Wer am Montagnachmittag vom Münchner Hauptbahnhof nach Nürnberg fahren wollte und spontan noch ein ICE-Ticket gebucht hat, musste dafür 65,90 Euro zahlen. Rund 150 Schienenkilometer beträgt die Entfernung zwischen den beiden bayerischen Städten. Wer nächsten Montagabend fahren will und schon jetzt bucht, hat mehr Glück: Aktuell (Stand: Montag, 3.8., 17.00 Uhr) gibt es noch Tickets für 18,99 Euro.
Verbraucherschützer kritisieren Preissystem der Bahn
Während es für den öffentlichen Nahverkehr fixe Preise für bestimmte Strecken gibt, kann das Preissystem bei Fernverbindungen mit dem ICE oftmals wie ein Glücksspiel wirken. Denn nicht immer ist es so, dass man bei frühzeitiger Buchung auch die günstigsten Tickets bekommt.
So hat der Verbraucherzentrale Bundesverband untersucht (externer Link), wie hoch die Chance ist, tagsüber das billigste Ticket einer Verbindung zu bekommen – das Ergebnis: gering. Demnach sei das günstigste Angebot, für das die Bahn auf ihrer Homepage geworben hat, an fast 80 Prozent der untersuchten Tage nicht verfügbar gewesen. Die Verbraucherzentrale wählte dafür Fahrten zwischen 7 und 19 Uhr und in der zweiten Klasse aus.
Pro Bahn: Undurchsichtiges Preissystem
Marco Kragulji ist Vorstand von Pro Bahn Bayern und erklärt, dass die Deutsche Bahn darüber, wie die Preise entstehen, generell sehr wenig Auskunft gebe. Auch er fordert, dass das Preissystem für die Fahrgäste klarer und nachvollziehbarer sein sollte: „Wir würden uns einen einfachen Tarif wünschen. Natürlich darf es auch mal Sonderangebote geben. Natürlich darf jedes Unternehmen schauen, dass zum Schluss der Zug auch voll ist mit günstigen Tickets. Aber es muss immer irgendwo ein Standardticket geben, wo ich von vornherein sagen kann, das kostet es mich, wenn ich von A nach B fahre“.
Ein Beispiel dafür sei auch das sogenannte „Flexpreis“-Ticket der Bahn. Dieser „Flexpreis“ koste an unterschiedlichen Tagen unterschiedlich viel, sagt Pro Bahn Bayern. Manchmal komme es sogar vor, dass er sogar wieder günstiger werde und diejenigen, die schon lange im Voraus gebucht haben, mehr zahlen würden: „Dann ist es verständlich, dass der normale Fahrgast, der nicht täglich mit der Bahn zu tun hat, sich irgendwann nicht mehr auskennt“, erklärt Kragulji. Das spreche dann auch nicht für die Verkehrswende.
Warum gibt es keinen fixen Kostenrahmen bei der Bahn?
Ähnlich äußert sich auch Oliver Buttler, Experte für Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: „Es müsste eine Kombination sein. Wenn wir den ÖPNV anschauen, gibt es dort ja auch feste Ticketpreise“, erklärt er. Selbst wenn es in Großstädten Ermäßigungen gebe, bleibe der Kostenrahmen überschaubar. Ähnlich solle es bei Fernverbindungen sein. „Letztendlich wird die Bahnstrecke von München nach Hamburg ja nicht plötzlich fünfmal so teuer oder fünfmal so billig. Da muss ja mit gewissen Kosten kalkuliert werden. Insofern ist es da nicht ganz nachvollziehbar, warum ich nicht einen festen Fahrplan mit festen Preisen habe“, so Buttler.
Verbraucherzentrale: Intransparenz führt zu Unmut
„Dass es daneben für Restkontingente natürlich noch günstigere Tickets geben mag oder für Last-Minute-Bucher etwas teurere Preise, kann es ja alles geben“, sagt Buttler. Aber aus seiner Sicht bräuchte es zumindest einen fixen Kostenrahmen, „weil so ein Ding ja betriebswirtschaftlich durchkalkuliert sein muss“. Genau diese Intransparenz und die schwankenden Preise führten dann bei vielen Menschen zu Unmut, so der Experte für Verbraucherrecht.
Bahn widerspricht: So viele Billigtickets wie noch nie
Die Deutsche Bahn widerspricht der Kritik in einer Pressemitteilung, die dem Bayerischen Rundfunk vorliegt: Aktuell seien so viele Billigtickets wie noch nie auf dem Markt. Während Autofahren und Fliegen durch die hohen Kraftstoffpreise immer teurer werde, blieben die Bahnpreise stabil, so die Bahn.
Die Bahn kritisiert an der Studie der Verbraucherzentrale unter anderem, dass nur Direktverbindungen zwischen großen Städten und nur zwischen 7 und 19 Uhr analysiert worden seien. Außerdem sei nur die Zweite Klasse berücksichtigt worden und die in der Studie berücksichtigten Zeiträume bildeten das Buchungsverhalten der Kunden nur bruchstückhaft ab.
Die Bahn betont, dass es sich lohnen könne, auch mal nach Tickets in der 1. Klasse zu suchen, da es sich bei den Super-Sparpreisen und Sparpreisen um „kontingentierte Angebote“ handle. Eine Anfrage des BR an die Deutsche Bahn, ob die verfügbaren Kontingente für günstige Zugtickets gerade jetzt in den Sommermonaten – also zur Hauptreisezeit – zurückgefahren wurden, blieb zunächst offen.

