Der Mai ist in Bayern nicht nur der Monat der Maibäume, der Blüten und der ersten warmen Tage. Für viele Katholikinnen und Katholiken ist er auch der Marienmonat. Maria, die Mutter Jesu, steht in diesen Wochen besonders im Mittelpunkt. In Kirchen, Kapellen und an Wallfahrtsorten gibt es Maiandachten.
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Maria Birkenstein: Wallfahrt im oberbayerischen Mai
Einer dieser Wallfahrtsorte in Bayern ist Maria Birkenstein oberhalb von Fischbachau im Landkreis Miesbach. Die kleine Wallfahrtskapelle liegt in den oberbayerischen Voralpen, auf einem Felsen im Wald. In der Kapelle beten Gläubige vor einer Marienstatue.
Die Geschichte dieses Ortes beginnt der Legende nach mit einem Traum. Schwester Margret erzählt, Maria selbst habe sich diesen Platz für ihre Verehrung gewünscht: „Weil nämlich die Kirche auf diesen Stein gebaut worden ist, wo der Pfarrer damals eingeschlafen ist. Dann hat er geträumt, dass die Maria gesagt hat: ‚Hier möchte ich verehrt werden, auf diesem Stein.‘ Dann ist er runter und hat einen Wirt und einen Bauer getroffen und die haben gesagt: ‚Und uns hat geträumt, dass ganz viele Pilger raufpilgern zu dem Stein.‘
Maiandachten: Warum Maria und Frühling zusammengehören
Tatsächlich setzte dieser Pilgerstrom im 18. Jahrhundert ein. Und er hält bis heute an. Gerade im Mai kommen besonders viele Menschen nach Maria Birkenstein. Dann, sagt Schwester Margret, werde die Kapelle besonders lebendig: „Jeden Tag eine Maiandacht – und da geht’s dann richtig los, also dass viele Leute kommen!“
Warum aber ausgerechnet der Mai? Die Antwort liegt auch in der Symbolik des Frühlings. Die Natur erwacht, alles wird grün, vieles blüht. Blumen stehen für Leben, Neubeginn und Schönheit. Schwester Margret beschreibt es schlicht so: „Weil da die Natur wieder aufblüht zum Leben.“
Marienmonat Mai: Alte Symbole und katholische Tradition
In der katholischen Tradition wird diese Kraft des Frühlings mit Maria verbunden. Laut Bibel ist sie die Mutter Jesu, die dem Heilsbringer das Leben geschenkt hat.
Diese Verbindung von Maria, Blumen und Leben ist alt. Im Mittelalter wurden Rosenkranzgebete wichtig, und die Rose wurde zu einem der bekanntesten Symbole Marias. Der Münchner Kirchenhistoriker Manfred Heim erklärt: „Die Rosenkranzübungen, die Rose überhaupt als das kennzeichnende Attribut und Symbol für Maria – und die Wahl des Monats Mai als der Höhepunkt der Naturentfaltung – werden eben mit der Maria verbunden.“
Patrona Bavariae: Maria als Schutzfrau Bayerns
In Bayern bekam diese Marienverehrung eine besondere Bedeutung. Der Freistaat blieb in der Reformationszeit stark katholisch geprägt. Während Martin Luther den Heiligenkult und die Marienverehrung in katholischer Form ablehnte, wurde Maria in katholischen Regionen umso sichtbarer verehrt.
Für Manfred Heim ist Bayern dabei ein besonderer Fall. Er verweist auf die „Patrona Bavariae als Schutzfrau des Bayernlandes“ und sagt: „Die ist eingerichtet worden schon unter Herzog Maximilian I., der der erste Kurfürst von Bayern geworden ist.“
Bis heute ist diese Geschichte im Münchner Stadtbild sichtbar: an der Residenz und auf der Mariensäule am Marienplatz. Den offiziellen kirchlichen Rang bekam die Patrona Bavariae später. Während des Ersten Weltkriegs bat König Ludwig III. Papst Benedikt XV., Maria als Patronin Bayerns anzuerkennen und einen eigenen Feiertag zu erlauben.
Heim ordnet das so ein: „Ein Nach-Nach-Nachfolger Maximilians I., nämlich Ludwig III., beantragt beim Papst, dass eben dieses Prädikat der Patrona Bavariae mit einem eigenen Feiertag verliehen wird!“
1. Mai: Ein bayerisches Glaubenszeichen
Der Papst stimmte 1916 zu. Seitdem können Bayerns Katholikinnen und Katholiken Maria offiziell als Schutzpatronin ihrer Heimat verehren. Der Gedenktag fällt auf den 1. Mai.
Vielleicht erklärt genau das, warum der Marienmonat in Bayern bis heute so wichtig ist: weil sich darin Natur und Glaube verbinden, Geschichte und Heimat, Wallfahrt und bayerische Identität.

