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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Netzwelt > Cloud, E-Mails, Zahlungen: Wie Sie Ihre Daten in die EU umziehen
Netzwelt

Cloud, E-Mails, Zahlungen: Wie Sie Ihre Daten in die EU umziehen

Benjamin Lehmann
Zuletzt aktualisert 7. Juli 2026 08:47
Von Benjamin Lehmann
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6 min. Lesezeit
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Microsoft, Google, Apple, Amazon: Europa ist abhängig von den USA. Auch privat wollen immer mehr Menschen ihre Datenhoheit zurück. Nur: Wie aufwändig ist das? Gibt es ausgereifte Alternativen? Und wie fühlt sich so ein Schritt an? Wir haben es ausprobiert:

Inhaltsübersicht
Um welche Daten geht es?Wo finde ich alternative Anbieter aus der EU?Worauf Sie bei der Auswahl achten solltenWie viel Zeit braucht so ein kompletter Daten-Umzug?Wie mache ich so eine Umstellung im Einzelnen?Was bringt das alles, wenn das Betriebssystem von Microsoft, Apple oder Google kommt?

Um welche Daten geht es?

Um digitalen Dienste, die private, sensible Daten aufzeichnen, speichern und auswerten könnten.

Wo finde ich alternative Anbieter aus der EU?

Im Netz und mit den Recherche-Modi aktueller KI-Modelle. Als Einstieg in die Recherche: Auf European Alternatives [externer Link] listet die EU diverse Kategorien und Anbieter. Achten Sie auch auf das Label „EU gehostet“, denn:

Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten

In Frage kommen nur Anbieter mit Firmensitz in der EU oder zumindest Europa, die ihre Daten zudem auf europäischen Servern speichern – und nicht in den hiesigen Rechenzentren der US-Giganten AWS (Amazon) und Azure (Microsoft). Ein weiteres Ausschlusskriterium: Die alternative Lösung sollte nicht auf US-Technologien fußen und damit eine Abhängigkeit durch die Hintertüre schaffen.

Wie viel Zeit braucht so ein kompletter Daten-Umzug?

Tage bis Wochen. Die Recherche ist das eine, die Umstellung und der Umzug von Daten das andere. Tipp: Nur ein Projekt pro Tag oder Woche vornehmen.

Wie mache ich so eine Umstellung im Einzelnen?

1. E-Mail-Adresse

  • Herausforderung: Eine E-Mail-Adresse aufgeben, verknüpfte Dienste und Kontakte umstellen.
  • Stolpersteine: Eine Importfunktion des neuen Anbieters hilft enorm. Exporte sind je nach altem Anbieter und E-Mail-Client kompliziert. Richten Sie bei Ihrem alten Anbieter eine Weiterleitung an die neue E-Mail ein. Im Passwortmanager finden Sie zudem viele Logins mit ihrer alten E-Mail-Adresse.
  • Machbar? Ja. Das zeitintensivste Einzelprojekt.

2. E-Mail-Client

  • Herausforderung: Einen Ersatz zu Outlook, Mail oder Thunderbird finden.
  • Stolpersteine: Als Einzel-Client sind wir mit dem eM Client nur auf eine plattformübergreifende Alternative gestoßen. Ansonsten nur im Verbund mit Plattformen wie Proton.
  • Machbar? Ja, mit Einschränkungen.

3. Messenger

  • Herausforderung: Freunde, Familie, Gruppen von der Alternative überzeugen.
  • Stolpersteine: Gemessen am Bekanntheitsgrad ist Threema die einzige echte Alternative. Wer sich nicht sozial isolieren will, kommt aber nicht um Whatsapp herum.
  • Machbar? Technisch ja, kann Whatsapp im Alltag aber nicht vollständig ersetzen.

4. Cloud-Speicher

  • Herausforderung: Private Fotos und Dokumente in der EU hosten.
  • Stolpersteine: Die eigene Ungeduld beim Umzug.
  • Machbar? Ja.

