„Das Haus Habermas ist gebaute Philosophie“, schwärmt Generalkonservator Mathias Pfeil vom Landesamt für Denkmalpflege (BLfD). Es sei „ein herausragendes Zeugnis für das Selbstbild eines der bedeutendsten deutschen Philosophen des 20. Jahrhunderts“.
Seit seinem Bau sei das Gebäude, in dem Jürgen Habermas mit seiner Familie lebte, fast unverändert erhalten und dokumentiere „das Bauen und Wohnen des gehobenen Bürgertums“ der 1970er-Jahre. Habermas habe die Ideen für das Haus bei einem Kaffee zusammen mit den Architekten entwickelt, „da fließt auch seine Gedankenwelt mit ein“, so Pfeil im Interview mit dem BR. Es biete die Möglichkeit, einen Menschen auch dreidimensional nachzuvollziehen, so der oberste bayerische Denkmalpfleger.
„Ein besonderer Ort der Geistesgeschichte“
Das rational gedachte Haus, inspiriert von Le Corbusier und Wiener Secession, steht auf einem Hanggrundstück am Starnberger See. Im Inneren bildet eine Bücherwand die zentrale Achse. Es war das Erstlingswerk der Münchner Architekten Heinz Hilmer und Christoph Sattler.
Heute gilt es als bedeutendes Zeugnis des Übergangs vom Neofunktionalismus der Nachkriegsmoderne zur Postmoderne. Als junge Architekten sei der Auftrag „abenteuerlich“ gewesen, erinnert sich der heute 87-Jährige Christoph Sattler: „Wir hatten davor einen europäischen Wettbewerb gewonnen, galten plötzlich als vielversprechend und verspürten jugendliche Euphorie.“
Auch im bayerischen Kunstministerium begrüßt man die Entscheidung der Denkmalpflege: Der im März verstorbene Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas sei „ein leidenschaftlicher Verteidiger der demokratischen Vernunft“ gewesen, sagte Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU). Sein Wohnhaus sei „ein besonderer Ort der Geistesgeschichte“. Es mache sichtbar, wie Leben und Denken, Raum und Werk für Jürgen Habermas verbunden waren.
Verleger Michael Krüger: „Hier kam der Weltgeist zusammen“
Über viele Jahre immer wieder zu Gast im Haus Habermas war der Verleger Michael Krüger. Bei ihm ist die Freude über den nun offiziellen Denkmalstatus groß, denn das Haus sei „eines der schönsten in einer immer trostloser werdenden architektonischen Umgebung am See.“ Das Haus sei ideal gewesen für Geselligkeit im modernen Sinne, der Weltgeist sei hier zusammengekommen.
„Da Ute und Jürgen Habermas großzügig waren – im Denken, im Essen und Trinken – wurde es oft sehr spät: dann stand der Mond über diesem klaren hellen Haus und dachte sich: Seltsam, dass so viele Worte gebraucht werden, um die nicht besonders komplizierten Fragen des Menschen zu erörtern. Es beruhigt mich jedenfalls, dass ich gelegentlich daran vorbeigehen kann, um die erregten Stimmen von damals noch einmal zu hören: von Marcuse und Scholem, von Martin Walser und Carl Friedrich von Weizsäcker, von Ernst Tugendhat und Peter Hamm.“ Michael Krüger, Verleger und Freund der Familie Habermas

