Als Pfarrer Placid Tuliganyirwa zum ersten Mal die Kirche St. Johannes Baptist in Warngau betrat, war er überwältigt. „Das ist wie im Himmel“, erinnert sich der Priester aus Uganda an die barocke Kirche mit ihren Malereien und Figuren. 5.000 Kilometer entfernt, in seiner Heimat Uganda, sehen viele Kirchen ganz anders aus. Manchmal seien es nur Lehmhäuser, erzählt Placid. In seiner eigenen Gemeinde habe man inzwischen eine Kirche gebaut. Was noch fehlt, sind die Bänke.
Seit 13 Jahren Urlaubsvertretung in Warngau
Geld für diese Bänke sammelt Placid auch in Oberbayern. Denn inzwischen ist der Priester hier längst kein Fremder mehr. Seit 13 Jahren kommt er im Sommer in den Pfarrverband Holzkirchen-Warngau. Vier Wochen übernimmt er Gottesdienste und Predigten, aber auch Beerdigungen und Taufen. Deutsch hat er schon im Priesterseminar in Uganda gelernt. In diesem Sommer ist mit Pater Denis Mukonyezi ein weiterer Priester aus Uganda dabei.
Diakon Klaus Mrosczok schätzt, was die beiden in die Gemeinde mitbringen: „Für uns ist es eine große Bereicherung, weil mit den beiden eine große Freundlichkeit in den Gottesdienst kommt.“ Das merke man schon daran, wie die Gläubigen begrüßt und am Ende des Gottesdienstes verabschiedet würden.
Mehr als 60 ausländische Vertretungspfarrer in München-Freising
In der Erzdiözese München und Freising sind derzeit 66 Priester aus dem Ausland als Vertretung tätig, ähnlich viele im Bistum Regensburg. Im Bistum Würzburg sind es 26. Die Priester kommen vor allem aus Indien, Polen und afrikanischen Ländern.
Vielerorts wird ihnen eine Wohnung gestellt. Dazu kommen Zuschüsse für Essen und Fahrtkosten, die Krankenversicherung sowie eine Aufwandsentschädigung. Wer als Urlaubsvertretung arbeiten will, muss Deutschkenntnisse vorlegen und sollte persönlich bekannt sein.
Eichstätt setzt auf gegenseitige Vertretung
Anders regelt das Bistum Eichstätt die Urlaubsvertretungen: Dort springen die Pfarrer während der Urlaubszeit füreinander ein. Gleichzeitig gibt es an Sonn- und Feiertagen weniger Gottesdienste. Bistumssprecher Bernhard Löhlein sagt: „Das gelingt auch sehr gut, vor allem auf dem Dorf.“
In Warngau ist aus der Urlaubsvertretung dagegen längst eine Verbindung über Kontinente hinweg geworden. Gemeindemitglied Anni Bichler gefällt, „dass man über den Tellerrand schaut, dass man sieht, wie es sonst auf der Welt so geht und auch die andere Kultur besser kennenlernt“. Und auch Placid fühlt sich mittlerweile heimisch in Oberbayern.
Ein Stück Uganda im Gottesdienst in Warngau
Eines fehlt ihm trotzdem: die afrikanische Musik. Und so bringt Placid selbst ein Stück Uganda in die oberbayerische Kirche. In Absprache mit dem Organisten baut er afrikanische Gesänge in den Gottesdienst ein. Beim Halleluja komme die Bewegung von ganz allein, erzählt er und streckt die Hände in die Höhe.