5. Kalender-Tool

  • Herausforderung: Einen Kalender finden, der mehrere private- und Firmen-Kalender einbinden kann.
  • Stolpersteine: Es gibt kaum Alternativen. Falls Ihr Arbeitgeber auf Outlook setzt, klären Sie vorab, ob und mit welchen Einschränkungen sich dieser Kalender einbinden lässt.
  • Machbar? Ja, mit Einschränkungen.

6. Passwortmanager inkl. Authenticator-Apps

  • Herausforderung: Keine.
  • Stolpersteine: Der menschliche Faktor, der den alten Authenticator löscht, bevor der neue installiert ist. Technische Bugs bei der Übertragung.
  • Machbar? Ja!

7. Social Media

  • Herausforderung: Eine Alternative finden zu Instagram, Tiktok und X.
  • Stolpersteine: Nach individuellem Empfinden. Frei nach Loriot: Ein Leben ohne mag manchem sinnlos scheinen, ist aber möglich.
  • Machbar? Nein, wenn man nicht darauf verzichten will.

8. Zahlungsdienstleister

  • Herausforderung: Paypal ersetzen.
  • Stolpersteine: Die eigene Bank, Amazon-Server und die Verbreitung. Das Vorzeige-EU-Projekt Wero ist noch zu jung, wird nicht von allen Banken angeboten und hostet Daten laut netzpolitik.org auf AWS-Servern [externer Link] – wie auch das etabliertere Klarna. Weitere Anbieter sind noch zu unbekannt, als dass ein Wechsel alltagstauglich wäre. Alternative: Echtzeitüberweisungen. Die aber dauern in der Praxis trotzdem manchmal länger.
  • Machbar? Ja, mit Einschränkungen.

9. Navigations-Apps

  • Herausforderung: Google Maps ersetzen.
  • Stolpersteine: Es gibt ein paar wenige Alternativen, deren Benutzerfläche gewöhnungsbedürftig sind.
  • Machbar? Ja, wenn einen das Design nicht stört.

10. Suchmaschinen und Chatbots

  • Herausforderung: Eine Alternative finden zu Google, ChatGPT und Claude.
  • Stolpersteine: Die Gewohnheit und die Erwartungshaltung. Die bekannteste Alternative Ecosia greift auf Google und Bing zurück. Qwant ist seit Juni 2026 die offizielle Suchmaschine des EU-Parlaments [externer Link], aber noch größtenteils auf den Bing-Index (Microsoft) angewiesen, weil der eigene Index Staan noch nicht alles abdeckt. LeChat ist die europäische Alternative zu den US-Chatbots, kommt aber bei komplexen Aufgaben nicht an sie heran.
  • Machbar? Ja, mit Einschränkungen.

11. Webbrowser

  • Herausforderung: Ohne Chrome, Edge und Safari auskommen.
  • Stolpersteine: Die Browser-Architektur. Noch basieren alle modernen europäischen Alternativen auf der Chromium-Engine von Google oder Gecko von Mozilla. Deren Hintergrund-Komponenten kann man aber teils manuell deaktivieren. Eine echte Alternative könnte Dazr werden. Beobachten.
  • Machbar? Jein, derzeit nur mit Zugeständnissen.

12. Virenschutz

  • Herausforderung: Ein Leben ohne Avira, Norton und McAfee.
  • Stolpersteine: Die Auswahl ist gering, wenn man kompromisslos bleibt.
  • Machbar? Ja.

Was bringt das alles, wenn das Betriebssystem von Microsoft, Apple oder Google kommt?

Auch das Betriebssystem kann man wechseln. Aber es ist der größte Eingriff. Wer ihn scheut, kann mit etwas Aufwand zumindest Dienste wie den Play- oder App-Store umgehen. Und: Der Umstieg bei E-Mails, Cloud, Navigation, Messenger und Co bringt erheblich mehr private Datenhoheit zurück.

 

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Von Benjamin Lehmann
Benjamin Lehmann schreibt für das Ressort Netzwelt der WirtschaftsRundschau. Mit seinem Fachwissen in digitalen Technologien und Internetkultur informiert er über aktuelle Trends und Innovationen und bietet den Lesern wertvolle Einblicke in die digitale Welt.
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