Das Elterngeld soll nach einem Gesetzentwurf von Familienministerin Karin Prien (CDU) künftig nur noch zwölf statt 14 Monate gezahlt werden – und auch nur dann, wenn Mütter und Väter jeweils mindestens drei Monate berufliche Auszeit nehmen. Zugleich soll der monatliche Mindestbetrag nach dem Vorschlag der Ministerin von 300 auf 330 Euro und der Höchstbetrag von 1.800 auf 1.900 Euro angehoben werden.
Eine Sprecherin des Familienministeriums bestätigte der Deutschen Presse-Agentur entsprechende Informationen des Portals „Politico“. Der Gesetzentwurf sei aber noch in der Ressortabstimmung.
Minimum drei Monate pro Elternteil, insgesamt zwölf
„Politico“ zitierte aus der Vorlage: „Drei Monate sind zukünftig für jedes Elternteil reserviert. Sechs weitere Monate können zwischen den Eltern flexibel aufgeteilt werden.“ Alleinerziehende könnten bis zu zwölf Monate volles Elterngeld erhalten.
Bisher gilt: Es wird bis zu 14 Monate gezahlt, wenn jedes Elternteil mindestens zwei Monate Betreuungszeit übernimmt. Die Einkommensgrenze liegt für Geburten ab dem 1. April 2025 bei 175.000 Euro. Im laufenden Jahr plant der Bund rund 7,5 Milliarden Euro für die Leistung ein. Eingeführt wurde das Elterngeld 2007, um Paare zum Nachwuchs zu ermutigen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern.
Klausel zum Mutterschutz
Der Gesetzentwurf beinhalte auch eine Änderung des Mutterschutzgesetzes, hieß es bei „Politico“ weiter. „Mit der Neuregelung werden arbeitszeitliche Beschäftigungsverbote auf zwölf Monate nach der Entbindung eingeschränkt“, heiße es im Gesetzentwurf.
Familienministerin Prien muss sparen
Prien soll im nächsten Jahr 500 Millionen Euro in ihrem Etat einsparen. Schon vor einigen Wochen hatte sie gesagt, sie wolle die Einkommensgrenze für das Elterngeld nicht antasten und denke darüber nach, die Mindest- und Höchstbeträge für die Zahlung zu erhöhen. Sie deutete damals bereits an, dass die Leistung kürzer gezahlt werden könnte und Väter stärker herangezogen werden könnten.
Im Koalitionsvertrag hatten sich Union und SPD darauf geeinigt, das Elterngeld weiterzuentwickeln, „indem wir mehr Anreize für mehr Partnerschaftlichkeit, insbesondere mehr Väterbeteiligung in alleiniger Verantwortung setzen“.
Wie wird sich das auswirken?
Der Deutsche Frauenrat sieht die Kürzungen im Etat des Familienministeriums kritisch. Dieser werde im kommenden Jahr um acht Prozent schrumpfen, bis 2029 sogar um bis zu ein Fünftel, warnt die Vorsitzende Beate von Miquel. Gespart werde ausgerechnet bei der beliebtesten familienpolitischen Leistung, dem Elterngeld. „Die Bundesregierung hat jungen Menschen im Koalitionsvertrag versprochen, ihre Familienplanung mit einer verbesserten Leistung zu stärken“, erklärte von Miquel. „Nun soll im nächsten Jahr allein hier eine halbe Milliarde eingespart werden. Mütter werden diese Kürzungen zulasten der eigenen Berufstätigkeit kompensieren.“
Auch das Zukunftsforum Familie warnt vor Kürzungen beim Elterngeld. Stattdessen solle der Mindestbetrag auf 506 Euro angehoben und anschließend „dynamisiert“ werden, erklärte der Verband. Zudem kam bereits im Mai Kritik von der SPD.
Was wünschen sich Eltern eigentlich?
In einer 2025 veröffentlichten Umfrage für die Bertelsmann-Stiftung unter 2.500 Menschen sagten 45 Prozent der Frauen und 42 Prozent der Männer, sie hätten beim Elterngeld eigentlich gerne ein „egalitäres Modell“: Jedes Elternteil solle sieben Monate Elternzeit nehmen – bezogen auf die bisher gültige Gesamtdauer von 14 Monaten Elterngeld. Eine solche Aufteilung war wohl im Familienministerium auch einmal im Gespräch, wurde aber dann doch nicht weiter verfolgt. In der Umfrage unterstützten 39 Prozent die bisher übliche Aufteilung der Betreuungszeit von zwölf Monaten für die Mutter und zwei Monaten für den Vater.
Die Autoren der Bertelsmann-Studie kamen zu dem Schluss, dass mehr Vätermonate auch volkswirtschaftlich Sinn ergäben. Demnach wäre zu erwarten, dass Frauen schneller in den Job zurückkehren, was den Fachkräftemangel mindern könnte. Die Eltern wurden auch befragt, was ihnen sonst noch in der Kinderphase helfen würde. Die häufigste Antwort: „Weniger Behördenkram und eine leichtere Antragstellung.“ Das sagten 44 Prozent.
Mit Informationen von dpa und KNA

