Als Noname im deutschen Mobilfunkmarkt Fuß zu fassen, ist ziemlich schwierig. Eine der größten Hürden: Man braucht Handy-Masten. Wenn man die nicht selbst hat, muss einen ein Netzbetreiber, wie Telefonica, Deutsche Telekom oder Vodafone huckepack nehmen. Der Chef und Inhaber der österreichischen Handy-Firma Spusu, Franz Pichler, hat nach eigenen Aussagen lange gebohrt und verhandelt, bis ihn am Ende Vodafone auf sein Netz gelassen hat.
Keine Menüroboter in der Hotline
Der Konzern wird sich dabei genau angeschaut haben, ob der Aufwand etwa für komplizierte Verträge mit dem Neuling überhaupt lohnt. Und offenbar wurde ein gewisses Potenzial erkannt. Spusu kommt ziemlich unkonventionell daher. Mit österreichischem Verbal-Charme erklärt einem Franz Pichler, was er anders machen will. Da ist schon mal der Name, der klingt … sagen wir: knuffig. Spusu steht für „Sprich und Surf“.
Wichtig ist dem Unternehmenschef insbesondere ein guter Draht zur Kundschaft. In der Hotline – wobei Pichler den Begriff nicht mag, sondern vom „Serviceteam“ spricht – soll im Durchschnitt nach spätestens zehn Sekunden jemand abheben. Und es meldet sich keine KI, kein Menüroboter, sondern ein Mensch. In einer persönlichen Stichprobe hat es bei uns bei zwei Anrufen tatsächlich nicht einmal fünf Sekunden gedauert.
Sechs Service-Mitarbeiter in Garching
Allerdings muss man, um sich als Kunde anzumelden, auch bei Spusu selbst ein wenig aktiv werden. Die Registrierung und Aktivierung der Sim-Karte läuft übers Internet. Wer Probleme hat, bekommt aber am Telefon Unterstützung von der Hotline. Dort sitzen momentan sechs Personen, am neu eröffneten deutschen Standort in Garching bei München. Falls es mal eng werden sollte, stehen noch sechs weitere Kolleginnen und Kollegen in Wien parat. Das Geld, das die österreichische Firma in seiner Hotline ausgibt, spart es dabei an anderer Stelle.
Keine Software aus China
Provider verkaufen normalerweise nur angemietete Netzkapazitäten weiter. Sie haben deshalb auch nicht viel finanziellen Spielraum. Frank Pichler verweist stolz darauf, dass das bei Spusu anders sei. Man miete zwar von Vodafone den Zugang zu den Sendemasten an. Der Rest, das sogenannte Kernnetz, sei aber eine Eigenentwicklung.
Dazu zählt die gesamte Software, die dafür sorgt, dass sich die Sim-Karte ins Netz einbucht, dass die Gespräche richtige weitergeleitet werden und das am Ende alles sauber abgerechnet wird. Während andere das teuer zukaufen müssten – etwa aus China – habe man bei Spusu mit dem eigenen Kernnetz einen großen Kostenvorteil. Und den steckt man außer in den Service offenbar auch in die Preiskalkulation.
„Spusu zählt zu den Günstigen“
Mit seinen Monatspreisen zwischen knapp 4,90 Euro und 19,90 Euro kann sich das neue Angebot durchaus sehen lassen. Josefine Milosevic, Redakteurin bei der Mobilfunkzeitschrift Connect, hat sich die Tarife angeschaut. Für sie zählt Spusu zu den günstigeren Anbietern. Positiv findet sie vor allem, dass man von Deutschland aus umsonst ins europäische Ausland telefonieren kann und „dass da keine komplizierten Rabattaktionen dahinterstecken“. Andere Wettbewerber locken oft mit attraktiven Preisen, die dann aber beispielsweise nur das erste halbe Jahr der Vertragslaufzeit gelten. Auch dass man bei Spusu in der Schweiz ohne Zusatzkosten zumindest im Internet surfen kann, gibt es so nicht überall.
David gegen viele Goliathe
Spusu ist mit seinem Angebot gerade erst gestartet. Die Technik läuft – zumindest in unserem BR24-Kurztest. Die Frage ist nun, „ob sich das wirtschaftlich skalieren lässt“, wie die Markt-Expertin Josefine Milosevic es formuliert, also, ob die Österreicher das Angebot auf Dauer durchhalten, auch wenn mehr Kunden kommen. Dann müsste die kleine Firma erst einmal genug gute Service-Kräfte finden.
Außerdem tritt man als kleiner David nicht nur gegen einen Goliath an. Neben Vodafone, Telekom und Telefonica mit ihren Billig-Töchtern gibt es etwa Aldi-Talk mit vielen Millionen Kunden. Franz Pichler will es langsam angehen lassen. Eine Million Kunden wäre sein Ziel für die nächsten Jahre. Aber auch die wird die Konkurrenz nicht kampflos hergeben.

