Die schlechte Botschaft zuerst: Wer auf seiner Fahrt in den Urlaub möglichst günstig zum Ziel kommen will, muss ein wenig recherchieren. Es gibt keine App, die einem die Spritpreise aller europäischen Urlaubsländer tagesaktuell im Überblick zusammenstellt.
Eine ADAC-Sprecherin empfiehlt deshalb, sich vor Abfahrt eine Tankstrategie zu überlegen. Immerhin: Eine grobe Vorstellung kann man sich schnell verschaffen, wenn man hier in die wöchentliche Übersicht des statistischen Bundesamtes auf EU-Basis schaut. Für die Schweiz muss eine extra Seite aufgerufen werden, da das Land nicht zur EU gehört.
60 Cent weniger im Süden und Osten
Insgesamt lassen sich schnell ein paar Auffälligkeiten erkennen:
- Die Schweiz liegt im Vergleich zu Deutschland nach Wegfall des hiesigen Tankrabatts in etwa auf dem gleichen Level.
- Grundsätzlich sind der Osten und der Süden günstiger. Spanien, Polen und Bulgarien fallen besonders positiv auf, mit durchschnittlich bis zu 60 Cent Preisunterschied zum deutschen Level.
- Deutschland belegt zwar nicht den Spitzenplatz, zählt aber schon zu den teuersten Ländern Europas.
Norden ist teuer – mit einer Ausnahme
Wer von Bayern nach Norden reist, muss an den Tankstellen oft noch tiefer in die Tasche greifen als zu Hause. Vor allem die Niederlande und Dänemark fallen negativ auf mit Ausreißern von 20 bis 30 Cent je Liter nach oben bei Eurosuper 95. Eine Ausnahme unter den nördlichen Staaten bildet Schweden mit extrem günstigen Sprit-Preisen. Super kostet dort rund 70 Cent weniger als hierzulande.
Warum ist Sprit in Deutschland so teuer?
Die erneute Eskalation des Iran-Konfliktes und die Behinderungen in der Straße von Hormus haben in der zweiten Juliwoche weltweit die Ölpreise wieder um etwa 20 Prozent steigen lassen. Das trifft natürlich ganz Europa. Da hierzulande aber Anfang Juli auch noch der Tankrabatt weggefallen ist, sind die Preise an den Zapfsäulen bei uns wieder ungedämpft dem Spiel der Märkte ausgesetzt. Auch in Tschechien ist ein Nachlass bei der Dieselsteuer vom Staat inzwischen wieder einkassiert worden.
Steuervorteil in Österreich
Der ADAC spricht von einem strukturellen Steuervorteil Österreichs beim Tanken. Tatsächlich liegt die Mineralölsteuer im Nachbarland dauerhaft unter dem hiesigen Niveau. Laut der Wirtschaftskammer Österreich WKÖ fallen bei Diesel 39,7 Cent und bei Superbenzin 48,2 Cent pro Liter an. In Deutschland sind es 65,5 Cent bei Benzin und etwas über 47 Cent pro Liter Diesel.
Schweden greift stark ein
Lange Zeit war Tanken in Schweden für deutsche Reisende besonders teuer. Das hat sich mittlerweile umgedreht. Die niedrigen Spritpreise in Schweden haben dabei mehrere Gründe. Der Hauptgrund liegt in zwei Steuersenkungen wegen des Iran-Krieges: Sie gelten teils bis in den Herbst. Außerdem ist der Euro gegenüber der schwedischen Krone aktuell wieder relativ stark. Das macht die Preise aus deutscher Sicht nochmal günstiger.
Spanien legt sich mit EU an, um Bürger zu entlasten
Die Regierung in Madrid hatte im Frühjahr ein Entlastungspaket von fünf Milliarden Euro beschlossen, um die Folgen des Iran-Kriegs abzumildern. Man überschritt dabei sogar die Grenze des eigentlich Erlaubten. Die wichtigste Maßnahme – die Mehrwertsteuer von 21 auf 10 Prozent zu senken – wurde von der EU einkassiert. Stattdessen gibt es nun eine Art Tankrabatt, der gestaffelt bis zum Herbst gilt.
Fazit
Auf der einen Seite haben viele Länder durch verschiedene Steuer- und Entlastungsmodelle wegen des Iran-Krieges die Literpreise an den Tankstellen teils deutlich unter das deutsche Preisniveau drücken können. Österreich bildet dabei einen Sonderfall, da das Land dauerhaft niedriger besteuert.
Auf der anderen Seite stehen vor allem Dänemark und die Niederlande mit dauerhaft hohen Preisen, getrieben durch traditionell besonders hohe Verbrauchssteuern. Abgesehen von diesen zwei Ländern kann man Reisenden nur raten: lieber nicht zu Hause volltanken! Hinter den Grenzen wird es meistens günstiger.

