Wie kommt es zu den Hacks?
Anders als oft angenommen wird, haben die KIs in den bisher dokumentierten Fällen sich nicht selbständig für das Ziel der Hacker-Angriffe entschieden. Stattdessen wurden die KI-Modelle meist in Testumgebungen mit bestimmten Aufgaben betreut – etwa dem Lösen eines Cybersicherheits-Tests. Da die KI-Systeme aber in der Regel ausschließlich auf das Lösen des Problems optimiert sind und nicht auf die Absicht der Tester, haben sie in einigen Fällen zu Maßnahmen gegriffen, mit denen selbst die KI-Entwickler nicht gerechnet haben.
Allerdings könnten Fälle dieser Art bald auch mit Absicht ausgeführt werden. Die stärksten Hacking-Fähigkeiten stecken bislang in den geschlossenen Modellen von OpenAI und Anthropic, die nur kontrolliert zugänglich sind. Frei herunterladbare offene Modelle, viele davon aus China, liegen aber nur wenige Monate zurück. Was heute wenigen Laboren vorbehalten ist, kann sich in absehbarer Zeit jeder herunterladen und nach Belieben umbauen – also autoritäre Staaten, Terroristen und Kriminelle. Einige Experten, darunter der frühere Meta-Sicherheitschef Alex Stamos, rechnen damit, dass das Internet unsicherer werden könnte.
Was kann ich tun?
Für Privatpersonen heißt das: Digitale Sicherheit wird vermutlich wichtiger denn je. Passwörter nicht wiederzuverwenden (am besten mit der Hilfe eines Passwortmanagers), überall die Zwei-Faktor-Authentifizierung einzuschalten und im Zweifelsfall auch auf „Passkeys“ – eine neuartige Alternative zum Passwort – zurückzugreifen. Auch sollte man dringend seine Apps und Betriebssysteme up to date halten und besonders bei fremden E-Mails und Nachrichten aufpassen, sodass man kein Opfer von Phishing-Attacken wird. Diese Tipps waren schon immer sinnvoll – im KI-Zeitalter könnten sie aber noch weit wichtiger werden.
Auch für Unternehmen wird Cybersicherheit immer wichtiger. Wie die IHK Bayern meldet, wurde im vergangenen Jahr jeder fünfte Betrieb in Bayern Opfer von mindestens einem Cyberangriff. Oft handelt es sich hier um Ransomware-Attacken, die bis zur Insolvenz des Unternehmens führen können.
In Deutschland und Europa stehen Unternehmen und Behörden dabei vor einem gefährlichen Dilemma. Einerseits möchte man vermehrt auf „digitale Souveränität“ setzen und vor allem europäische KI-Modelle verwenden. Allerdings hinkt auch der beste europäische KI-Entwickler, die französische Firma Mistral, weit hinter den Fähigkeiten von OpenAI & Co. zurück. Wer nur europäische KI nutzt, ist damit also datenschutztechnisch auf der sicheren Seite – aber auch leichter verwundbar.

