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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Invasive Arten: Probleme mit Waschbär, Ambrosia & Co
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Invasive Arten: Probleme mit Waschbär, Ambrosia & Co

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 16. Juli 2026 09:47
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Mückeneier in Autoreifen, Muscheln in Schiffstanks oder Waschbären aus Pelzzuchten: Durch den globalen Handel gelangen immer wieder fremde Arten nach Europa. Manche davon bleiben dauerhaft, werden invasiv und verursachen ökologische und wirtschaftliche Probleme, wie aktuell die Drüsenameise im Raum Aschaffenburg.

Inhaltsübersicht
Was sind invasive Arten?Gefahren von invasiven ArtenBekämpfung invasiver ArtenVon der Quarantäne zum Management

Schätzungen zufolge kommen jährlich ca. 100 bis 200 gebietsfremde Tier- und Pflanzenarten nach Europa, meist als blinde Passagiere in Frachtcontainern, im Ballastwasser oder im Reisegepäck. Das ist kein neues Phänomen: Seit Europäer im Jahr 1492 Amerika entdeckten, haben sich etwa 12.000 Arten auf dem Kontinent etabliert, davon rund 2.600 in Deutschland.

Was sind invasive Arten?

Als invasiv gelten Arten, die durch menschlichen Einfluss in fremde Regionen gelangen und sich dort massiv vermehren, etwa weil Fressfeinde fehlen. Dann können sie zur Bedrohung für heimische Ökosysteme, Landwirtschaft oder Gesundheit werden.

Nicht alle Arten, die eingeschleppt werden, sind automatisch invasiv. Als Faustregel gilt: Etwa zehn Prozent der gebietsfremden Arten, die in Europa ankommen, überleben hier langfristig. Etwa zehn Prozent von diesen werden wiederum invasiv. Insgesamt wird also eine von 100 ankommenden Tier- und Pflanzenarten invasiv. In Deutschland sind das pro Jahrzehnt ungefähr ein bis zwei Arten.

Gefahren von invasiven Arten

Invasive Arten sorgen in verschiedenen Bereichen für Probleme. Hier einige Beispiele:

  • Der Waschbär frisst unter anderem Eier von seltenen Brutvögeln.
  • Die Tigermücke kann tropische Krankheiten wie Dengue-Fieber auf den Menschen übertragen.
  • Die Pollen der Beifuß-Ambrosie, oft nur Ambrosia genannt, belasten Allergiker stark.
  • Der Japankäfer vermehrt sich schnell und sorgt in Italien und der Schweiz für Ernteeinbußen bei unterschiedlichen Pflanzen.
  • Der Signalkrebs überträgt die tödliche Krebspest auf heimische Arten und frisst Laich bedrohter Fische.

Bekämpfung invasiver Arten

Die beste Strategie gegen invasive Arten ist Prävention: Kontrollen an Flughäfen und Häfen sollen Einschleppungen verhindern. Bei der großen Menge an Flügen und ankommenden Schiffen ist es aber unmöglich, ganz zu verhindern, dass beispielsweise Insekten durch die Kontrolle schlüpfen.

Invasive Arten, die Schaden anrichten, werden unter Quarantäne gestellt. Das bedeutet unter anderem: Funde sind meldepflichtig und werden systematisch erfasst. Pflanzen werden entfernt, Tiere gefangen oder getötet. Ziel ist, die invasive Art auszurotten oder zumindest einzudämmen.

Bernhard Schäfer, Leiter des Instituts für nationale und internationale Angelegenheiten der Pflanzengesundheit im Julius-Kühn-Institut, forscht und berät zur Schädlingsbekämpfung, vor allem bei Arten, die noch nicht fest in Deutschland angekommen sind. Im Fokus stehen dabei Insekten wie der Japankäfer. Zunächst würde man bei diesem milde Maßnahmen anwenden, etwa mit Lockstofffallen Käfer fangen. Befallene Grünlandflächen werden bearbeitet, sodass Larven in der Erde abgetötet werden. Zum Einsatz kommen auch Fadenwürmer (Nematoden), die in der Lage sind, die Engerlinge (Larven) des Japankäfers zu töten, sagt Schäfer: „Im Einzelfall kann es auch mal sein, dass wir sehr gezielt Pflanzenschutzmittel einsetzen, um kleinräumig größeren Schaden zu vermeiden und die weitere Entwicklung der Population zu unterbinden.“ So lässt sich der Japankäfer bislang in Deutschland in Schach halten.

Von der Quarantäne zum Management

Manche invasive Arten werden nicht unter Quarantäne gestellt oder verbreiten sich trotz Quarantäne weiter. Dann gehen die Behörden zum Management der Arten über: Der Waschbär wird zum Beispiel in Deutschland zwar bejagt, verbreitet sich aber weiter. Aufgehalten lässt er sich wohl nicht mehr. Beim Management ist aus Naturschutzsicht vor allem eines wichtig, sagt Helge May vom Naturschutzbund NABU: „Gibt es kleinere Gebiete, wo man sehr seltene Arten hat und wo die Waschbären dann ein zusätzliches Problem bereiten? In diesem kleinen Gebiet guckt man dann vielleicht, dass man mal ein paar Waschbären wegfängt.“

Die Nachverfolgung von invasiven Arten ist eine staatliche Aufgabe. Bürgerinnen und Bürger können aber mithelfen. Gerade bei invasiven Pflanzen oder Insekten gilt: Wenn Ihnen etwas auffällt, machen Sie am besten einige gute Fotos von den betreffenden Exemplaren oder fangen Sie die Insekten ein und informieren Ihren regionalen Pflanzenschutzdienst.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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