Wer sich noch immer fragt, ob Glasfaser denn wirklich nötig ist, der schaue nach Isen, rund 40 Kilometer östlich von München, knapp 6.000 Einwohner. Mitten im Ort die Grund- und Mittelschule. Hier wird gerade umgebaut, das Gebäude wird größer und moderner. Die Klassenzimmer bekommen vernetzte Tafeln – eine Kombination aus Whiteboard und Riesen-Touch-Screen. Konrektor Florian Spirkl startet eines der Geräte und erklärt, wie er es im Unterricht einbaut.
Schule hat endlich genug Bandbreite
Lern-Videos sind in Schulen fester Bestandteil des Unterrichts. Lange Zeit hakte es hier, wenn zu viele Lehrer gleichzeitig streamen wollten. Auch die gesamte Schulverwaltung inklusive Anwesenheitslisten ist auf reibungsloses Internet angewiesen. Glasfaser liefert nun für alle Bedürfnisse endlich genügend Bandbreite. Die Datenrate ist zehnmal so hoch wie zuvor.
Isen kämpft seit sechs Jahre um Glasfaser
Die Schule ist allerdings so etwas wie das Vorzeigeobjekt in Isen. Das Rathaus etwa ist noch immer auf alte DSL-Leitungen angewiesen – so wie ungefähr zwei Drittel der Haushalte in der oberbayerischen Gemeinde. Videokonferenzen bleiben schwierig, wie Christine Pettinger, die Geschäftsführerin im Rathaus, erklärt. Sie kämpft seit 2020 dafür, dass ganz Isen endlich Glasfaser bekommt. Vor sechs Jahren wurden die Verträge mit der Deutschen Glasfaser abgeschlossen.
Verstopfte Leerrohre mussten neu verlegt werden
Nach ein paar ersten Bauarbeiten war dann schnell wieder Schluss. Eine Subfirma, die die Kabel vergraben sollte, ging pleite. Ein neues Bauunternehmen wurde nicht gefunden – drei Jahre lang. In der Zwischenzeit schauten bereits verlegte Leerrohre an den Straßenrändern aus dem Boden und verstopften durch Laub oder Matsch. Als es 2025 wieder mit den Arbeiten losging, mussten manche Rohre neu verlegt werden.
Jahreslanges Warten ist keine Ausnahme
Isen im Kreis Erding ist ein extremes Beispiel, aber kein Ausnahmefall. Jahrelange Wartezeiten sind in Deutschland nichts Besonderes. Im ländlichen Raum warten laut einer aktuellen Umfrage [externer Link] 29 Prozent der Kunden länger als ein Jahr. Die Bundesregierung will hier ansetzen. Im Entwurf für eine Änderung des Telekommunikationsgesetzes [externer Link] stehen konkrete Punkte, wie es bald schneller gehen soll:
- Überragendes öffentliches Interesse – Behörden müssen Glasfaser bei Genehmigungen Vorrang einräumen, etwa vor Denkmalschutz oder Naturschutz.
- Behörden müssen schnell reagieren – Wenn etwa eine Gemeinde einen Antrag für Straßenbauarbeiten zum Glasfaserausbau nicht innerhalb von drei Monaten bearbeitet, gilt er als genehmigt.
- Unternehmen sollen teilen – Wenn etwa die Deutsche Telekom bereits ein Glasfaser-Kabel verlegt hat, muss sie die Leitung unter Umständen auch Konkurrenten zur Verfügung stellen, damit kein zweites Mal gebaggert werden muss.
Problem Tiefbau – Wenn der Teer wieder absackt
Das Änderungsgesetz ist von der Bundesregierung beschlossen worden. Es muss noch durch Bundestag und Bundesrat. Sollte alles kommen wie geplant, könnte das dem Ausbau einen Schub geben. Ob damit aber schon ein Glasfaser-Turbo in Deutschland gezündet wird, bleibt ungewiss. Ein großes Problem lässt sich nämlich nicht so leicht wegregieren: die knappen Baukapazitäten.
Laut einer Studie der Unternehmensberatung PwC [externer Link] fehlen Fachleute. Die Folgen hat Isen zu spüren bekommen: Christine Pettinger berichtet von Baugruben in der Straße ohne Warnschilder oder von unsauber verschlossenen Löchern, die zu Stolperfallen wurden, weil der Teer nachträglich wieder absackte.
Daten mit dem Auto transportieren
Andreas Grasser ist einer der Kunden, die in Isen noch auf Glasfaser warten. Er blickt im Keller etwas sehnsüchtig auf ein Kabel, das lose aus der Wand ragt: Glasfaser, aber ohne Internet. Der Anschluss zum Hauptnetz fehlt noch – seit sechs Jahren. Grasser ist IT-Sicherheitsberater bei einer Münchner Firma und deshalb auf ein schnelles Internet angewiesen. Wenn er große Datenpakete verschickt, dauert das oft Stunden, wie er erklärt. Manchmal verlässt er dann sein Homeoffice und fährt die Daten sozusagen mit dem Auto nach München.
Isen bleibt vorerst in der Dauerschleife
Wann ganz Isen Glasfaser bekommt, ist nicht absehbar. Christine Pettinger im Rathaus hofft, dass 2028 alles fertig ist. Bei der Unternehmensberatung PwC ist man skeptischer. Wenn der Ausbau weiter im bisherigen Tempo vorangeht, wird Deutschland erst 2032 die Mission Glasfaser einigermaßen erfüllt haben.

