden zu sein, ist es auch wichtig, sich bereits im Vorfeld über einen Beruf und die Ausbildungsinhalte zu informieren. Das kann man zum Beispiel bei den bayerischen Handwerkskammern und ihrem Portal Macher gesucht (externer Link) tun oder auf den Seiten der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern (externer Link). Außerdem gibt es bei den Arbeitsagenturen (externer Link) nützliche Infos, auch das Bundesinstitut für Berufsbildung (externer Link) stellt alle Ausbildungsberufe vor.

Im Vorstellungsgespräch konkrete Fragen stellen

Wenn möglich, sollte man sich den Betrieb vor Ort ansehen, um einen Eindruck zu bekommen. Im Vorstellungsgespräch sollten Bewerber dann konkrete Fragen stellen. Wie läuft die Einarbeitung ab? Welche Abteilungen kann ich bei Ihnen kennenlernen? Gute Betriebe würde man auch daran erkennen, dass sie es super finden, wenn die Jugendlichen im Vorstellungsgespräch selbst Fragen stellen, so Stefanie Rektorschek.

Wenn es nicht klappt – möglichst frühzeitig Hilfe holen

Doch was sollen Azubis tun, wenn sie doch mit der Ausbildung unzufrieden sind und merken, dass es nicht so läuft, wie sie sich das vorstellen? Auf keinen Fall sollten sie die Probleme hinunterschlucken und denken, das geht schon, so Rektorschek. Stattdessen sollten sie Probleme im Betrieb ansprechen, etwa bei der Jugendvertretung, oder sich Hilfe von außen holen. Hier würden Beraterinnen und Berater der Arbeitsagenturen helfen, auch bei den zuständigen Berufskammern gibt es Ansprechpartner.

Sollte der einzige Ausweg ein Wechsel des Betriebes sein, sollten die Jugendlichen am besten parallel eine neue Ausbildungsstelle suchen, um einen direkten Übergang zu gewährleisten und die Berufsschule nicht unterbrechen zu müssen.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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