Ortstermin Anfang Oktober. BMW eröffnet ein neues Batteriewerk. In Irlbach-Straßkirchen, mitten im niederbayerischen Gäuboden, rund anderthalb Autostunden von München entfernt. Für Hubert Aiwanger einer jener Termine, bei denen er ganz in seinem Element sein konnte. Nah dran an den Leuten, mitten im Geschehen. Mehr als eine Milliarde Euro hat BMW hier investiert, in seiner Heimatregion. Aiwanger freute es: „Anpacken statt Jammern“ gibt er seinen Zuhörern mit auf den Weg.
Immer nah dran an den Leuten
Investitionen fördern, Arbeitsplätze in der Region schaffen, Bayern in der Fläche stärken. Wie ein roter Faden zogen sich diese Ziele durch die Politik des gebürtigen Niederbayern Hubert Aiwanger. Dass er hier im Gäuboden ausgerechnet eine Fabrik für Elektroautobatterien feierte, hatte eine besondere Pointe: Einerseits unterstützte der Wirtschaftsminister den technologischen Wandel, andererseits kämpfte er mit Nachdruck gegen das europäische Verbrenner-Aus. Dafür erntete er immer wieder Kritik. Von seiner Überzeugung ließ er sich dennoch nicht abbringen.
Ein Fürsprecher des Mittelstands
Handwerker, Familienunternehmen, kleinere Betriebe auf dem Land: Ihre Interessen vertrat Aiwanger mit Nachdruck. Und als Minister konnte er auch ganz konkret etwas für sie tun. Allein 2025 unterstützte sein Ministerium 448 mittelständische Unternehmen mit rund 184 Millionen Euro Regionalförderung. Der bayerische Meisterbonus stieg in seiner Amtszeit von 1.500 auf 3.000 Euro.
Seine Nähe zum Mittelstand hatte dabei auch mit seiner Herkunft zu tun. Auf einem Bauernhof aufgewachsen, kannte er die Arbeit in einem Familienbetrieb. „Die Leidenschaft von Hubert Aiwanger waren ganz eindeutig die Selbständigen, die familiengeführten Mittelständler“, erinnert sich der Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern, Manfred Gößl, im Gespräch mit BR24. „Dort, wo es um Eigenverantwortung geht, um Haftung. Das kannte er von seiner Herkunft aus dem Bauernhof.“
Krisenmanager während der Corona-Pandemie
Wie eng Aiwanger auch in Krisenzeiten mit den Unternehmen im Austausch stand, zeigte sich besonders während der Corona-Pandemie. Als viele Betriebe um ihre Existenz fürchteten, organisierte sein Ministerium Wirtschaftshilfen in Milliardenhöhe. Obwohl persönliche Treffen nur sehr eingeschränkt möglich waren, blieb Aiwanger im engen Austausch, wollte wissen, wenn es Probleme gab. Manfred Gößl erinnert sich an Anrufe und SMS des Ministers. Mal habe er nach der Lage einer bestimmten Firma gefragt, mal danach, wie es mit der Auszahlung der Fördermittel laufe. Später, als die Pandemie in das dritte Jahr ging, geriet Aiwanger mit seiner Forderung nach schnelleren Öffnungen dann immer wieder mit Ministerpräsident Markus Söder aneinander.
Streitbar, wenn ihm etwas wichtig war
Auch in der Energiepolitik vertrat Aiwanger seine Überzeugungen mit Nachdruck. Energie müsse vor allem bezahlbar und zuverlässig sein, forderte er immer wieder. Dafür setzte er auf Wasserstoff und neue Gaskraftwerke, unterstützte aber auch die Lockerung der strengen bayerischen Abstandsregeln für Windräder. Die Zahl der Genehmigungen stieg deutlich, doch tatsächlich in Betrieb genommen wurden weiterhin nur wenige Anlagen. Und beim Wasserstoff, einem seiner wichtigsten Zukunftsthemen, blieb die Umsetzung vieler Förderprojekte hinter den Erwartungen zurück. Vieles von dem, was Aiwanger vorantreiben wollte, war am Ende seiner Amtszeit noch nicht verwirklicht.
Den Dialog auch halten, wenn es unangenehm wird
Aiwanger konnte hartnäckig sein, manchmal auch unbequem. Gerade wenn es um die Interessen der bayerischen Wirtschaft ging, suchte er die öffentliche Auseinandersetzung. Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, erinnert sich an einen „energischen Streiter für die Interessen der bayerischen Wirtschaft“ – einen Politiker mit klaren Worten, großer Redegewalt und Humor.
Deutlichen Widerspruch erfuhr Aiwanger dagegen häufiger von den Gewerkschaften, etwa im Streit über die Tarifbindung. Doch trotz aller politischen Differenzen fanden beide Seiten immer wieder zueinander. „Demokratie lebt vom politischen Streit, aber ebenso vom gegenseitigen Respekt“, betont DGB-Landeschef Bernhard Stiedl in seiner ersten Reaktion.
Für Aiwanger gehörte beides zusammen: Für die eigenen Überzeugungen streiten und den Kontakt zu den Menschen suchen. Das prägte seine acht Jahre als Wirtschaftsminister.

