Woher die auf Medizintechnik spezialisierte Region rund um Erlangen und Forchheim ihren Spitznamen „Medical Valley“ hat? Die Frage liegt genauso auf der Hand wie ihre Antwort: Vorbild ist die boomende Halbleiterindustrie rund um San Francisco in den USA. Die Region ist als Silicon Valley fast schon legendär.
Als es vor 20 Jahren darum ging, die aufblühende Medizintechnik-Branche in Franken besser zu vernetzen und ihr einen Namen zu geben, wurde die viel zitierte „fränkische Bescheidenheit“ also offenbar kurz ausgeblendet. Ein Vergleich, über den heute längst niemand mehr lacht: Die Branche ist einer der großen Hoffnungsträger der Region – und im Blick vieler kriselnder Autozulieferer, die auf neue Aufträge hoffen.
Von Ideen Einzelner zum führenden „Healthtech“-Netzwerk
Mit rund 270 Mitgliedern ist das Medical Valley heute – 20 Jahre nach seiner Gründung – das führende nationale Ökosystem im Gesundheitswesen. Mit zum Netzwerk gehört mit Siemens Healthineers nicht nur ein DAX-Konzern und Weltmarktführer, sondern auch eine Vielzahl von Mittelständlern sowie mehrere Wissenschaftseinrichtungen.
Gestartet sei man aber mit „Ideen von Einzelnen“, blickt Felix Winter, der geschäftsführende Vorstand des Medical Valley, zurück. Ziel sei es damals wie heute, die Medizinkompetenz in der Region zu bündeln und sich besser zu vernetzen. Besonders im Fokus ist laut Winter dabei stets die Frage, wie man Innovationen „schneller in den Markt bekommen“ kann. Aus Sicht von Patientinnen und Patienten könnte das bedeuten, „dass es günstiger wird“ oder sich die Behandlungsqualität verbessere, sagt Winter.
Bringen Autozulieferer neue Innovationen für die Medizintechnik?
Die Medizintechnik ist auf Wachstumskurs – nicht nur im Medical Valley. Kein Wunder also, dass viele Autozulieferer sich hier neue Geschäftsfelder und ein weiteres Standbein erhoffen. Dem Medical Valley kommt das nicht ungelegen. Die Autozulieferer liefern Qualität, eine hochpräzise Verarbeitung und kennen sich mit Regularien aus, sagt Medical Valley-Vorstand Felix Winter. Deshalb könne das Interesse der Autozulieferer der Medizintechnik-Branche „nochmal Wind unter die Flügel“ geben, hofft er. Vielleicht gibt es neue Ideen, an die vorher noch niemand gedacht hat? Einige Gedanken gebe es schon: etwa wie im Auto Gesundheitsdaten erfasst und genutzt werden können.
Medizintechnik als zukunftsträchtiger Markt für Autozulieferer
Wie wichtig es sein kann, sich auf neue Branchen auszurichten, zeigt ein Blick auf den Kunststofftechnik-Spezialisten Stettler aus Burgwindheim im Landkreis Bamberg. Der Mittelständler fertigt seit Kurzem nicht nur Abdeckkappen für Auto-Scheibenwischer – sondern auch kleine Medikamentenbecher, die, von Apotheken befüllt, in Kliniken oder Altenheimen zum Einsatz kommen.
Auch wenn man es den kleinen Bechern nicht ansieht: dass sie wiederverschließbar sind, sei eine produktionstechnische Herausforderung gewesen, sagt Anton Brunner, der bei Stettler für die Geschäftsentwicklung zuständig ist. Zwei Fertigungen laufen bereits. Eine dritte ist im Aufbau. Eine vierte Fertigung soll noch folgen. Denn Stettler will künftig jährlich zehn Millionen Stück der Medikamentenbecher herstellen. Der Liefervertrag geht über zehn Jahre. Stettler hofft, dass der Auftraggeber auf den amerikanischen und den asiatischen Markt expandiert.

