Am Wochenende hat US-Präsident Donald Trump angekündigt, weitere Angriffe auf den Iran vorerst auszusetzen. Angeblich gibt es Fortschritte bei den Versuchen, eine diplomatische Einigung zu erlangen. Wie nachhaltig das ist, muss mit Blick auf die vergangenen Wochen abgewartet werden.
Und so bleibt der Bezug von Erdöl-basierten Produkten aus der Region vorerst schwierig. Die Industrie macht sich mittlerweile Sorgen um die Lieferbarkeit einer Produktgruppe, die zwar für die Industrie elementar wichtig ist, aber kaum im Fokus steht: Schmierstoffe.
Schaeffler: Schmierstoffe spielen „große Rolle“
Egal ob in Motoren, Industrie-Wälzlagern oder in der Wertschöpfungskette noch viel früher – bei der Metallbearbeitung: Ohne Schmierstoffe geht in den meisten Industriebetrieben nicht viel. Vom Herzogenauracher Industrie- und Autozulieferer Schaeffler heißt es auf BR-Anfrage: Schmierstoffe spielten in den Werken des Konzerns weltweit „eine große Rolle“.
Derzeit sei die Versorgung noch gesichert. Das Unternehmen habe aber eine „Taskforce eingerichtet“ und beobachte die Versorgungssituation „sehr genau“, heißt es in einem Statement. Auch viele Mittelständler wie der Nürnberger Metallbearbeiter BMK Baumann haben die Versorgungssituation mit Schmierstoffen im Blick. Noch seien die Lager zwar ausreichend gefüllt, sagt der technische Leiter Matthias Baumann. Wenn keine Schmierstoffe mehr geliefert werden könnten, wäre das aber ein massives Problem. „Dann ist Schluss“, sagt Baumann.
Bundesverband: Lage bei zwei Grundölen angespannt
Auch die Unternehmen, die die Industriebetriebe mit Schmierstoffen beliefern, beobachten die aktuelle Situation genau. Vom Neumarkter Schmierstoffspezialist Rödl heißt es auf BR-Anfrage: Einige Schmierstoffe, etwa Hydrauliköl, hätten sich mittlerweile im Preis verdreifacht. Die Lage sei volatil. Es gebe erste Unterbrechungen von Lieferketten, so der 2. Geschäftsführer Thomas Reiner. Die Auswirkungen könnten momentan aber noch kompensiert werden.
Vom Bundesverband EnergieMittelstand heißt es: Angespannt sei die Versorgungslage in Deutschland vor allem bei zwei bestimmten Grundölen, die zur Herstellung von Schmierstoffen gebraucht werden. Diese seien „wesentlich für die Produktion moderner Hochleistungsschmierstoffe“. Die Folge sei ein „erheblicher Kostendruck entlang der gesamten Schmierstoff-Wertschöpfungskette“, so der Bundesverband.
Lieferketten-Situation ist komplex
Schwierig ist die Situation für die auf Schmierstoffe angewiesene Industrie auch, weil die Lieferbarkeit der Grundöle von mehreren Faktoren abhängt. Und diese verstärken sich laut dem Bundesverband EnergieMittelstand gegenseitig. Zum einen der Iran-Krieg an sich: Der Schiffshandel über die Straße von Hormus ist weitgehend zum Erliegen gekommen.
Zum anderen seien die Produktionskapazitäten im Nahen Osten durch Kriegsschäden an Raffinerien eingeschränkt. Und: Raffinerien produzieren aktuell oftmals lieber Dieselkraftstoffe statt Grundöle für Schmierstoffe. Weil das wirtschaftlicher sei, so der Bundesverband EnergieMittelstand.
Die üblichen Ausweichmöglichkeiten seien eingeschränkt. Der Bundesverband geht davon aus, dass selbst bei einer politischen oder logistischen Entspannung daher „nicht zwingend mit einer sofortigen Normalisierung zu rechnen“ sei.

