„Der Kampf gegen ausländische Einflüsse verlagert sich offenbar vom kulturellen und bildungspolitischen Bereich in die Gastronomie. Es wird spannend sein zu sehen, wogegen wir kämpfen werden, sobald wir Pizza, Ravioli und andere ‚fremdartige‘ Gerichte besiegt haben“, spottete der russische Wirtschaftsjournalist Dmitri Drise [externer Link]. Er forderte ironisch bereits eine „schwarze Liste“ unpatriotischer Gerichte.
Dabei gebe es allerdings ein „Problem“. Es gebe nämlich gar nicht so viele originär russische Gerichte: „Bekanntlich stammen Kartoffeln und Tomaten, die bei der Bevölkerung beliebt sind, aus Südamerika, Gurken aus Indien. Sonnenblumen und Mais sind gar kein russisches Gemüse. Eine umfassende Untersuchung der Herkunft bestimmter Lebensmittel ist dringend erforderlich. Auf Grundlage ihrer Ergebnisse sollten entsprechende Empfehlungen an die Gastronomie gerichtet werden.“
„Prachtvolle russische Tischkultur“
Grund für diese und viele andere Wortmeldungen: Putins Beraterin Jelena Jampolskaja, eine studierte Theaterwissenschaftlerin und Journalistin, hatte sich gegen angeblich „ungesunde“ Pizza-Gerichte in Schulen ausgesprochen [externer Link]. Sie sei „sehr überrascht“, dass Schülern überhaupt Pizza serviert werde: „Unser (kulturelles) Erbe ist enorm, darunter die großartige russische Küche und die prachtvolle russische Tischkultur. Geben wir unseren Kindern wenigstens die Möglichkeit, sie kennenzulernen.“
Zuvor hatte Propagandist Witali Borodin bereits über Pizzen geschimpft [externer Link]: „Man stelle sich das mal vor! Unsere Großmütter haben tausend Jahre lang Teigwaren gebacken, und jetzt verkaufen sie uns italienisches Fladenbrot mit Ketchup. Ich möchte Sie daran erinnern, dass Italien auf der Liste der unfreundlichen Staaten steht und das Kiewer Regime mit Waffen beliefert. Das ist nicht ’nur Essen‘, sondern Soft Power in einer Pappschachtel.“
Borodins Fazit: „Meine Position ist hart und kompromisslos: Pizza muss verboten werden! Wir müssen in den Schulkantinen anfangen. Hört auf, unseren Kindern ausländisches Essen vorzusetzen! Es ist an der Zeit, die Gastronomiebranche grundlegend zu reformieren und den Respekt vor unserer Kultur wiederherzustellen.“
„Pizza ist Staatsfeind Nummer 1“
Publizist Sergei Koljasnikow (447.000 Fans) kommentierte das so [externer Link]: „Pizza ist Staatsfeind Nummer 1. Konzentriert all eure Anstrengungen auf den Kampf gegen Pizza! Stellt 80 Milliarden Rubel aus dem Staatshaushalt für Anti-Pizza-Propaganda bereit! Gibt es keinen Strom auf der Krim? Kein Wasser und keine Heizung in den neuen [besetzten] Gebieten? Eine Migrationskrise? Pensionäre des Innenministeriums und des Verteidigungsministeriums ohne Wohnungen? Schluss damit! Pizza ist das, worüber ihr euch Sorgen machen solltet!“

