Die Kreuzfahrt zu den Azoren hatten sie noch zusammen gebucht: Monika Bax und ihre Mutter. Aber im Frühjahr 2025 stirbt die Mutter – 97 Jahre alt ist sie geworden – und Monika Bax ist plötzlich allein. Sie überlegt hin und her und entscheidet sich letztlich, die Reise trotzdem anzutreten. Die Trauer im Gepäck. Wie gut tat es ihr da, dass ein Geistlicher mit an Deck war – nämlich Axel Werner.
Seit 30 Jahren geht der katholische Pfarrer regelmäßig an Bord. Kreuzfahrt-Fans wie Monika Bax kennt er darum schon lange. „Und dann haben wir uns in irgendeine Lounge zurückgezogen und gesprochen. Er kannte meine Mutter auch“, sagt Monika Bax. „Er hat mir geholfen, das war für mich schon ein guter Trost.“
Das machen Seelsorger auf hoher See
Eine Kreuzfahrt soll eigentlich ein Rundum-sorglos-Urlaub sein. Doch auch auf hoher See können die Reisenden ein Todesfall in der Familie, Krankheit oder Trauer einholen. Das wissen nicht nur „Traumschiff“-Schauer und „Verrückt nach Meer“-Fans, sondern auch Pfarrer Axel Werner: „Manche wollen von ihrem Leben weglaufen auf dem Schiff oder auch in den Ferien, aber alle bringen sie ihr Leben mit.“
An Bord feiert Axel Werner Gottesdienste für die Passagiere und das Personal. Tiefgang haben auch die seelsorgerischen Gespräche, die er führt: „Sehr oft bekomme ich erzählt: ‚Ach, letztes Jahr war mein Mann noch dabei, meine Frau‘. Oder: ‚Das ist die letzte Reise, ich bin schwer an Krebs erkrankt'“, sagt Werner. „Und so ergeben sich dann durch die Anwesenheit des Seelsorgers doch ganz neue Möglichkeiten, ins Gespräch zu kommen.“
Nur wenige Kreuzfahrten mit Pfarrern
Laut dem „State of the Cruise Industry Report 2026“ der Cruise Lines International Association (CLIA) machten 2025 rund 37,2 Millionen Menschen eine Hochseekreuzfahrt. Mit einem Plus von 7,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ein neuer Höchstwert – trotz anhaltender Kritik wegen Umwelt- und Klimafolgen sowie Overtourism.
Bei weitem nicht auf jedem Kreuzfahrtschiff reist auch ein Seelsorger mit. Die zwei deutschen Reedereien Phönix-Reisen und Hapag-Lloyd nehmen regelmäßig Seelsorger mit. Auch Tui Cruises gibt an, dass beispielsweise zu Weihnachten und Ostern Seelsorger mit an Bord seien.
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) schreibt auf ihrer Webseite, dass evangelische Seelsorger rund 70 Reisen jährlich begleiten. Das katholische Auslandssekretariat gibt an, dass eine „geringe Anzahl von Reisen“ mit Priestern oder Diakonen besetzt wird. Weil die Plätze von den Priestern begehrt sind, tagt einmal im Jahr die Bordseelsorge-Konferenz und verteilt die Fahrten für die kommende Saison – aufgrund des großen Interesses zum Teil per Los. Der Einsatz als Bordseelsorger werde im Urlaub des Geistlichen als Ehrenamt geleistet, so das katholische Auslandssekretariat.
Kein Hawaiihemd für den Pfarrer
Wenn ein Pfarrer an Bord ist, weisen Schilder darauf hin, erzählt Axel Werner – und er trägt auch ein Collarhemd, also einen weißen Priesterkragen. „Es macht ja wenig Sinn, wenn Sie als Seelsorger im Hawaiihemd dort sitzen. Also die Erkennbarkeit ist sehr wichtig“, sagt Pfarrer Axel Werner.
Zusammen mit ihrer Mutter hat Monika Bax viele Kreuzfahrten unternommen. Sie kenne fast jeden Hafen des Mittelmeers und der Ostsee, war erst neulich per Kreuzfahrt in Kapstadt. In Mauritius und Madagaskar war sie, auch in Alaska, Montreal und in New York. Und auch ohne ihre Mutter möchte sie weiterreisen. Ihr nächstes Ziel steht schon fest: An Weihnachten besucht sie Gran Canaria, dort ist Axel Werner nämlich Auslandspfarrer.

