Wie kann es aussehen, wenn historische Verbrechen nicht im Lehrbuch aufgearbeitet werden – sondern in Form eines Videospiels erlebbar gemacht werden? Genau darum geht es im Spiel des Berliner Entwicklerstudios Paintbucket Games “The Darkest Files”: Es versetzt Spielerinnen und Spieler in die Rolle einer Staatsanwältin im Nachkriegsdeutschland. Im Mittelpunkt stehen reale NS-Verbrechen.
Ziel ist es, auf Basis historischer Fälle Anklagen zu formulieren und vor Gericht zu vertreten. Die Darstellung orientiert sich inhaltlich eng an dokumentierten Ereignissen der frühen Bundesrepublik. Für diese Leistung wurde es als bestes deutsches Spiel des Jahres ausgezeichnet.
Für den Preis in der Hauptkategorie erhielten die Berliner Entwickler 100.000 Euro. Außerdem gewann „The Darkest Files“ zusätzlich in der Kategorie „Best Serious Game“ und heimste obendrauf 40.000 dafür ein. Verliehen wurde der Preis von der Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt Dorothee Bär.
Hochkarätige Nominierte
Neben dem Gewinner standen auch andere starke Titel im Finale. Für den Hauptpreis nominiert waren unter anderem „Anno 117: Pax Romana“ sowie „Tiny Bookshop“ – zwei Spiele, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Während „Anno 117“ als aufwendige Aufbausimulation das Leben im Römischen Reich detailreich nachbildet, setzt „Tiny Bookshop“ auf Ruhe und Atmosphäre rund um einen kleinen Buchladen am Meer.
Den Sonderpreis für Extremismusprävention erhielt der Forschungsverbund RadiGaMe. Sie beschäftigen sich mit Extremismus in digitalen Räumen beschäftigt und untersucht, wie Spieleplattformen für Propaganda missbraucht werden können.
Preisverleihung in renommierten Konzertsaal
Im Herkulessaal der Residenz München führte das Moderationsduo Katrin Bauerfeind und Uke Bosse durch den Abend. Mit dabei waren einige prominente Gäste: Darunter Schauspieler und Synchronsprecher Sönke Möhring oder Schauspieler und Sänger Wilson Gonzalez Ochsenknecht, der sich selbst als begeisterter Gamer versteht.
Auch Bayerns Digitalminister Fabian Mehring und Ministerpräsident Söder waren vor Ort. Als “alter Science Fiction und Fantasy-Fan”, wie er selbst sagt, verlieh Söder den Spielepreis für Innovation und Technologie. In seiner Laudatio hebt er Bayern als innovativen Standort Deutschlands hervor und kündigte an, die Games-Förderung in Bayern zu verdoppeln.
Wichtigster Preis für deutsche Gaming-Branche
Der Deutsche Computerspielpreis (DCP), der gestern bereits zum 18. Mal verliehen wurde, gilt als der wichtigste Preis für die Computerspiel-Szene in Deutschland. Insgesamt werden in 15 Kategorien die Preisgelder von insgesamt 800.000 Euro vergeben.
Jährlich wird der DCP von der Bundesregierung zusammen mit dem Branchenverband game Verband der deutschen Games-Branche game verliehen. Gekürt werden dabei die aus Sicht der Jury besten Spiele aus Deutschland. Voraussetzung für die nationalen Kategorien ist, dass ein Großteil der Entwicklung hierzulande stattgefunden hat – mindestens 80 Prozent müssen in Deutschland entstanden sein.

