Königskerze in die Mitte, außen herum Johanniskraut, Lavendel und andere Kräuter – und vorne eine Rose für Maria. Im Klostergarten von Beuerberg entstehen derzeit Kräuterbuschen für Mariä Himmelfahrt. Andrea Urban vom örtlichen Gartenbauverein kennt den Brauch seit ihrer Kindheit: „Es ist einfach schön, wenn du als kleines Mädchen da stehst mit deinem Kräuterbuschen für die Oma.“
Was Kräuter mit Mariä Himmelfahrt zu tun haben
Am 15. August feiert die katholische Kirche die Aufnahme Mariens in den Himmel. Die Bibel erzählt nicht, wie Maria gestorben ist. Einer späteren Legende zufolge soll aus ihrem Grab nach ihrem Tod ein besonderer Duft geströmt sein. Als das Grab geöffnet wurde, sei Marias Leichnam verschwunden gewesen. Stattdessen hätten dort Blumen und Kräuter geblüht. Diese Legende vom duftenden Grab Mariens wurde später mit bereits bestehenden Kräuter- und Erntebräuchen verbunden. Daraus entstand der heute verbreitete Brauch, an Mariä Himmelfahrt Kräuterbuschen zu binden und segnen zu lassen.
In Beuerberg kommen viele Zutaten direkt aus dem Klostergarten. Traditionell steht häufig die Königskerze in der Mitte. Dazu kommen etwa Johanniskraut, Lavendel oder Melisse. Blumen wie Rosen stehen für Maria. Eine feste Zusammensetzung gibt es nicht. Je nach Region unterscheiden sich die Buschen.
Drei, sieben oder zwölf Kräuter?
Auch die Zahl der Pflanzen kann eine religiöse Bedeutung haben. Drei Kräuter können für die Dreifaltigkeit stehen, sieben für die Schöpfungs- bzw. Wochentage, neun für dreimal drei und zwölf für die Apostel. In alten Überlieferungen gibt es auch deutlich größere Buschen mit vielen weiteren Kräutern.
Rosi Manhart, die sich um den Klostergarten kümmert, kennt auch die traditionelle Bedeutung einzelner Pflanzen. Lavendel und Melisse gelten als beruhigend, Johanniskraut wurde bei depressiven Verstimmungen verwendet. Im Sommer stehen viele Heilkräuter in Blüte und Reife und können gesammelt werden.
Der Kräuterbusch soll Segen ins Haus bringen
Nach dem Binden werden die Buschen am 15. August mit in die Kirche genommen und dort gesegnet. Erst danach kommen sie nach Hause. Traditionell werden sie etwa hinter einem Kreuz aufgehängt.
„Der Kräuterbusch ist der Segen für das Haus“, sagt Rosi Manhart. Einzelne Kräuter wurden früher auch zum Räuchern oder bei Krankheiten verwendet. Überliefert ist zudem, dass geweihte Kräuter krankem Vieh ins Futter gegeben oder bei Gewittern zum Schutz vor Blitzschlag ins Feuer geworfen wurden.
Im Klostergarten von Beuerberg geht es deshalb nicht nur darum, Königskerze, Johanniskraut und Rosen richtig zusammenzubinden. Andrea Urban macht mit, damit der Brauch weiterlebt – so wie sie selbst schon als fünf- oder sechsjähriges Mädchen einen Kräuterbuschen für ihre Oma gebunden hat.

