Bei den letzten Präsidentschaftswahlen in den USA haben Prediction Markets das Ergebnis genauer vorhergesagt als viele Umfragen und auch jetzt bei den Midterms waren sie mit einer Quote von 95 Prozent erstaunlich genau. Dabei sind allein auf den größten Plattformen fast zwei Milliarden US Dollar auf den Ausgang der Zwischenwahlen gesetzt worden.
Was sind Prediction Markets überhaupt?
Prediction Markets sind Online-Plattformen, auf denen man auf gesellschaftliche Ereignisse wetten kann – beispielsweise die Entwicklung von Zinsen, wer „Dancing with the Stars“ gewinnt oder welcher Film wie viele Oscars bekommt. Zu den größten und bekanntesten davon gehören die US-Plattformen Polymarket und Kalshi. Nutzerinnen und Nutzer können auf praktisch alles wetten, immer als Ja-Nein-Frage. Wer richtig lag, gewinnt. Wer falsch getippt hat, verliert. Es geht – natürlich – um Geld.
Ein Glücksspiel mit dem echten Leben?
Das Besondere ist, dass es sich um Echtzeit-Wetten handelt. Das heißt, der Preis für einen Tipp ergibt sich aus den Tipps aller Nutzerinnen und Nutzer, die vorher schon gesetzt haben.
Ein Beispiel: Wird Tom Holland eine Oscar-Nominierung bekommen? Wenn der JA-Tipp 75 Cent kostet, bedeutet das, dass 75 Prozent des bisher gesetzten Geldes in den JA-Topf geflossen ist. Sollte Tom Holland dann auch tatsächlich nominiert werden, bekommen alle, die JA getippt hatten, einen Dollar. Sie machen also Gewinn.
Wer NEIN getippt hat, verliert seinen Wetteinsatz. Tatsächlich reich werden damit nur sehr wenige. Eine Auswertung von drei Forschern aus Dublin hat ergeben, dass die durchschnittliche Rendite aller Geschäfte auf der Plattform Kalshi bei minus 22 Prozent liegt.
Informationensammlung und Schwarmintelligenz
Das Prinzip hinter den Prediction Markets ist einfach: Wer glaubt, mehr zu wissen als die anderen, setzt Geld auf ein bestimmtes Ereignis – in der Hoffnung, einen Gewinn zu machen. Professor Martin Spann von der LMU München ist einer der wenigen deutschen Fachleute auf diesem Gebiet und er fasst es so zusammen: „Eine Funktion dieser Prognosemärkte ist ja, dass Informationen im Markt aggregiert werden. […] Deshalb sind auch andere Informationsquellen wichtig, denn sie helfen den Marktteilnehmern, sich besser zu informieren.“ Fachleute sprechen deshalb auch von „Schwarmintelligenz“ oder der „Weisheit der Vielen“, die auf Prediction Markets gebündelt wird.
Manipulationsvorwürfe bei Kalshi und Co.
Kritiker warnen immer wieder vor Betrug und Manipulation auf solchen Plattformen. Denn wer viel Geld hat, könnte theoretisch die Kurse verschieben oder Insiderwissen nutzen. Bis jetzt gibt es kaum nachgewiesene Fälle. Allerdings ist in den USA beispielweise ein Soldat angeklagt, weil er auf den richtigen Zeitpunkt für den Zugriff auf den ehemaligen venezolanischen Präsidenten Maduro gewettet hat, den er selbst geplant hatte. Dadurch hat er bei Polymarket mehr als 400.000 Dollar gewonnen. Jetzt wird ihm Geheimnisverrat vorgeworfen.
In Deutschland sind Plattformen wie Polymarket und Kalshi verboten
In Deutschland sind solche Gesellschaftswetten verboten. Die gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder stuft Prediction Markets als schwer kontrollierbar und besonders anfällig für Beeinflussung ein. Im Unterschied dazu sind Sportwetten erlaubt, weil sie auf klar messbaren Leistungen beruhen. Außerdem unterliegen auch die Plattformen selbst keinen Kontrollen durch die deutschen Behörden und sie haben keine Sucht-Präventionsmaßnahmen oder andere Schutzmechanismen.
Nutzerinnen und Nutzer aus Deutschland können also auf legalem Weg nicht mitbieten. Sie können Prediction Markets aber als zusätzliche Quelle für vergleichsweise treffsichere Prognosen nutzen – beispielsweise wenn sie eine Entscheidung zu Krediten, Geldanlage oder Energiekosten treffen wollen.

